Kosten explodieren, Projekte scheitern: Das sind die teuren Schwarzbuch-Fälle aus Niedersachsen

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Kosten explodieren, Projekte scheitern: Das sind die teuren Schwarzbuch-Fälle aus Niedersachsen

Stand: 16.10.2026, 07:50 Uhr

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Links das neue Schwarzbuch, rechts viele Geldscheine

Das aktuelle Schwarzbuch prangert Steuerverschwendung an. Auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Fälle. © Shireen Broszies/Jan Woitas/dpa

Kostenexplosionen, Fehlplanungen, versickerte Fördergelder: Der Bund der Steuerzahler prangert 13 Fälle aus Niedersachsen und Bremen an.

Ein Millionengrab hier, ein großer Verlust an Geldern da. Jedes Jahr veröffentlicht der Bund der Steuerzahler sein Schwarzbuch – eine Sammlung von Fällen, in denen nach Ansicht des Verbandes öffentliche Gelder verschwendet wurden. Die aktuelle Ausgabe 2026/27 enthält bundesweit 100 Beispiele, darunter auch zehn aus Niedersachsen und drei aus Bremen. Der Verband kritisiert insbesondere, dass Kommunen zunehmend nicht die notwendigsten, sondern die förderfähigsten Projekte umsetzen würden. Die Fälle im Überblick.

Spa und Sportbad: Kosten in Wangerland und Oldenburg explodieren

Besonders drastisch fällt die Kritik des Bundes der Steuerzahler am „Thalasso Meeres Spa“ in der Gemeinde Wangerland aus. Das Wellness-Projekt sollte ursprünglich 4,6 Millionen Euro kosten. Am Ende wurden daraus rund 23 Millionen Euro – das trieb die gemeindeeigene Tourismusgesellschaft in die Insolvenz. Die Eröffnung erfolgte erst 2024, vier Jahre später als geplant.

Ähnlich entwickelte sich der Neubau eines Sport- und Gesundheitsbades in Oldenburg. 2019 mit 20 Millionen Euro veranschlagt, werden mittlerweile mindestens 82 Millionen Euro erwartet. Die Eröffnung ist frühestens 2028 möglich. Der Steuerzahlerbund spricht von einer „katastrophalen Projektsteuerung“ und von einem „peinlichen Desaster für die Stadt“.

Reitzentrum und Friesenbrücke: Wenn Projekte Millionen verschlingen

In Großefehn investierte derweil die Gemeinde 2008 in ein „Reitsport- und Touristik-Centrum“. Das mit Fördermitteln finanzierte Projekt kostete zunächst 4,7 Millionen Euro. Die erhofften touristischen Erfolge blieben jedoch aus. Bis zur Schließung 2025 flossen insgesamt 9,1 Millionen Euro öffentliche Mittel in die Anlage.

Kritisch gesehen wird auch ein Brückenneubau, der zu einem Rekordprojekt wurde. Die 2015 durch eine Schiffskollision zerstörte Friesenbrücke zwischen Weener und Westoverledingen sollte ursprünglich für 30 Millionen Euro als einfacher Ersatzbau wiederhergestellt werden. Lokale Interessengruppen setzten jedoch eine aufwendige Hub-Drehbrücke durch. Die Kosten stiegen auf mindestens 277 Millionen Euro, die Bauzeit verlängerte sich auf über zehn Jahre.

Kirchplatz und Freibad: Kosten in Einbeck und Bad Gandersheim verdreifachen sich

In Einbeck – der Stadt des Bieres und der Oldtimer – verdreifachten sich hingegen die Kosten eines Platzumbaus. Dort begann 2014 die Umgestaltung des Neustädter Kirchplatzes. Geplant waren 2,3 Millionen Euro. Durch wiederholte Planungsänderungen und mangelnde Kostenkontrolle stiegen die Ausgaben auf 7 Millionen Euro. Erst 2026 wurde das Projekt weitgehend fertiggestellt.

Auch anderswo wird es sehr viel teurer als vorher angedacht. Das Freibad in Bad Gandersheim wurde 2017 wegen Sanierungsbedarfs geschlossen. Im Zuge der Landesgartenschau 2023 entschied sich die Stadt für einen Ausbau zum Natur-Solefreibad. Aus ursprünglich 2 Millionen Euro wurden am Ende 6 Millionen Euro.

Porzellanmanufaktur und Café: Wenn Land und Stadt zu teuren Unternehmern werden

Die Porzellanmanufaktur Fürstenberg befindet sich seit 2019 in Landesbesitz. Niedersachsen begründet das Engagement mit dem Erhalt von Kulturgut und rund 80 Arbeitsplätzen. Doch die Manufaktur erwirtschaftet jährlich Verluste von mehr als drei Millionen Euro. Seit der Übernahme summieren sich die Defizite auf etwa 26 Millionen Euro.

In Otterndorf mischte sich die Stadt 2017 in den Verkauf eines privaten Cafés ein. Sie pachtete die Räume selbst und verpachtete sie weiter. Fehler bei der Vertragsgestaltung führten zu einem Schaden von 213.000 Euro.

Fördergelder und S-Bahn-Station: Viel Geld ohne Ergebnis

Ein Integrationsverein aus Hannover erhielt zwischen 2019 und 2025 fast 1,2 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land. Bei einer Kontrolle Anfang 2026 stellte sich heraus, dass die geförderten Projekte offenbar nicht umgesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Untreue und Subventionsbetrug.

Die seit 2007 geplante zweite S-Bahn-Station „Deisterpforte“ in Springe wurde im Mai 2026 auf unbestimmte Zeit verschoben. Für die Planungen wurden bereits 913.000 Euro ausgegeben. Ob das mindestens 7 Millionen Euro teure Projekt noch realisiert wird, ist fraglich.

Bremen und Bremerhaven: Teurer Kreativraum, gestoppter Schiffsnachbau

Auch in Bremen wird laut dem Bund der Steuerzahler Steuergeld verschwendet. So sorgt dort ein „Kreativraum“ des Jobcenters für Kritik. Der multifunktionale Tagungs- und Konferenzbereich kostete 945.600 Euro – obwohl das zuständige Gremium dafür gar keine Mittel vorgesehen hatte. Hochpreisige Ausstattungsgegenstände trieben die Kosten in die Höhe.

Der Anfang 2025 eingeführte Bremer Ausbildungsfonds verursachte bislang Verwaltungskosten von mindestens 3,1 Millionen Euro. Technische Probleme und Rechtsstreitigkeiten behindern die Umsetzung. Der praktische Nutzen sei bisher gering, kritisiert der Steuerzahlerbund.

Einen positiven Fall vermeldet der Steuerzahlerbund aus Bremerhaven: Der geplante Nachbau des Schiffes „Najade“ als Ersatz für die 2018 havarierte „Seute Deern“ wurde gestoppt. Fast 46 Millionen Euro Fördermittel können nun anderweitig verwendet werden.