Krimineller Chatbot auf auf der echten ChatGPT-Seite

Cyberkriminelle haben einen gefälschten Chatbot auf der echten ChatGPT-Plattform platziert. Unter dem Namen „Plus 5.6“ lockte er Nutzer in eine Falle und brachte sie dazu, einen schädlichen Befehl auszuführen. Dahinter steckt eine bekannte Betrugsmasche.

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Krimineller Chatbot auf auf der echten ChatGPT-Seite

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Cyberkriminelle haben einen gefälschten Chatbot auf der echten ChatGPT-Plattform platziert. Unter dem Namen „Plus 5.6“ lockte er Nutzer in eine Falle und brachte sie dazu, einen schädlichen Befehl auszuführen. Dahinter steckt eine bekannte Betrugsmasche.

Ein gefährlicher Chatbot auf ChatGPT lockt in die Falle

© IMAGO/Jakub Porzycki

Ein gefährlicher Chatbot auf ChatGPT lockt in die Falle

vor 18 Minuten

2. Oktober 2026 um 06:13

Wer nach „chatgpt“ googelt, klickt auf das erste Ergebnis. In einigen Fällen war das eine Google-Anzeige, die direkt auf die echte Seite chatgpt.com geführt hat. Dort wartete ein Chatbot namens „Plus 5.6“. Er stammt nicht von OpenAI, sondern von Kriminellen. Das hat das Sicherheitsunternehmen Huntress Ende September festgestellt.

ChatGPT erlaubt es, eigene Chatbots zu erstellen, sogenannte Custom GPTs. Sie laufen auf derselben Adresse wie ChatGPT selbst. Die Kriminellen haben das ausgenutzt und ihren Chatbot so benannt, dass er wie ein neues Modell wirkt. Darunter steht nur „community builder“. Wer nicht weiß, was das bedeutet, merkt nichts.

Eine angebliche Störung als Köder

Egal, was man eingibt: „Plus 5.6“ antwortet immer gleich. Er meldet, die Hauptseite sei nur eingeschränkt erreichbar, und schickt den User auf eine „Ausweichseite“. Dort erscheint eine gefälschte „Ich bin kein Roboter“-Prüfung, die aussieht wie von Cloudflare, einem bekannten Internetdienstleister.

Jetzt kommt der entscheidende Schritt. Laut dem Fachportal BleepingComputer soll man die Tasten Windows und R gleichzeitig drücken. Das öffnet das Windows-Fenster „Ausführen“, mit dem sich Programme und Befehle direkt starten lassen. Dort soll ein vorgegebener Befehl eingefügt und mit der Eingabetaste bestätigt werden.

ClickFix

Bei dieser Masche, ClickFix genannt, liegt der Befehl in der Regel schon heimlich in der Zwischenablage. Das ist die Ablage, in die auch „Kopieren“ schreibt. Man muss ihn nicht einmal selbst tippen, sondern nur einfügen.

Das macht die Falle tückisch: Man lädt nichts herunter, man startet den Befehl selbst. Deshalb schlagen viele Schutzprogramme nicht an. Wer den Befehl ausführt, installiert einen Trojaner.

Eine echte Sicherheitsprüfung verlangt so etwas nie. Ein echtes Captcha will nur einen Klick oder ein Bilderrätsel.

Was der Trojaner kann

Laut Huntress können Kriminelle damit: den Computer aus der Ferne steuern und deinen Bildschirm sehen, auf Kamera und Mikrofon zugreifen, Dateien nach Inhalten durchsuchen, unbemerkt weitere Schadsoftware nachladen.

Huntress hat mindestens 40 Vorfälle mit derselben Infrastruktur verbunden. Nur bei zwei ist bestätigt, dass der Weg über einen falschen Chatbot geführt hat. Wie die übrigen Opfer auf die Seite gekommen sind, ist offen. OpenAI hat den ersten Chatbot nach dem Hinweis von Huntress entfernt, er war spätestens am 25. September weg. Am 27. September haben die Forschenden einen neuen mit derselben Masche gefunden.

Was man tun kann

Ö3 hat bei Otmar Lendl, Cybersicherheitsexperte von CERT.at, dem nationalen Computer-Notfallteam Österreichs, nachgefragt:

Prüfen, wer hinter einem Angebot steckt. Auf chatgpt.com ist jeder Chatbot mit echter Adresse erreichbar, auch einer von Kriminellen. Die Adresse allein beweist nichts.
Keine Befehle eingeben, die dir eine Webseite vorgibt. Das gilt auch dann, wenn die Seite aussieht wie eine bekannte Sicherheitsprüfung.

Den Computer sofort vom Internet trennen: WLAN ausschalten oder Netzwerkkabel ziehen. Wie es weitergeht, hängt davon ab, ob es ein privater Computer oder ein Firmengerät ist.

Privater Computer

Einen Virenscan mit einem aktuellen Schutzprogramm starten, am besten offline.
So rasch wie möglich einen IT-Fachbetrieb aufsuchen. Er prüft, ob der Trojaner noch läuft, und setzt das System bei Bedarf neu auf.
Danach alle Passwörter ändern, zuerst die des E-Mail-Kontos. Man soll das von einem anderen, sauberen Gerät aus machen, zum Beispiel dem Handy.

Firmencomputer

Sofort die IT-Abteilung oder die zuständige Sicherheitsstelle informieren.
Sie entscheidet über Prüfung, Neuaufsetzen und neue Zugangsdaten.