Krankenhausreform: Was sich in den Kliniken in Saarlouis trennt – und was zusammenbleibt
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Krankenhausreform Was sich in den Kliniken in Saarlouis trennt – und was zusammenbleibt
Saarlouis · Die beiden Saarlouiser Krankenhäuser von DRK und Marienhaus haben ihren medizinischen Leistungskatalog teilweise aufeinander abgestimmt, um Doppelstrukturen abzubauen.
10.09.2026 , 21:54 Uhr
Das DRK-Krankenhaus Saarlouis
Foto: Tom Peterson
Zwei Krankenhäuser, wenige Kilometer voneinander entfernt, bislang mit einer ganzen Reihe gleichlautender Angebote: Dieses Modell soll in Saarlouis künftig zumindest teilweise der Vergangenheit angehören. DRK und Marienhaus haben sich mit dem Gesundheitsministerium auf eine neue Versorgungsstruktur verständigt. Ab 2028 soll die Geburtshilfe am Marienhaus konzentriert werden. Das DRK will im Gegenzug eigene Schwerpunkte in der Frauenheilkunde und der Neurologie ausbauen.
Das Marienhaus bündelt die Geburtshilfe
Die neue Struktur soll am 1. Januar 2028 starten. Die Geschäftsführungen haben ihre medizinischen Leistungen unter Mitwirkung des Gesundheitsministeriums auf den Prüfstand gestellt, um Doppelstrukturen abzubauen. Mehr Konzentration und Spezialisierung sollen Qualität und Wirtschaftlichkeit verbessern. Gesundheitsminister Magnus Jung (SPD) sprach von einem „großen Schritt“ und „guten Nachrichten für Saarlouis“. Diese Entscheidung ist für den Gesundheitsminister erst der Anfang: Die Zusammenarbeit mache „noch mehr Lust auf Kooperationen“, lobte er am Donnerstag.
Das DRK-Krankenhaus verliert seine Geburtshilfe. Künftig sollen dort die nicht-geburtshilflichen Bereiche der Frauenmedizin konzentriert werden. Die Zusammenarbeit in der gynäkologischen Versorgung ist für die Saarlouiser Kliniken auch keine allzu große Herausforderung. Denn der Chefarzt der Frauenheilkunde im DRK Krankenhaus, Dr. Johannes Bettscheider, betreut seit einigen Jahren auch die Gynäkologie im Marienhaus Klinikum.
Saarlouis bekommt ein neues Perinatalzentrum
Das Marienhaus soll seine Kinderklinik zu einem Perinatalzentrum Level 2 weiterentwickeln und damit auch Risikoschwangere, Frühgeborene ab der 29. Schwangerschaftswoche sowie kranke Neugeborene optimal versorgen können. Die Klinik-Geschäftsführung erhoffe sich dadurch zusätzliche Patientinnen, beispielsweise aus dem Nordsaarland. Für zusätzliche Geburten stehen nach Angaben von Anke Klauck, Geschäftsführerin der Marienhaus Kliniken GmbH, fünf Kreißsäle zur Verfügung; der Ausbau soll unabhängig vom geplanten Erweiterungsbau, den das Haus zuletzt mit 140 Millionen Euro bezifferte (die SZ berichtete), möglich sein.
Für Hebammen hält das Marienhaus Stellen vor; Pflegekräfte sollen zwischen einem Wechsel innerhalb des DRK und einem Wechsel zur Geburtshilfe am Marienhaus entscheiden können. Michael Burkert, Präsident des DRK-Landesverbands Saarland und DRK-Gesellschafter, betont: Für die neue Aufgabenverteilung seien keine Kündigungen vorgesehen.
Früh-Reha für Schlaganfallpatienten am DRK-Standort
Im Gegenzug soll am DRK eine neurologische Frührehabilitation der Phase B entstehen. Sie richtet sich an Patienten mit hohem Pflege- und Therapiebedarf, etwa nach einem schweren Schlaganfall. Dafür sollen Beschäftigte eingestellt und weiterqualifiziert werden. Die neurologische Akutversorgung und die Stroke Unit am Marienhaus bleiben aber bestehen; geeignete Patienten sollen anschließend am DRK weiterbehandelt werden können. „Der Bedarf ist definitiv da“, betonte Jung mit Blick auf die Nachversorgung von Schlaganfallpatienten im Saarland. Für die Patienten soll dadurch ein nahtloserer Übergang entstehen: vom Notfall über die neurologische Akutversorgung und die Stroke Unit bis zur Früh-Rehabilitation.
Mehr Umsatz fürs DRK, mehr Geburten fürs Marienhaus
Die Geschäftsführung des DRK Krankenhauses rechnet, so die SZ-Informationen aus dem Mitarbeiterkreis, der am Donnerstagmorgen informiert wurde, durch die Abgabe der Geburtshilfe mit einem jährlichen Umsatzverlust von rund vier Millionen Euro. Allerdings werde dies durch die Neuerungen bei der Neurologie und die Erlaubnis, künftig eine Palliativversorgung anzubieten, mehr als kompensiert. Die DRK Klinik rechnet hier mit einem Umsatzplus von acht bis neun Millionen Euro. Damit sei der Standort des DRK Krankenhauses, das vor wenigen Monaten ein Insolvenzverfahren durchlaufen hatte, für die Zukunft gesichert, hieß es in der Mitarbeiterversammlung. Das Marienhaus gewinnt mit den zusätzlichen Geburten dagegen Auslastung für sein erweitertes Leistungsangebot.
Eine onkologische Zusammenarbeit der beiden Kliniken wird ebenfalls angestrebt, ist aber noch offen. Geprüft wird ein standortübergreifendes Strukturkonzept bis hin zu einem gemeinsamen onkologischen Zentrum.
Neuordnung mit längerer Vorgeschichte
Die Neuordnung in Saarlouis hat eine längere Vorgeschichte. Im Januar 2025 kündigten Marienhaus und DRK ein gemeinsames medizinisches Konzept an. Parallel plante das Marienhaus den Erweiterungsbau. Beim DRK folgten nach dem Wechsel der Trägerschaft im Juni 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung im November 2025 und dessen Abschluss im Sommer 2026. Die neue Aufgabenverteilung soll nun beide Standorte unter dem Reform- und Finanzierungsdruck zukunftsfähig machen, so der Tenor aus Politik und Klinik-Geschäftsführungen.