Komplexe Gemengelage im Kasten

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Komplexe Gemengelage im Kasten

Stand: 17.08.2026, 14:31 Uhr

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Eintracht sucht neue Nummer eins und beschäftigt sich mit Freiburgs Atubolu – was wird aus Santos und Zetterer?

Vielleicht hat sich der Frankfurter Fußballehrer Adi Hütter dieser Tage dabei ertappt, mal etwas weiter zurückzublicken. Auf die Anfänge seiner ersten Amtszeit im Herzen von Europa, anno 2018. Auch da war die Eintracht in der Vorbereitung ins Schlingern geraten, zog manch dunkle Wolke auf über der Mainmetropole. Nicht so geballt wie nach dem samstäglichen Offenbarungseid in Westlondon, der „sehr indiskutablen Leistung“ beim 0:7, die sich laut Sportdirektor Timmo Hardung „ziemlich tief bei uns hereingefressen hat“.

Seinerzeit geschah das eher häppchenweise: 0:2 gegen FC Empoli, 1:2 gegen SPAL Ferrara, 0:1 bei Philadelphia Union. Da mehrten sich die Zweifel, die nach dem 0:5 im Supercup gegen die Bayern und dem Pokal-Aus bei Viertligist SSV Ulm 1846 (1:2) nicht weniger wurden. Ja, wie will diese Mannschaft bloß im Ernstfall bestehen? Tat sie. Es folgte der Sturmlauf ins Halbfinale der Europa League, in der Liga reichte es für Platz sieben und den Einzug ins internationale Geschäft. Dank taktischer Umstellungen, der stürmischen Büffelherde und einer Abwehr, die mit 48 Gegentoren die fünf wenigsten aller Teams fing. Zum Vergleich: In der abgelaufenen Runde waren es 65.

Defensives Dilemma

Insofern sind die Hessen Mitte August 2026 zwar nicht zum Scheitern verurteilt, eine Beruhigungspille sieht aber auch anders aus. Denn, und das ist der Casus knacksus: Die größte aller Baustellen hat der Klub trotz aller Erkenntnisse bis dato nicht behoben. Im Gegenteil. Das Defensiv-Dilemma kurz zusammengefasst: Nathaniel Brown, Rasmus Kristensen und Aurele Amenda weg, Arthur Theate auf dem Abstellgleis, Robin Koch (Gehirnerschütterung) und Nmandi Collins (Rückenprobleme) aktuell unpässlich, Otavio weit weg von Bundesliga-Niveau, Jeremiaha Maluze talentiert, aber noch zu grün hinter den Ohren. Könnte also interessant werden, wer da so verteidigt beim Pokalauftakt am Freitag (18 Uhr) in Krefeld beim Fünftligisten SV St. Tönis.

Klar ist: Die Eintracht muss noch kräftig in die Hintermannschaft investieren, zumal auch die Besetzung der Außenpositionen mit Keita Kosugi und Elias Baum nicht des Rätsels allerletzter Schluss ist. Das Problem: Qualitätszuwachs benötigt es auch an anderen Stellen, in vorderster Front, aber auch ganz hinten, zwischen den Pfosten. Da ist die Gemengelage knifflig. Eigentlich war der Plan ja, mit Kaua Santos als Stammkraft zu starten. Ließ sich auch gut an in der Vorbereitung für den Brasilianer. Bis zu jenem denkwürdigen 0:7-Debakel beim FC Brentford. Da feierte der Flattermann sein Comeback. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: Einen Raben wie beim 0:2 fängt sich jeder mal, und die Vordermänner gaben ein ähnlich bedenkliches Bild ab. Aber vieles erinnerte doch an die vergangene Saison, als der 1,96-Meter-Mann regelmäßig wackelte und sich ein munteres, aber erfolgloses Wechselspielchen im Kasten mit Michael Zetterer anschloss.

Atubolu verzockt sich

Ein solches soll und wird es unter Hütter nicht geben. Der Trainer steckt nun in der Bredouille: Santos trotzdem das Vertrauen aussprechen, den ebenso unsteten Zetterer als Nummer eins installieren oder die Position(en) im Kasten ganz neu besetzen? Der Österreicher tendiert mittlerweile stark zu Letzterem. Anders ausgedrückt: Die Forderung nach einer neuen Nummer eins ist hinterlegt. So kommt es nicht von ungefähr, dass der „Kicker“ nun den Freiburger Noah Atubolu ins Spiel bringt. Der einstige U21-Nationalkeeper galt lange als eines der spannendsten Torwart-Talente der Liga, wollte nun den nächsten Schritt machen. Am liebsten auf der Insel. Doch interessante Angebote blieben aus. Zumindest jener Größenordnung, die sich der 24-Jährige so vorgestellt hat. Klarer Fall von verzockt. Da die Breisgauer zwischenzeitlich Mio Backhaus als neue Nummer eins verpflichteten, steht Atubolu ohne Job da. Schlägt nun die Eintracht zu?

Das könnte sich als schwierig erweisen: Denn gerade finanziell hätten die Hessen dicke Bretter zu bohren. 15 Millionen Euro stehen als Ablöse im Raum – oder besser: standen? Denn mit jedem Tag, an dem sich der Transferschluss nähert, dürften auch die Forderungen etwas abweichen. Die Zeit drängt, der Handlungszwang wächst. Der Sport-Club braucht das Geld. Atubolu als Bankwärmer oder Tribünenhocker? Ziemlich ausgeschlossen.

Was wiederum der Eintracht in die Karten spielen könnte. So oder so müsste sie aber ein ordentliches Gesamtpaket stemmen, um diese neuralgische Position mit Qualität zu besetzen. Es wären Fakten mit Signalwirkung: Ein Atubolu-Transfer würde Santos klar aufzeigen, dass sein Weg in Frankfurt endet. Auch eine Leihe könnte Sinn ergeben. Aber auch Michael Zetterer, der zuletzt zu einem Verbleib tendierte, könnte sich neu orientieren. England hat es ihm angetan. Da könnte eine Tür aufgehen. Leeds United soll Interesse zeigen. Dann bräuchten die Frankfurter aber auch noch eine neue Nummer zwei. Also noch viel Konjunktiv.

Doch und da lässt sich der Bogen wieder zum Jahr 2018 spannen: Auch den ersten Gerüchten um eine Rückhol-Aktion von Kevin Trapp begegneten viele mit Kopfschütteln. Der löste ab dem zweiten Spieltag dann Frederik Rönnow ab. Der Rest ist bekannt.

01.03.2026, Fußball, Eintracht Frankfurt -SC Freiburg

Bald Mitspieler? Noah Atubolu klärt vor Eintracht-Stürmer Jonathan Burkardt. © IMAGO/Maximilian Koch