Kommunalwahl in Niedersachsen live: Wahllokale geöffnet – Warten auf Ergebnisse

StartseitePolitikStand: 13.09.2026, 09:12 UhrKommentareUns auf Google folgenNiedersachsen hat die Wahl: Bei der Kommunalwahl entscheiden die Wähler, wie das Land die kommenden fünf Jahre auf Kommunalebene gefüh...

  • 5 min read
Kommunalwahl in Niedersachsen live: Wahllokale geöffnet – Warten auf Ergebnisse

Stand: 13.09.2026, 09:12 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Niedersachsen hat die Wahl: Bei der Kommunalwahl entscheiden die Wähler, wie das Land die kommenden fünf Jahre auf Kommunalebene geführt werden soll. Der Ticker.

Hannover – Bei der Kommunalwahl 2021 spielte die AfD in Niedersachsen noch eine untergeordnete Rolle: Die CDU sicherte sich damals sowohl bei den Gemeindevertretungen als auch bei den Kreistagen den Sieg vor der SPD und den Grünen. Ihr bestes Ergebnis erzielte die AfD damals mit 10,5 Prozent in Salzgitter und Wagenhoff im Landkreis Gifhorn, doch in keiner einzigen der 155 angetretenen Gemeinden wurde sie zur stärksten Kraft. Lesen Sie hier alle Entwicklungen zur Kommunalwahl in Niedersachsen im News-Ticker:

Dies könnte sich aber nun bei der Kommunalwahl in Niedersachsen ändern: Wenn am Sonntag etwa 6,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger an die Wahlurnen gerufen werden, sind die Voraussetzungen nämlich völlig andere. Getragen vom bundespolitischen Rückenwind und dem jüngsten Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt rechnet sich die Partei dieses Mal massive Zugewinne aus. Stephan Bothe, der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD, zeigt sich optimistisch und peilt „weit über 20 Prozent“ in vielen Regionen an. Der Politiker selbst ist derweil von der Wahl ausgeschlossen.

Niedersachsen-Wahl live: AfD will an Erfolg von Wahl in Sachsen-Anhalt anknüpfen

Mit Blick auf die Niedersachsen-Wahl machte Bothe deutlich, dass das Ziel sei, die Zahl der kommunalen Mandate zu vervierfachen. Vor allem im ländlichen Raum erwarte die Partei starke Zuwächse und mehrere Hundert zusätzliche Mandatsträger. In Sachsen-Anhalt hatte die Partei am vergangenen Sonntag 43,8 Prozent der Stimmen geholt. Niedersachsens AfD-Fraktionschef Klaus Wichmann forderte die anderen Parteien angesichts des Ergebnisses zu Gesprächen mit der AfD auf. Debatten über eine sogenannte Brandmauer müssten zurückgefahren werden. Eine Partei mit einem solchen Stimmenanteil könne nicht dauerhaft ausgegrenzt werden, sagte Wichmann.

Wähler geben in einem Wahlraum im Neuen Rathaus ihre Stimmen für die Kommunalwahl 2026 in Niedersachsen ab. In der Briefwahlstelle können Wähler Briefwahl beantragen und auch direkt ihre Stimmen im Wahlraum abgeben. Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am Sonntag, 13. September, statt.

Wähler geben in einem Wahlraum im Neuen Rathaus ihre Stimmen für die Kommunalwahl 2026 in Niedersachsen ab. In der Briefwahlstelle können Wähler Briefwahl beantragen und auch direkt ihre Stimmen im Wahlraum abgeben. Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am Sonntag, 13. September, statt. © Julian Stratenschulte/dpa

Für juristische und politische Brisanz sorgte im Vorfeld der Ausschluss mehrerer AfD-Kandidaten von den Direktwahlen. Eine Neuregelung im Kommunalwahlgesetz erlaubt es, Bewerberinnen und Bewerber auf ihre Verfassungstreue zu prüfen – unter Einbeziehung von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes, der den niedersächsischen AfD-Landesverband als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Ausgeschlossen wurden unter anderem Bothe für die Landratswahl im Landkreis Lüneburg und Martin Sichert für den Kreis Friesland. Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht wies alle Eilanträge ab. Den Betroffenen bleibt somit nur die Möglichkeit, die Wahl nachträglich im Rahmen eines Wahlprüfverfahrens anzufechten.

Erst vergangene Woche hatte auch das Verwaltungsgericht in Oldenburg einen Eilantrag des AfD-Landtagsabgeordneten Thorsten Moriße abgelehnt, der für das Oberbürgermeisteramt in Wilhelmshaven antreten wollte. Anders als seine Parteifreunde ging Moriße aber nicht vor dem OVG gegen die Entscheidung vor. Er habe eine Beschwerde zurückgenommen, erklärte das Gericht. Damit liegen laut dem OVG dort aktuell keine weiteren Verfahren im Zusammenhang mit Kandidaturen für die Kommunalwahl vor.

