Klimaschützer kristisieren: Neues Gaskraftwerk gefährdet Mainzer Klimaziele

Das auf der Ingelheimer Aue in Mainz geplante neue Gaskraftwerk, das unter anderem die Notstromversorgung für das dort entstehende Rechenzentrum „Green Rocks“ sicherstellen soll, passt nach Ansicht von Umwelt- ...

  • 2 min read
Klimaschützer kristisieren: Neues Gaskraftwerk gefährdet Mainzer Klimaziele

Das auf der Ingelheimer Aue in Mainz geplante neue Gaskraftwerk, das unter anderem die Notstromversorgung für das dort entstehende Rechenzentrum „Green Rocks“ sicherstellen soll, passt nach Ansicht von Umwelt- und Klimaschützern nicht mehr in die Zeit. Der vom Stadtrat gefasste Beschluss, die Kommune bis 2035 klimaneutral zu machen, sei keine „unverbindliche Zielsetzung“, sondern Maßstab für das Handeln der Stadt und ihrer Beteiligungsgesellschaften, teilte der Kreisverband der Grünen vor wenigen Tagen mit. Die Kritik richtet sich an die seit 90 Jahren für das direkt am Rhein gelegene „Energiezentrum“ zuständige Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW) AG, die ein gemeinsames Tochterunternehmen der Mainzer Stadtwerke AG und der Wiesbadener Eswe Versorgungs AG ist.

Auf dem Gelände am Fluss soll zusammen mit dem norwegischen Betreiber Green Montain ein mehr als 600 Millionen Euro teures und möglichst „grünes“ Rechenzentrum verwirklicht werden. Es soll am Ende aus drei Gebäuden bestehen und bis 2028 komplett fertiggestellt sein. Inzwischen liegt den Kraftwerken, die auf der Ingelheimer Aue auch einen großen Batteriespeicher aufstellen möchten, die Genehmigung für den Bau eines mit Gas betriebenen zusätzlichen Motorenkraftwerks vor, das sich bei Stromausfällen im Rechenzentrum schnell zuschalten lasse. Darüber hinaus könnten die einzeln hochzufahrenden Motoren der Anlage aber auch ganzjährig Strom fürs Netz produzieren; nämlich dann, wenn aus erneuerbaren Energiequellen nicht genügend eingespeist werde.

Den Dauerbetrieb sehen Umwelt- und Klimaschutzinitiativen allerdings, selbst wenn sie die beabsichtigte Notstromversorgung mit Hilfe fossiler Brennstoffe noch akzeptieren würden, äußerst kritisch. Die Verstromung von Gas sei laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme dreimal so teuer wie Strom aus Photovoltaik und Wind, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die unter anderem Positionen von Greenpeace Mainz-Wiesbaden, Mainz Zero und Scientists for Future zusammenfasst. Unisono fordern sie die Kraftwerke, aber auch die im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzenden Kommunalpolitiker auf, „die Investitionsentscheidung im Rahmen eines Moratoriums noch einmal zu überdenken“. Eine Genehmigung bedeute schließlich nicht, dass das Kraftwerk gebaut werden müsse.

Die Gegner des Projekts verweisen nicht nur auf die beschlossenen Mainzer Klimaziele, sondern auch auf die hohen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken, die mit der Nutzung von Gas verbunden seien. „Fossile Lieferketten machen uns sehr verwundbar“, so Wolfgang Schöllhammer von Parents for Future. Das habe die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines 2022 eindrucksvoll gezeigt.

Zum Thema „Notstromversorgung“ verweisen die Kritiker darauf, dass statistisch betrachtet am Standort nur wenige Minuten im Jahr keine Elektrizität verfügbar sei. Andererseits wolle die KMW mit der neuen Anlage bis zu 2500 Betriebsstunden jährlich fürs Netz produzieren. Noch sei man mit dem Unternehmen im Gespräch, hieß es. Man hoffe, dass dies keine Feigenblatt-Veranstaltung sei. Der Baubeginn für ein Gasmotorenkraftwerk würde den Dialog jedoch torpedieren.