Warum Wien nicht mehr auf der Roten Liste des Welterbes steht

Tu felix Austria nube, hieß es früher einmal, als die Habsburger durch strategische Hochzeiten ihr Imperium ausbauten. Seitdem ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen. Aber eines können sie immer noch, die ...

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Warum Wien nicht mehr auf der Roten Liste des Welterbes steht

Tu felix Austria nube, hieß es früher einmal, als die Habsburger durch strategische Hochzeiten ihr Imperium ausbauten. Seitdem ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen. Aber eines können sie immer noch, die Österreicher: Hinterzimmerdiplomatie.

Zuletzt war das auf kuriose Weise in der von Touristen aus aller Welt geliebten Hauptstadt zu besichtigen. Denn Wien, seit 2017 auf der Roten Liste des gefährdeten Unesco-Welterbes, wurde vom zuständigen Unesco-Komitee von ebendieser Liste wieder gestrichen. Ist doch schön, könnte man sagen.

Aber es gibt da einen kleinen Schönheitsfehler, eine Warze auf der hübschen Nase der zur zweitlebenswertesten Stadt der Welt gekürten Metropole: Sowohl das Unesco-Sekretariat als auch die die Unesco beratende internationale Organisation für Denkmalpflege (Icomos) waren gegen ein Streichen Wiens von der Roten Liste. Diese Empfehlung gaben sie weiter an das Unesco-Komitee, bestehend aus Vertretern aus 21 Staaten. Das beschloss aber gegen den Rat der beiden Fachgremien, Wien von der Liste zu streichen. Gab es noch nie!

Was war passiert? Die Kurzfassung: Wien landete 2017 auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes, weil die rot-grüne Stadtregierung dem österreichischen Milliardär Michael Tojner (ihm gehört unter anderem der deutsche Batteriehersteller Varta) erlaubte, am Heumarkt einen 73 Meter hohen Turm mit Luxuswohnungen zu bauen, dazu auch das alte Hotel Intercontinental daneben zu erneuern. Das massige Hochhaus sei von vielen Plätzen außerhalb der Stadt zu sehen und störe so das geschützte Altstadtensemble, war damals die Unesco-Argumentation.

Und die hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn der Luxusturm im letzten Entwurf nur noch 50 Meter messen soll. Auch das würde man von vielen Orten aus sehen. Stadt- und Bundesregierung sowie der Investor begrüßten die Entscheidung. Nur kleinere Teile von Opposition und Medien kritisierten sie und vermuten dahinter massives staatliches Lobbying von Seiten Österreichs. Stichwort: Hinterzimmer.

Man kann es ja verstehen: Wer will schon dauerhaft auf einer Liste mit Kriegs- und Entwicklungsländern stehen? Andere mögen Kriege führen, aber: Tu felix Vindobona aedifica!

Der Autor hat fünf Jahre in Wien gelebt, als es noch grau und kein Unesco-Welterbe war.
Der Autor hat fünf Jahre in Wien gelebt, als es noch grau und kein Unesco-Welterbe war. Bernd Schifferdecker (Illustration)