Russland baut Drohnen-Stützpunkte in Nato-Reichweite

Das russische Militär hat Beobachtern zufolge Dutzende neue Drohnen-Abschussrampen errichtet. Viele davon sind auf Langstrecken-Missionen ausgelegt, Experten fürchten Provokationen und False-Flag-Versuche.

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Russland baut Drohnen-Stützpunkte in Nato-Reichweite

Publiziert17. August 2026, 14:23

Provokationen befürchtetKreml baut 59 neue Drohnen-Startrampen in Nato-Reichweite

Das russische Militär hat Beobachtern zufolge Dutzende neue Drohnen-Abschussrampen errichtet. Viele davon sind auf Langstrecken-Missionen ausgelegt, Experten fürchten Provokationen und False-Flag-Versuche.

Benedikt Hollenstein

Darum gehts

  • Russland hat laut einer Recherche des britischen «Telegraph» mindestens 59 neue Drohnen-Abschussrampen nahe der Nato-Grenzen errichtet.
  • 20 der Anlagen sind auf Langstreckenangriffe ausgelegt und können Ziele in fast 1000 Kilometern Entfernung treffen.
  • Experten warnen vor False-Flag-Operationen und Provokationen.

Russland hat laut einer Recherche des britischen «Telegraph» in unmittelbarer Nähe zu den Nato-Staaten in Europa diverse geheime Drohnenabschuss-Basen errichtet. Auf Basis geleakter Dokumente und Satellitenbilder hat die Zeitung mindestens 59 neu gebaute Abschussrampen lokalisiert. Sie dürften einerseits für den Ukraine-Krieg genutzt werden, erlauben dem Kreml künftig aber auch, seine Sabotage- und Destabilisierungsstrategie in Europa noch offensiver zu führen.

Die neuen Standorte befinden sich demnach allesamt an der russischen Grenze, in unmittelbarer Nähe zur Nato und zum russischen Marionetten-Staat Belarus. An einigen Standorten nutzte das russische Militär bestehende Infrastruktur, während andere Stützpunkte im russischen Hinterland komplett neu errichtet wurden.

Startrampen für Langstrecken-Kamikazedrohnen

Das Luft- und Raumfahrtunternehmen DroneSec hat für die Zeitung diverse Satellitenaufnahmen ausgewertet und ist dabei zum Schluss gekommen, dass etwa ein Drittel der Anlagen auf Langstreckenangriffe ausgelegt sind: 20 der neu errichteten Startrampen sind demnach ungewöhnlich lang – laut den Drohnen-Spezialisten ein Indiz dafür, dass von ihnen auch die neueste russische Langstreckendrohne gestartet werden kann.

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Bei den «russischen» Geran-4 und Geran-5-Modellen handelt es sich um Weiterentwicklungen der berüchtigten iranischen Shahed-Drohnen. Sie können nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes Ziele in fast 1000 Kilometern Entfernung treffen und dabei einen Sprengkopf von 90 Kilogramm tragen. Zuletzt soll Russland laut Kiew auch damit begonnen haben, die Geran-Drohnen mit Luft-Luft-Raketen auszustatten, im Gegenzug entfällt der Sprengkopf.

Ältere Shahed-Modelle könnten durch ihre tiefere Fluggeschwindigkeit nach Angaben Moskaus auch die britische Küste erreichen. Dass die Drohnen, die Höchstgeschwindigkeiten von etwa 400 Stundenkilometern haben, unbemerkt durch die Lufträume diverser Nato-Staaten fliegen und erfolgreich Ziele in Grossbritannien attackieren, gilt aber als unwahrscheinlich.

Nebst den Abschussrampen finden sich an einigen der Standorte auch grosse Lagerhäuser, in denen laut dem «Telegraph» bis zu 1000 Drohnen aufs Mal gelagert werden können. Teils dauern die Bauarbeiten noch an, um weitere Startrampen zu errichten.

Abschreckung und Krieg: Startrampen erfüllen doppelten Zweck

Einige der neuen Standorte werden bereits genutzt, um Angriffsdrohnen in Richtung Ukraine starten zu lassen. Die Startrampen in Nato-Nähe dienen Putin aber langfristig auch als weiteres Abschreckungsmittel gegen Europa: So liegt die polnische Hauptstadt Warschau in Reichweite diverser der neu errichteten Anlagen. Wie europäische und US-amerikanische Geheimdienste im August 2026 warnten, erwägt Kreml-Chef Putin eine bewaffnete Konfrontation auf polnischem Boden, die womöglich schon in wenigen Wochen anlaufen könnte.

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Andere Experten fürchten, dass die Abschussrampen für sogenannte «False-Flag»-Angriffe genutzt werden können. Dabei wird mittels Täuschmanövern eine Eskalation herbeigeführt – dass der Kreml nicht von dieser Option zurückschreckt, zeigen diverse Vorfälle in den letzten Monaten: So schossen Finnland und die Baltik-Staaten Estland, Lettland und Litauen zuletzt ukrainische Drohnen über ihrem Staatsgebiet ab.

Kreml lenkt Kiews Drohnen wohl gezielt zu Ukraine-Verbündeten

Die Länder, die alle als enge Verbündete der Ukraine und als erbitterte Gegner Russlands gelten, und die ukrainischen Geheimdienste sind sich einig, dass hinter den Drohnenflügen Russland steckt. Der Vorwurf: Russland lenkt die ukrainischen Drohnen mittels GPS-Spoofing und Signalstörungen in die Lufträume der europäischen Staaten, um Verunsicherung zu schüren und einen Keil zwischen Kiew und seine Verbündeten zu treiben.

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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