Klimawandel: Niedrigwasser belastet Saar-Wirtschaft – Stahlverband fordert Konsequenzen

Der Pegelstand von Rhein und Saar sinkt, und das trifft auch die saarländische Industrie. Der Stahl-Verband-Saar warnt vor höheren Kosten, gestörten Lieferketten und Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

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Klimawandel: Niedrigwasser belastet Saar-Wirtschaft – Stahlverband fordert Konsequenzen

Klimawandel Niedrigwasser belastet Saar-Wirtschaft – Stahlverband fordert Konsequenzen

Dillingen/Völklingen · Der Pegelstand von Rhein und Saar sinkt, und das trifft auch die saarländische Industrie. Der Stahl-Verband-Saar warnt vor höheren Kosten, gestörten Lieferketten und Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.

04.08.2026 , 19:44 Uhr

Damit die Stahlproduktion bei Dillinger reibungslos läuft, müssen Güter auch per Schiff angeliefert werden.

Damit die Stahlproduktion bei Dillinger reibungslos läuft, müssen Güter auch per Schiff angeliefert werden.

Foto: Robby Lorenz

69 Zentimeter, das war der Pegelstand des Rheins am Dienstag in Köln, so die Auskunft der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Die Saar hat dagegen mit 198 Zentimetern in Saarbrücken-St. Arnual relativ viel Wasser, doch weniger als üblich. Die Niedrigstände bringen mittlerweile auch die saarländische Wirtschaft in Not. Der Stahl-Verband-Saar warnte am Dienstag vor „erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen auf Lieferketten, Energieversorgung und die Wirtschaftsleistung Deutschlands insgesamt“.

Für die saarländische Wirtschaft und insbesondere die Stahlindustrie seien leistungsfähige Wasserstraßen von zentraler Bedeutung, hieß es weiter. Über Rhein, Mosel und Saar werden den Angaben zufolge Rohstoffe, Energieträger und Produkte transportiert. Der Rhein zählt dabei zu den am meisten befahrenen Binnenwasserstraßen der Welt. Sinkende Wasserstände führen dazu, dass Frachtschiffe die Flüsse nicht mehr voll beladen befahren können. Auf manchen Flussabschnitten droht sogar die vorübergehende Einstellung der Güterschifffahrt. Die Folgen sind höhere Transportkosten, die die Unternehmen in der ohnehin angespannten wirtschaftlichen Situation zusätzlich belasten. Eine Verlagerung auf andere Transportmittel wie die Bahn oder den Lkw ist nur eingeschränkt möglich. So weit die Bestandsaufnahme des saarländischen Stahlverbands.

Stahlverband fordert Konsequenzen

„Die aktuellen Pegelstände zeigen, dass die Folgen des Klimawandels längst keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr sind. Sie verursachen bereits heute ganz konkret erhebliche Kosten für die Wirtschaft und gefährden damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“, sagt Antje Otto, Geschäftsführerin des Stahl-Verband-Saar.

Aber wie schaut es konkret bei Saarstahl und Dillinger Hütte aus, den Unternehmen der Stahl-Holding Saar (SHS)? „Aktuell betrifft uns das Niedrigwasser im Rohstoffzulauf weniger, da dieser nicht nur auf dem Wasserweg (Rhein, Mosel, Saar), sondern zum Großteil über die Schiene erfolgt. Zudem haben wir entsprechende Rohstoffbestände aufgebaut“, teilte eine SHS-Sprecherin auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung mit.

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Foto: Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa/Gaetan Bally

Auf dem Wasserweg würden vor allem die Stahlprodukte der SHS-Gruppe transportiert, „die aufgrund ihrer großen Abmessungen nur bedingt über Schiene oder Lkw transportiert werden können“. In der Logistik der SHS sind die Auswirkungen des Niedrigwassers bereits dennoch spürbar. „Hält das Niedrigwasser weiter an, werden wir auch entsprechende Umstellungen in unseren Produktionsprozessen vornehmen müssen“, sagte die Sprecherin weiter.

Ohne die Transporte per Schiff wird es also schwieriger. Auch finanziell bleibt die Lage nicht ohne Folgen für die Unternehmen der SHS, weil „entsprechende Mehrkosten wie zum Beispiel Niedrigwasserzuschläge bei den Schiffern oder auch für den Einsatz von mehr Schiffen anfallen“.

Das Niedrigwasser in deutschen Flüssen könnte nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr zunichtemachen. Ein „längerer Ausfall der Schiffbarkeit auf dem Rhein könnte das ganz klitzekleine Pflänzchen Wachstum, das wir haben, komplett ersticken“, sagte IW-Ökonom Thilo Schäfer der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Demnach könnte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts wegen des Niedrigwassers um 0,4 Punkte niedriger ausfallen als bisher erwartet.

ING-Analyst Carsten Brzeski erwartet, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr wegen des Niedrigwassers um 0,3 Punkte niedriger ausfallen könnte. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen; in ihrer Frühjahrsprojektion hatte die Bundesregierung für das Gesamtjahr ein BIP-Wachstum um 0,5 Prozent prognostiziert. (jos)