Kinderschutzbund Rödermark berät seit 35 Jahren – auch anonym

Die Familienberatungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes in Rödermark existiert seit rund 35 Jahren. Zwei Fachkräfte arbeiten dort auf Halbtagsstellen – eine davon ist seit Juli neu im Team.

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Kinderschutzbund Rödermark berät seit 35 Jahren – auch anonym

Stand: 22.08.2026, 06:03 Uhr

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Seit 15 Jahren bereits ist Martina Hubert (links) Beraterin bei der Familienberatung des DKSB; ganz neu im Team ist Cornelia Vogel, beide mit je einer halben Stelle.

Seit 15 Jahren bereits ist Martina Hubert (links) Beraterin bei der Familienberatung des DKSB; ganz neu im Team ist Cornelia Vogel. © Christine Ziesecke

Die Familienberatungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes in Rödermark existiert seit rund 35 Jahren. Zwei Fachkräfte arbeiten dort auf Halbtagsstellen – eine davon ist seit Juli neu im Team.

Urberach – Hört man „Deutscher Kinderschutzbund“ (DKSB), denkt man in Rödermark primär an bunte Grüppchen von Tagesmüttern mit ihren kleinen Schützlingen, die unter dem Dach des DKSB ihre segensreiche Arbeit machen. Sie setzen sich für die Belange von Kindern in der Öffentlichkeit ein. Die Arbeit reicht bis zum Müllsammeln mit dem Nachwuchs. Der andere Teil der Aufgabe des Ortsverbandes und die ursprüngliche Funktion laufen ganz bewusst mehr im Hintergrund, offen für alle Menschen, aber selbstverständlich immer mit Schweigepflicht und kostenlos.

Seit rund 35 Jahren aktiv

Die Familienberatungsstelle mit ihren beiden Anlaufstellen an der Schillerstraße in Weiskirchen und in der Halle Urberach gibt es seit rund 35 Jahren. Damals, so steht es im Jahresbericht 2025, haben die ehrenamtlichen Vorstände beider DKSB-Ortsverbände erkannt, dass ein großer Bedarf für eine Familienberatungsstelle besteht, und haben dafür ein Konzept entwickelt. Zuvor war es für Familien sehr aufwendig und mit weiten Wegen verbunden, sich Hilfe zu holen.

Kommune und Kreis hatten sich 1991 darauf geeinigt, die Kosten untereinander aufzuteilen. Zwei Fachkräfte arbeiten für Rodgau und Rödermark derzeit auf Halbtagsstellen, werden durch Supervision unterstützt und bilden mit der Verwaltungskraft Lydia Merz und der stundenweise arbeitenden Geschäftsführerin Susan von Reth ein Team. Bei den Fachkräften gab es nun einen Wechsel. Neben Martina Hubert, einer staatlich anerkannten Heilpädagogin und Kinder- und Jugendtherapeutin, die schon 15 Jahre hier arbeitet, ist für die ausgeschiedene Diplom-Pädagogin Susanne Jacobi-Lehr seit Juli eine „Neue“ im Team: Sozialpädagogin Cornelia Vogel (50), die zuvor 15 Jahre an der Familienberatungsstelle Frankfurt tätig war und zahlreiche Zusatzausbildungen durchlaufen hat: „Ich kenn’ mich da aus…“.

Seit 15 Jahren bereits ist Martina Hubert (links) Beraterin bei der Familienberatung des DKSB; ganz neu im Team ist Cornelia Vogel, beide mit je einer halben Stelle.

Die Familienberatungsstelle mit ihren beiden Anlaufstellen an der Schillerstraße in Weiskirchen und in der Halle Urberach gibt es seit rund 35 Jahren. © Christine Ziesecke

Die Beraterinnen verstehen sich als Anlaufstelle für alle Eltern und Familien, für alle Menschen, die mit Kindern umgehen, und für alle Probleme – ganz gleich, ob kleine, mittlere oder große. Aber auch für erste Gespräche, wenn bei den Betreuenden Unsicherheit im Umgang mit Kindern besteht oder Beobachtungen geteilt werden wollen.

