Kleingärtner schreibt Hymne zum 80. Geburtstag seines Vereins
StartseiteKasselNordshausenStand: 23.08.2026, 18:00 UhrKommentareUns auf Google folgenSie feierten am Wochenende: (von links) die Kleingärtner Raphael Feldbusch, Günter Riechel, Karl-Georg Dittmar-Stern, Edgar ...
- 4 min read
Stand: 23.08.2026, 18:00 Uhr
Kommentare

Manuel del Rio hat für den Kleingartenvereins Dönche eine Hymne gedichtet. Der Verein feierte am Wochenende seinen 80. Geburtstag mit Sommerfest und Sternenwanderung.
Nordshausen – „Ganz am Rande unserer Stadt scheint das Paradies zu sein! Das ist der KGV Dönche, unser Kleingartenverein! So viel Freude, so viel Wohlsein, finden hier Groß und Klein. Zwischen Blumen, zwischen Hecken, ist dein Herz niemals allein.“ Mit diesen Textzeilen beginnt die Hymne, die Kleingärtner Manuel del Rio für den 80. Geburtstag des Kleingartenvereins Dönche geschrieben hat. Der runde Geburtstag wurde am Wochenende ausgiebig auf dem 85.000 Quadratmeter großen Gelände, gelegen zwischen dem Villenviertel Brasselsberg und dem alten Dorf, gefeiert. Am Samstag mit einem Sommerfest, am Sonntag war das Gelände, von dem man einen wunderschönen Blick auf die Stadt hat, Ziel einer Sternenwanderung, an der sich mehrere Vereine beteiligt hatten.
„Wir haben den Geburtstag des KGV Dönche extra mit dem Jubiläum 950 Jahre Nordhausen zusammengelegt“, so Karl-Georg Dittmar-Stern, stellvertretender Vorsitzender des Kleingartenvereins. Damit solle die Verbindung zu Nordshausen unterstrichen werden, in dessen Gemarkung das Gelände der Kleingärtner liegt. Manche haben ihre Parzelle bereits in der dritten Generation, den Garten vom Großvater und Vater übernommen. Wie Jürgen Kühlborn (65). „Ich bin hier schon als Zehnjähriger über die Zäune gehüpft.“
Der Verein war 1946 gegründet worden. Die ersten Gärten waren auf dem Gelände, das aus Felsbrocken, Dornengestrüpp, Schlehenhecken, Krüppeleichen, Sumpf und Morast sowie nach dem Zweiten Weltkrieg von großen und kleinen Bombentrichtern bestand, angelegt worden. „Die Menschen waren damals froh, in der Not etwas pflanzen zu können“, sagt Dittmar-Stern. Die Vorgänger im Verein hätten in der Nachkriegszeit eine Leistung erbracht, die man sich heute nicht mehr vorstellen könne: Sie haben aus einem steinigen Acker eines der schönsten Gartengelände geschaffen.
211 Parzellen gibt es auf dem Gelände, 210 seien derzeit belegt. Eine Warteliste führe der Verein nicht, so Dittmar-Stern. Wer Interesse an einem Garten habe, müsse sich bewerben. Der Vorstand schaue dann, ob der Bewerber passt. Was muss man für Voraussetzungen erfüllen, um eine Parzelle mit Blick über die Stadt zu bekommen? Man müsse das Bundeskleingartengesetz kennen und Interesse an der Gartenarbeit haben, sagt Dittmar-Stern. Er selbst bezeichnet sich als Junggärtner, weil er erst seit vier Jahren eine Parzelle dort hat. Wegen seiner Hunde habe er sich dafür entschieden, so der 73-Jährige. Aber die Ernte, die der Kleingarten hervorbringe, sei auch nicht zu verachten.
Wandel hin zum naturnahen Garten
„Wir erleben einen Wandel. Vom typischen Kleingärtner der 50er- und 60er-Jahre hin zu naturnahen Gärten“, sagt Dittmar-Stern. Das führe mitunter zu Konflikten. Denn für die Altgärtner wirke ein naturnaher Garten nicht so gepflegt, wie sie es gewohnt seien. Aber bislang habe man Unstimmigkeiten über mediative Gespräche beseitigen können. Die ältesten Kleingärtner sind knapp 90, der Jüngste hat mit 21 Jahren eine Parzelle gepachtet. Ob jung oder alt: Alle Generationen feierten am Wochenende.
Bereits am Samstag wurden die Feierlichkeiten zum Jubiläum offiziell eröffnet – während des Sportfestivals auf dem Sportgelände. Christoph Nordheim, der Vorsitzende des örtlichen Kulturvereins, kündigte zehn Tage voller Spiel, Spaß und Action an. Ortsvorsteher Christian Knauf wies auf die über zweijährige Vorbereitungszeit hin und sagte: „Da ist etwas entstanden. Nordshausen hat sich vorbereitet und präsentiert sich von seiner schönsten Seite.“

Oberbürgermeister Sven Schoeller bezeichnete Nordshausen als wunderbaren Stadtteil. „Und es ist ein Stadtteil, der weiß, wie man feiert.“ Schoeller hob den Zusammenhalt in Nordshausen hervor: „Hier gibt es einfach Menschen, die sich einbringen und die sich engagieren. Nordshausen ist da, wo das Herz noch zählt.“ Das zeigte sich auch an einer Jubiläumstorte vom örtlichen Café Cake Me Pink. Die Leckerei war geschmückt mit Nordshausen-Symbolen, die alsbald aber verspeist wurden. Beim Spielefest erinnerte eine Disziplin auch an den Spitznamen der Nordshäuser, die ganz gern die Steinewerfer genannt werden. Allerdings wurde nicht mit Steinen, sondern mit Säckchen geworfen.
Und der OB hatte auch nur Lob für die Kleingärtner. Sie hätten den schönsten Kleingarten in ganz Kassel.