Kommunalwahl in Niedersachsen: Wahllokale zwischen 8 und 18 Uhr geöffnet

Am Sonntag entscheiden die Wähler nun, wer nach der Niedersachsen-Wahl in den niedersächsischen Gemeinden, Städten und Landkreisen das Sagen haben wird. Eine Kommunalwahl findet in der Regel alle fünf Jahre statt. Die Wahllokale sind zwischen 8 Uhr und 18 Uhr geöffnet. Kann sich in einem Wahlbezirk niemand für die Spitze der kommunalen Verwaltung durchsetzen, können die Bürger in einer Stichwahl am 27. September noch einmal zwischen den beiden aussichtsreichsten Kandidaten entscheiden.

Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen wählen die Bürgerinnen und Bürger die Mitglieder der kommunalen Vertretungen. Dazu gehören die Regionsversammlung, die Kreistage, die Samtgemeinderäte sowie die Räte der Städte und Gemeinden. In Gemeinden mit Ortschaften oder Stadtbezirken wählen sie außerdem die Mitglieder der Ortsräte oder Stadtbezirksräte. In vielen Kommunen wählen die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich die Leiterinnen und Leiter der kommunalen Verwaltung. In der Region Hannover wird die Regionspräsidentin oder der Regionspräsident direkt gewählt. Diese Wahlen finden nur dort statt, wo die Amtszeit der derzeitigen Amtsinhaberin oder des derzeitigen Amtsinhabers am 31. Oktober 2026 endet.

Im Vergleich zu anderen Wahlen haben die Bürgerinnen und Bürger teilweise eine große Auswahl bei der Stimmenabgabe. Insgesamt wurden zur Niedersachsen-Wahl 26 Parteien zugelassen. Neben Parteien treten örtliche Wählergruppen und Einzelkandidierende an. Wahlberechtigt sind alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, die am Wahltag mindestens 16 Jahre alt sind, seit mindestens drei Monaten ihren Wohnsitz in Niedersachsen haben, in ein Wählerverzeichnis eingetragen sind oder einen Wahlschein haben.

AfD bei Niedersachsen-Wahl: Kommunale Konkurrenz?

Der politische Rückenwind für die AfD zeichnet sich schon länger ab: Bei der Bundestagswahl 2025 erreichte die AfD bereits in fast 400 der rund 940 niedersächsischen Gemeinden über 20 Prozent der Zweitstimmen – in 34 Gemeinden wurde sie sogar stärkste Kraft. Besonders stark schnitt sie zuletzt im Landkreis Gifhorn, in Salzgitter und in der Region um Helmstedt ab. Allerdings folgen Kommunalwahlen eigenen Gesetzmäßigkeiten: Lokale Themen und bekannte Persönlichkeiten stehen im Vordergrund, und kommunale Wählergruppen bieten oft eine starke Alternative zu den etablierten Parteien.

Dass die Niedersachsen-Wahl am Sonntag weit über Niedersachsen hinaus politische Signale senden könnte, betont auch Alexander Hensel vom Göttinger Demokratieforschungsinstitut. Er sieht eine direkte Wechselwirkung mit den Entwicklungen im Osten der Republik und geht davon aus, dass die Wahl in Sachsen-Anhalt eine klare Signalwirkung hat: Der „bundespolitische Frust“ habe sich dort auf Landesebene entladen.

Kommunalwahl live: Niedersachsen entscheidet über fast 2200 kommunale Parlamente

Insgesamt entscheiden die Bürgerinnen und Bürger bei der Kommunalwahl in Niedersachsen über fast 2200 kommunale Parlamente, darunter Regionsversammlungen, Kreistage, Samtgemeinderäte sowie Stadt- und Gemeinderäte. Zudem stehen rund 400 Direktmandate zur Wahl, bei denen die Leitung der Verwaltung wie hauptamtliche Bürgermeisterinnen, Bürgermeister oder Landräte bestimmt wird. Für die Vertretungen gilt das Verhältniswahlrecht, bei dem jede Wählerin und jeder Wähler bis zu drei Stimmen vergeben kann. Bei den Direktwahlen zählt hingegen nur eine Stimme, und gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält.

Die Auszählung der Stimmen beginnt unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr. Aufgrund des komplexen Kommunalwahlsystems dauert die Auswertung jedoch deutlich länger als bei Landtags- oder Bundestagswahlen. Mit dem vorläufigen Landesergebnis wird erst in den frühen Morgenstunden des 14. September gerechnet, veröffentlicht werden die Daten über das Wahlportal des Landes Niedersachsen. Sollte es bei den knappen Direktwahlen im ersten Durchgang keine absolute Mehrheit geben, entscheidet eine Stichwahl am 27. September. Die neue Wahlperiode beginnt offiziell am 1. November 2026. (fbu mit Agenturen)