Kinderhaben ist der beste "Business Case" von allen

Herzkammern Kinderhaben ist der beste "Business Case" von allen Man kann sich Familie als Investition denken, die anfangs viel kostet, aber sich später umso mehr auszahlt. Am meisten, wenn man Enkel be...

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Kinderhaben ist der beste "Business Case" von allen

Herzkammern

Kinderhaben ist der beste "Business Case" von allen

Man kann sich Familie als Investition denken, die anfangs viel kostet, aber sich später umso mehr auszahlt. Am meisten, wenn man Enkel bekommt

Eric Frey

Ein älterer Mann und ein kleiner Junge knien gemeinsam im Gras, umringt von blühenden Pusteblumen, an einem sonnigen Frühlingstag.
Die emotionale Rendite steigt noch einmal, wenn die Enkel da sind.

In der missglückten Wortmeldung von Christian Stocker zur Kinderbetreuung gab es eine Formulierung, die im Vergleich zu anderen wenig Debatten auslöste. Er wehre sich dagegen, Familien als "Business Case" zu sehen oder als Rechenbeispiel zu begreifen, erklärte der Bundeskanzler in Salzburg.

Als einer, der sehr gerne ökonomische Modelle auf alle Aspekte des Lebens anwendet, will ich ihm widersprechen. Kinderhaben, denn darum ging es hier, ist meiner Meinung nach ein großartiger "Business Case", wahrscheinlich der beste, den es überhaupt gibt.

Ein besonderes Privileg

Ich schreibe das als Vater zweiter erwachsener Kinder und als frisch gebackener Großvater. Die Rolle von Großeltern ist ein besonderes Privileg. Man genießt die wunderbare Zeit mit einem Kind, aber trägt wenig Verantwortung und nur geringe Lasten. Wenn ich meine Tochter und meinen Schwiegersohn mit ihrem dreieinhalb Monate alten Sohn beobachte, der sie Tag und Nacht in Beschlag nimmt, wird mir bewusst, dass in ihrem Engagement etwas steckt, was Ökonomen gut kennen: das Konzept der Investition.

Investieren bedeutet, Zeit, Geld oder Wohlbefinden zu opfern, um später davon einen noch größeren Nutzen zu ziehen. Dieses Prinzip kennt jeder Landwirt, jeder Häuslbauer und jeder Unternehmer. Aber es bestimmt auch das Leben jedes einzelnen Menschen. Die erste große Investition im Leben ist die Ausbildung, die üblicherweise mit dem Schuleintritt mit sechs beginnt und dann bis zu 20 Jahre andauert. Lernen ist nicht immer lustig, aber man tut es, um später einen besseren Beruf und ein erfüllteres Leben zu haben. Wer früher die Schule abbricht, kann früher Geld verdienen, aber wird über die Lebensdauer ärmer sein. Bildung zahlt sich bekanntlich aus.

Leben auf den Kopf gestellt

Gerade in der Lebensphase, in der all diese Bemühungen beginnen, Früchte zu tragen, stehen junge Menschen vor der nächsten großen Investitionsentscheidung. Kinder erfordern zunächst einen Einsatz, der über alles bis dahin Bekannte hinausgeht. Sie stellen das Leben auf den Kopf und sie kosten mehr als jedes andere Unterfangen, wenn man bedenkt, auf wie viele Verdienstmöglichkeiten und Karriereschritte zumindest ein Elternteil verzichten muss. Dazu kommt der Verlust an Schlaf, an Kinobesuchen, an entspannten Urlauben, an Einkaufen ohne schreienden Anhang, und schnell einmal wohin gehen zu können, ohne das Kind erst mühsam einpacken zu müssen. Elternsein ist kein reines Vergnügen.

Kein Wunder, dass viele davor zurückschrecken oder die Entscheidung zumindest auf einen späteren Zeitpunkt verschieben – manche so lange, bis es sich biologisch von selbst erledigt. Auch die erste Zeit der Elternschaft war bei meiner Frau und mir nicht leicht, wobei ich mich heute kaum noch an die Details erinnere. Aber eines weiß ich: Es wurde von Jahr zu Jahr etwas einfacher, während die Freude mit den Kindern stetig aufwärtsging, wenn sie krabbelten, gingen, redeten, und schließlich eigenständige und immer interessantere Personen wurden.

In der Auszahlungsphase

Seit vielen Jahren sind wir in der Auszahlungsphase dieser Investition: eine Tochter und ein Sohn, mit denen wir nur Freude haben und ohne die wir uns unser Leben gar nicht vorstellen könnten. Und mit dem ersten Enkel hat sich diese emotionale Rendite noch einmal um einiges gesteigert. Er mag zwar meistens schlafen und in der Wachzeit schreien, wie es Babys in dem Alter tun, aber dazwischen lächelt er uns schon an. Welche Freude, vor allem wenn wir ihn nach einiger Zeit den Eltern wieder zurückgeben können.

Wann immer ich junge Menschen höre, wie sie Gründe vorbringen, warum sie noch keine Kinder haben wollen – zu teuer, zu wenig Platz, zu wenig Hilfe, unsichere Zukunft – möchte ich ihnen sagen: Denkt daran, wie es euch in 20 Jahren oder 30 Jahren geht, wenn ihr jetzt auf dieses Opfer verzichtet. Auch kinderlosen Menschen kann es im Alter gut gehen, vor allem wenn sie liebe Nichten und Neffen haben. Aber die Gefahr der Vereinsamung ist hoch, und der Verlust an Lebensfreude auch.

Wobei es bei Kindern keine Glücksgarantien gibt. Auch da gibt es starke Ähnlichkeiten mit wirtschaftlichen Investitionen: Diese können aufgehen oder scheitern. Manche Kinder werden nicht so, wie man es sich wünscht; einige brechen gar den Kontakt mit den Eltern ab. Doch dieses Risiko ist im Leben immer gegeben, bei der Ausbildung genauso wie bei Beziehungen. Dennoch verzichten die meisten nicht darauf.

Mehr Einsatz, mehr Lohn

Noch ein Gedanke, der mit der Debatte um den Stocker-Sager zusammenhängt: Die Investition, die Mütter in ihre Kinder stecken, ist fast immer größer als die der Väter. Das beginnt mit der Schwangerschaft und setzt sich leider – mit nur wenigen Ausnahmen – durch die gesamte Betreuungszeit fort. Aber obwohl es manchen Männern gelingt, bei relativ wenig Einsatz in der Erziehung ein gutes Verhältnis zu ihrem Nachwuchs zu entwickeln, sind es am Ende doch oft die Frauen, die später mehr Nähe zu ihren Kindern genießen. Auch diese teure Investition bleibt später nicht unbelohnt.

Bei meiner Tochter und meinem Schwiegersohn sehe ich jenes 50:50-Verhältnis an Zeit und Energie, zu dem ich mich einst nicht ganz durchringen konnte. Ich bin überzeugt, dass es sich für beide auszahlen wird. Eine ertragreichere Investition, als mit dem Sohn im Tragetuch auf einem Medizinball auf- und abzuhüpfen, damit er endlich einschläft, gibt es im ganzen Leben nicht. (Eric Frey, 21.8.2026)

Illustration eines Herzens in Schichten aus rosa und roten Wolken mit weißen Wolkenakzenten. In der Mitte steht der Schriftzug „HERZ- KAMMERN“ in großer Schrift. Der Hintergrund ist in Rosa gehalten.
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