„Eltern sind oft unsicher: Was soll ich machen, was machen die anderen in dieser Situation?“, weiß Martina Hubert aus langjähriger Erfahrung. Und Eltern etwa werden nicht zuletzt durch die Medien oft verunsichert – die einen zaudern, was sie tun sollen, die anderen meinen, ganz genau zu wissen, was für ihr Kind das Beste ist – Gespräche können da helfen. Der DKSB wird dann als Ansprechpartner übers Internet gefunden oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda empfohlen.

„Quengelmonster oder Wüterich“

... so heißt der kommende Vortrag über den Umgang mit trotzenden Kindern im Vorschulalter. Er findet am Dienstag, 27. Oktober, um 19 Uhr im Schiller-Haus, Schillerstraße 17 in Urberach, statt. Der Vortrag ist kostenfrei; Referentin Martina Hubert bittet um Anmeldung bis 21. Oktober per E-Mail an schillerhaus @roedermark.de. Kontakt zum DKSB: Montag bis Freitag 9.30 bis 11.30 Uhr, Am Schellbusch 1 (Halle Urberach), 06074/68966; [email protected];
www.kinderschutzbund-rodgau-roedermark.de.

Die Beratungsstelle bietet aber auch besondere Dienste wie Sprechstunden in Kindergärten, Schulen oder in Familienzentren wie dem Schiller-Haus an. Die Kooperation beinhaltet auch, dass Erzieher- und Lehrerteams ebenso im Netzwerk eingebunden werden können. „Wir machen bewusst ein sehr niederschwelliges Angebot“, erklärt Cornelia Vogel, „wir gehen möglichst dahin, wo auch die Eltern sind.“

Sie bringen ihre fachliche Ausbildung ein, doch Sympathie oder Antipathie sind bei solchen Gesprächen besonders wichtig, wenn es gilt, Vertrauen aufzubauen. „Oft sprechen die Eltern erst einmal ein kleines Problem an, ehe sie zu den eigentlichen großen Sorgen kommen.“

Von Sprechstunden bis fachlichen Schulungen

Neben den Sprechstunden an verschiedenen Einrichtungen, die je nach Bedarf beim Aufstellen der neuen Jahrespläne im Herbst eines Jahres verschoben werden können, stehen die Beraterinnen auch für Vorträge zu bestimmten Themen bereit, ebenso zu einem Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder“: ein Programm für kleine Gruppen über zehn Abende. „Diese Abende leben hauptsächlich von Austausch. Alle Eltern haben ähnliche Probleme, und ein geschulter, aber neutraler Blick darauf hilft vielen.“ Themen sind dann überwiegend Fragen zu Trotz, Grenzen setzen, frühkindlicher Sexualität oder Pubertät. „Sehr häufig kommen Eltern, bei denen eine Trennung bevorsteht, und sie sich Rat holen, wie sie es den Kindern am schonendsten sagen und wie sie etwa mit dem Sorgerecht umgehen sollen“, erläutert Cornelia Vogel.

„Wir selbst arbeiten nicht therapeutisch, aber wir haben Netzwerke, wenn etwa Therapieplätze gesucht werden“, erklärt Martina Hubert. „Wir machen aber notfalls eine Zwischenversorgung, wenn sich die therapeutische Betreuung zu lange hinauszieht.“ Und auch Fachkräfte wie Erzieherinnen bekommen Angebote für Fortbildungsprogramme.

Das wichtigste Anliegen der Beraterinnen: „… dass Familien einfach wissen, dass es uns gibt und wir für sie als Beratung da sind – kostenlos und verschwiegen, und notfalls auch anonym. Wir brauchen keine Daten. Und es gilt: Kein Problem ist zu klein oder zu unwichtig!“ (Christine Ziesecke)

Sandra Jäger aus Ober-Roden hat einen Gesprächskreis gegründet für Menschen, die als Erwachsene eine ADHS-Diagnose erhalten haben.