Tiktok-Falschmeldung löst brutalen Angriff auf Rettungsteam in Rumänien aus

Publiziert10. August 2026, 21:47Rumänien«Kinderklau»-Fake auf Tiktok: Mob attackiert Sanitäter mit ÄxtenMit Äxten, Stöcken und Steinen griffen mehrere Personen in Rumänien einen Rettungswagen an. Zuvor wurden a...

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Tiktok-Falschmeldung löst brutalen Angriff auf Rettungsteam in Rumänien aus

Publiziert10. August 2026, 21:47

Rumänien«Kinderklau»-Fake auf Tiktok: Mob attackiert Sanitäter mit Äxten

Mit Äxten, Stöcken und Steinen griffen mehrere Personen in Rumänien einen Rettungswagen an. Zuvor wurden auf Tiktok falsche Gerüchte über Kindesentführungen verbreitet.

Karin Leuthold

Darum gehts

  • In Recea-Cristur, Rumänien, haben Dorfbewohner ein Rettungsteam mit Stöcken, Äxten und Steinen angegriffen.
  • Auslöser waren Tiktok-Videos, die fälschlicherweise behaupteten, Krankenwagen würden Kinder entführen.
  • Der Fahrer wurde durch Glassplitter am Auge verletzt und musste notoperiert werden.

In der Gemeinde Recea-Cristur im Nordwesten Rumäniens haben mehrere Menschen ein Rettungswagenteam mit Stöcken, Äxten und Steinen angegriffen. Auslöser waren offenbar Falschmeldungen auf Tiktok, wonach Krankenwagen dazu benutzt würden, Kinder zu entführen.

Bei dem Angriff wurde laut dem Portal «Gherla Info» der Fahrer des Rettungswagens durch Glassplitter am Auge verletzt und musste notoperiert werden. Die Ärzte diagnostizierten eine Verletzung der Hornhaut. Seine Genesung werde voraussichtlich mindestens drei Monate dauern.

Ambulanz sorgt im Dorf für Unruhe

Der Vorfall begann, als das Rettungsteam nach der Einfahrt in den Ort anhielt, um Anwohner nach dem Weg zu einem Patienten zu fragen. Nach Angaben der Polizei ähnelte der Krankenwagen Fahrzeugen, die zuvor in Tiktok-Videos zu sehen gewesen waren. Darin wurde fälschlicherweise behauptet, Kinder würden entführt, um ihnen Organe zu entnehmen oder sie für medizinische Experimente zu missbrauchen.

Die Frontscheibe des Rettungswagens wurde durch den Angriff schwer beschädigt, was die Notoperation des Fahrers notwendig machte.

Die Frontscheibe des Rettungswagens wurde durch den Angriff schwer beschädigt, was die Notoperation des Fahrers notwendig machte.Screenshot dejeanul.ro

Nachdem das Rettungsteam den Patienten aufgenommen hatte und auf dem Weg in ein nahe gelegenes Spital war, versperrte ihm ein Auto die Strasse. Mehrere Personen stiegen Berichten zufolge mit Knüppeln und Äxten bewaffnet aus und griffen den Rettungswagen an. Sie beschuldigten die Sanitäter, jenen angeblich «schwarzen Krankenwagen» zu fahren, «der Kinder stiehlt».

Politik fordert Gesetz gegen Fake News

Der Angriff hat in Rumänien die Debatte über den Umgang mit Falschmeldungen und schädlichen Inhalten in sozialen Medien neu entfacht. In Teilen der Bevölkerung herrscht seit Jahrzehnten ein tiefes Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und Autoritäten – darunter auch Ärzte und Rettungskräfte. Die Falschbehauptung, mit Krankenwagen würden Kinder entführt, kursiert in Rumänien bereits seit Jahren im Internet. 2018 wurde etwa eine Frau verprügelt, die mit einem ausrangierten Krankenwagen im Rahmen eines Kulturprojekts Bücher in rumänische Dörfer brachte.

«Krankenwagen stehlen keine Kinder, aber Tiktok stiehlt Gehirne.»

Rumäniens Vize-Premierministerin Oana Gheorghiu

Der amtierende Verteidigungsminister Radu Miruță forderte laut Euronews den Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Sorin Grindeanu, auf, einen von ihm im März 2025 eingebrachten Gesetzentwurf gegen manipulative und illegale Inhalte in sozialen Netzwerken zur Debatte zu stellen und rasch zu verabschieden. «Das Gesetz gegen Desinformation muss verabschiedet werden! Ich habe es 2025 dem Parlament vorgelegt. Es wurde stillschweigend vom Senat angenommen und liegt nun in der Abgeordnetenkammer auf Eis», sagte Miruță.

Auch Rettungssanitäter stellen neue Forderungen

Deutliche Worte fand auch Rumäniens Vize-Premierministerin Oana Gheorghiu. «Krankenwagen stehlen keine Kinder, aber Tiktok stiehlt Gehirne», schrieb sie auf Facebook. Auch sie forderte gesetzliche Massnahmen gegen Falschmeldungen. Insbesondere sollten Nutzer sozialer Medien verpflichtet werden, ihre Identität offenzulegen, damit sie für die Verbreitung von Falschinformationen zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Die Gewerkschaft der Rettungssanitäter forderte nach dem Angriff zudem, die Berufsgruppe offiziell in die höchste Risikokategorie einzustufen und entsprechende Lohnzulagen zu gewähren.

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Karin Leuthold

Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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