Kultlokal auf dem Willinger Ettelsberg schließt – „Siggi hat sich in 50 Jahren nicht geschont“

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Kultlokal auf dem Willinger Ettelsberg schließt – „Siggi hat sich in 50 Jahren nicht geschont“

Stand: 04.09.2026, 14:00 Uhr

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Nach mehr als 50 Jahren ist 2028 Schluss: Siggis Hütte auf dem Willinger Ettelsberg schließt. Die Seilbahn als Verpächter hat Pläne für eine neue Hütte vorgestellt.

Willingen – Auf dem Willinger Ettelsberg endet eine Ära: Im Jahr 2028 schließt Siggis Hütte, nach mehr als 50 Jahren Betrieb durch Familie von der Heide. Im Februar 2028 läuft der Pachtvertrag zwischen der Ettelsberg-Seilbahn und Familie von der Heide aus. Die Hütte wird mit einem anderen Pächter weiterbetrieben, bis ein Neubau in Betrieb ist. Voraussichtlich 2029 wird sie dann zurückgebaut. Die Pläne erläuterte Jörg Wilke, Geschäftsführer der Ettelsberg-Seilbahn, im Willinger Bauausschuss. Um den Neubau zu ermöglichen, muss die Willinger Politik das Baurecht schaffen.

Laut Jörg Wilke hätten sich beide Parteien dazu entschlossen, den Pachtvertrag auslaufen zu lassen. Er verwies auch auf das Alter der Beteiligten: Siggi von der Heide ist 85 Jahre alt geworden, sein Sohn Jürgen, der das Geschäft seit über 30 Jahren leitet, wird 65, wenn der Vertrag endet. „Es war ein erfolgreiches Kapitel für uns beide“, hielt Jörg Wilke fest: „Siggi hat sich in 50 Jahren nicht geschont. Er hat die Hütte zu dem gemacht, was sie ist.“ Derweil sorge er auch dafür, dass die einfache Holzhütte so immer noch akzeptiert werde: „Der Wirt macht den Charme aus.“

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Ein Publikumsmagnet über Jahrzehnte: Siggis Hütte auf dem Willinger Ettelsberg. © Hans Blossey/Imago/imago/Hans Blossey

„Die Ära nach Siggi wird sicherlich schwierig, aber wir wollen sie aktiv einleiten und offensiv gestalten“, sagte Wilke. Denn nicht alles sei gut auf dem Ettelsberg. Er sprach die „lebendigen Samstage“ an, bei denen auf dem Ettelsberg gefeiert wird – über den Partytourismus in Willingen wird grundsätzlich kontrovers diskutiert, zuletzt etwa wegen des Comebacks des Festivals „Viva Willingen“. In der neuen Hütte solle das eingehegt werden, erklärte Wilke: Die Seilbahn wolle das Geschehen auf einem „lebendigen Wirtshaus- und Biergartenniveau kultivieren“. Die „Spitzen“ wolle sie heraus nehmen: „Es wird sicherlich ein schmaler Grad, aber gerade am Samstag wollen wir die Qualität deutlich verbessern.“

Auch die bauliche Zersiedlung auf dem Ettelsberg nannte Wilke als Problem. Die neue Hütte soll im Winkel zwischen Hochheideturm, Bergstation und See entstehen. Es soll ein energetisches Gebäude mit moderner Technik, aber rustikaler Optik entstehen, im „alpinen Stil mit sauerländer Touch“. Es soll eine Gastronomie mit Bedienung geschaffen werden.

Der Zeitplan für den Ettelsberg

Schon seit 2024 arbeiten Seilbahn und Gemeinde daran, das Baurecht zu klären: Da zur Pflege der Heide auf dem Ettelsberg ein FFH-Gebiet ausgewiesen ist, gestaltet sich das nicht ganz einfach, zunächst habe es eine Abfuhr vom RP gegeben. Mittlerweile stehe die Möglichkeit im Raum, den Eingriff auszugleichen. Dieses und nächstes Jahr soll am Baurecht gearbeitet werden, 2028 wird dann auf den Bau und – wenn es optimal läuft – die Inbetriebnahme der neuen Hütte gehofft.

Der Gemeindevorstand bewerte die Pläne für die neue Hütte sehr positiv, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte: „Das Vorhaben dient dazu, die touristische Entwicklung weiter zu fördern, die Infrastruktur deutlich zu stärken und neue Akzente zu setzen.“ Der Berg sei ein „lebendiges touristisches Zentrum mit vielen Freizeitmöglichkeiten auf hohem Niveau“, das mit einer modernen Hütte ergänzt werden soll.

Der Ausgleich für den Eingriff ins FFH-Gebiet soll auf einer Windwurffläche vorgenommen werden, die sich vom Berg aus rechts neben dem Skihang befindet: Sie soll zu Heide kultiviert werden. Auch der Standort der alten Hütte soll wieder zu Heide- und Borstgraslandschaft werden.

Entscheidend für den Neubau im FFH-Gebiet sei nun die Bauleitplanung der Gemeinde, hielt Thomas Trachte fest: „Wir müssen ein Verfahren entwickeln, welches das Regierungspräsidium mitträgt.“ Der Zeitplan sei „grundsätzlich realistisch, aber ehrgeizig“, mit vielen Dingen müsse sich auseinandergesetzt werden. Auch beim Regierungspräsidium sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten, fügte Jörg Wilke hinzu – den Fraktionen bot er Gespräche an. Der Bauausschuss empfahl dem Parlament bereits einstimmig, die nötigen Schritte zu gehen.

Familie von der Heide konnte auf eine Anfrage unserer Zeitung noch nicht Stellung nehmen: Sie steckt mitten in den Vorbereitungen für die Alphornmesse am Sonntag.