Kinder verweigern neue Lebensmittel: Hinter der Krise am Essenstisch steckt viel mehr als nur eine Laune

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Kinder verweigern neue Lebensmittel: Hinter der Krise am Essenstisch steckt viel mehr als nur eine Laune

Stand: 13.10.2026, 07:10 Uhr

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Kind verzieht beim Essen das Gesicht

Der Blick auf das Essen verrät es schon: Wie bringt man ein Kind dazu, ein neues Lebensmittel zu probieren? (Symbolbild) © Christin Klose/dpa-tmn

Hinter der Verweigerung neuer Lebensmittel bei Kindern steckt meist keine Laune. Oft handelt es sich um eine Entwicklungsphase.

Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten und Babysitter haben es mindestens einmal erlebt: Kinder wollen neue Lebensmittel weder probieren noch essen. Das gilt besonders für bisher unbekanntes Gemüse, besondere Zubereitungen oder Lebensmittel mit kräftigerem Geschmack. Häufig wird diese Ablehnung als bloße Laune betrachtet. Das trifft jedoch nicht zu. Es handelt sich um Lebensmittelneophobie. Diese normale Phase der kindlichen Entwicklung ist durch Misstrauen gegenüber neuen oder unbekannten Lebensmitteln gekennzeichnet.

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Dieser Artikel von Daniele Particelli entstand in Kooperation mit Gazzetta dello Sport.

Schätzungen aus einer Untersuchung des italienischen Rates für Agrarforschung und Analyse der Agrarwirtschaft zeigen, dass das Phänomen sehr verbreitet ist. Bei 85,4 Prozent der italienischen Kinder ist diese Zurückhaltung gegenüber Lebensmitteln mittelstark oder stark ausgeprägt. Damit gehen eine geringere Orientierung an der mediterranen Ernährung und eine stärkere Ablehnung von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten einher.

Kinder einbeziehen und eine entspannte Atmosphäre schaffen

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Beteiligung der Kinder: Sie können zum Einkaufen mitkommen, Gemüse waschen und bei der Zubereitung der Mahlzeiten mithelfen. Dadurch werden unbekannte Lebensmittel vertrauter und wirken weniger bedrohlich. Der dritte und letzte Bestandteil betrifft die Atmosphäre am Tisch: Eine entspannte Umgebung ohne Konflikte um das Essen bietet die besten Voraussetzungen, um Neugier und Offenheit gegenüber neuen Geschmacksrichtungen zu fördern.

„Kinder an der Zubereitung der Mahlzeiten zu beteiligen, dieselben Lebensmittel wiederholt anzubieten und eine entspannte Atmosphäre am Tisch zu schaffen, hilft dabei, ein positives Verhältnis zum Essen aufzubauen“, erklärte De Gara weiter. „Geschmacksbildung bedeutet auch, Neugier zu fördern. Dazu gehört ebenso die Offenheit gegenüber Neuem.“

Studie zeigt Verbesserungen der Ernährungsgewohnheiten

Daten stützen die Wirksamkeit dieser Ansätze. Eine in Scientific Reports veröffentlichte Studie von Forschenden der Universität Campus Bio-Medico in Rom mit rund 800 italienischen Kindern zwischen sechs und zehn Jahren zeigte, dass ein strukturiertes Programm zur Ernährungsbildung die Ernährungsgewohnheiten konkret verbessert. Bereits nach zwei Monaten aßen die teilnehmenden Kinder mehr Gemüse und Vollkornprodukte, tranken mehr Wasser, verringerten ihre Fleischportionen und verbrachten weniger Zeit mit sitzenden Tätigkeiten. In einigen der untersuchten Regionen steigerten bis zu 83 Prozent der Kinder ihren Gemüseverzehr.

Druck und Strafen verstärken die Ablehnung

Probleme können jedoch entstehen, wenn Familien versuchen, der Lebensmittelneophobie auf die falsche Weise entgegenzuwirken. Zwang, Druck und Strafen bewirken fast immer das Gegenteil und verstärken die Angst des Kindes vor dem Essen. Dadurch wird die Ablehnung gefestigt, statt abgebaut.

Eine normale Phase, die den richtigen Umgang erfordert

Wer sich wegen dieser „Launen“ an den Kinderarzt oder Hausarzt gewandt hat, erhielt Entwarnung. Lebensmittelneophobie muss Familien nicht beunruhigen. „Sie kann eine normale Entwicklungsphase sein und muss keinen Anlass zur Sorge geben“, erklärte Laura De Gara, Leiterin des Masterstudiengangs Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften an der Universität Campus Bio-Medico in Rom.

Geduld, Wiederholung und Beteiligung sind wichtig

Die von Fachleuten empfohlene Strategie beruht auf drei zentralen Bestandteilen. Der erste ist Geduld: Ein Lebensmittel, das beim ersten, zweiten oder auch zehnten Mal abgelehnt wird, wird nicht zwangsläufig dauerhaft abgelehnt. Untersuchungen zeigen, dass wiederholter Kontakt mit demselben Lebensmittel die Wahrscheinlichkeit schrittweise erhöht, dass das Kind es akzeptiert. Voraussetzung ist, dass Eltern es ohne Druck anbieten und es einfach auf dem Teller liegt.