Bafög-Reform: „Bär will uns in letzter Minute Verschlechterungen unterjubeln“ - Studierende laufen Sturm

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Bafög-Reform: „Bär will uns in letzter Minute Verschlechterungen unterjubeln“ - Studierende laufen Sturm

Stand: 13.08.2026, 07:56 Uhr

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Die BaföG-Erhöhung kommt – aber für eine Gruppe von Studierenden droht mit der Reform ausgerechnet eine Kürzung der Unterstützung.

Gießen – Mehr Geld für Studierende – aber zu wenig, zu spät und mit versteckten Kürzungen: Die BaföG-Reform, die das Bundeskabinett am Mittwoch (12. August 2026) beschlossen hat, löst bei Studierendenverbänden und Sozialverbänden scharfe Kritik aus. Was die Bundesregierung als Erfolg feiert, nennen Betroffene einen faulen Kompromiss.

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär

Bundesministerin Dorothee Bär. (Archivbild) © Markus Lenhardt/dpa

Das Kabinett hat den Weg für eine schrittweise BaföG-Erhöhung freigemacht. Die Wohnkostenpauschale für Studierende außerhalb des Elternhauses steigt zum Sommersemester 2027 von 380 auf 440 Euro im Monat. Der Grundbedarf folgt in zwei Schritten: zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro, zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro – damit wäre das aktuelle Grundsicherungsniveau erreicht. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sieht darin einen Meilenstein: „Mit dem Kabinettsbeschluss sind wir einen entscheidenden Schritt gegangen, damit das Bafög sein Aufstiegsversprechen erfüllen kann.“

Verbände über Bafög-Reform: Zu wenig und zu spät

Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, erkennt zwar an, dass die monatelange politische Ungewissheit damit ein Ende hat, sieht aber deutlichen Korrekturbedarf. Die erhöhte Wohnkostenpauschale von 440 Euro liege immer noch unter der durchschnittlichen Miete von 512 Euro für ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt. Anbuhl sagt: „Die vollständige Angleichung des BAföG-Grundbedarfs an das Existenzminimum erst bis 2029 dauert zu lange. Wer heute studiert, kann nicht drei Jahre auf eine angemessene Förderung warten.“

Besonders scharf reagierte auch der freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs). Referentin Rahel Schüssler wirft Ministerin Bär in einer fzs-Pressemitteilung vor: „Ministerin Bär will uns in letzter Minute Verschlechterungen unterjubeln, von denen zuvor nie die Rede war.“ Konkret: Die Wohnkostenpauschale für Studierende, die noch bei den Eltern wohnen, soll wegfallen – obwohl viele wegen der hohen Mieten gar keine andere Wahl haben. Auch Sonderregelungen für Studierende über 45 Jahre, die etwa wegen Kindererziehung erst spät mit dem Studium begonnen haben, sollen gestrichen werden.

Der fzs kritisiert zudem den Ablauf des Gesetzgebungsverfahrens. Verbände seien mitten in Sommerpause und Klausurenphase zur Stellungnahme aufgefordert worden – mit einer Frist von weniger als drei Tagen. Vorstandsmitglied Katharina Rummenhöller urteilt: „Wer ernsthafte Beteiligung möchte, gibt mehr als 72 Stunden für die Bewertung einer der wichtigsten sozialpolitischen Reformen im Hochschulbereich. Die kurze Fristsetzung ist undemokratisch.“ Der Gesetzentwurf geht nun in den Bundestag und soll dort im Herbst verabschiedet werden. Mieterverein und Asta der Uni Gießen beklagen indes, dass die Wohnkosten für Studierende schneller steigen als die Lebenshaltungskosten. (Quellen: dpa, fzs) (cgsc)