Kunde beschwert sich wegen 10 Gramm Brot zu wenig – und kostet Bäcker aus Oberbayern 15.000 Euro

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Kunde beschwert sich wegen 10 Gramm Brot zu wenig – und kostet Bäcker aus Oberbayern 15.000 Euro

Stand: 26.08.2026, 07:51 Uhr

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Wegen zehn Gramm zu wenig Brot stand plötzlich das Eichamt vor der Tür. Für Bäckermeister Matthias Breitner wurde die Beschwerde zum teuren Erwachen.

Pfaffenhofen – Ein winziger Gewichtsunterschied bei einem halben Brot hat für einen oberbayerischen Bäckermeister weitreichende Folgen gehabt. Matthias Breitner aus Pfaffenhofen an der Ilm musste nach einer Kundenbeschwerde seine Technik aufrüsten – für 15.000 Euro. Darüber berichteten mehrere Medien.

Bäckerei Bäcker

Bäckermeister Matthias Breitner aus Paffenhofen an der Ilm zeigt zwei Brothälften. Sie kosteten bis vor einiger Zeit einfach die Hälfte des ganzen Laibs. Weil sich ein Kunde über eine zehn Gramm zu leichte Hälfte beschwert hatte, musste der Bäcker nun teure Waagen anschaffen. © Bäckerei Breitner/Bäckerei Breitner/dpa/dpa/dpa-Bildfunk +++

Brotstreit in Bayern: Zehn Gramm zu wenig – Bäcker muss 15.000 Euro investieren

Ein Kunde erwarb in Breitners Bäckerei ein halbes Brot für 2,40 Euro – die Hälfte des regulären Laibpreises. Diese Praxis war in dem Familienbetrieb seit über sechs Jahrzehnten üblich, wie Breitner schildert. Als der Mann das Brot zu Hause auf die Waage legte, stellte er fest: Es war zu leicht. Daraufhin kehrte er in den Laden zurück und machte seinem Ärger lautstark Luft. „Er kam in den Laden, hat sich furchtbar aufgeregt: Er will für sein Geld die richtige Menge haben“, erinnert sich Breitner. Das Verkaufspersonal sah sich außerstande, die Situation zu beruhigen, und rief den Chef hinzu.

Breitner nahm die Sache zunächst auf die leichte Schulter. Dem Kunden gegenüber meinte er: „Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man.“ Heute bereut er diese Reaktion: „Das war mein Fehler. Ich hätte ihm einfach ein Brot schenken sollen.“ Doch dazu kam es nicht. Der Kunde verließ das Geschäft verärgert mit der Ankündigung, das werde „Konsequenzen haben“ – und schickte kurz darauf noch eine anonyme E-Mail mit seiner Beschwerde.

Das war im September des Vorjahres. Einige Wochen später stand das Eichamt vor Breitners Tür. Die Behörde untersagte ihm, weiterhin halbe Brote zu verkaufen – es sei denn, jedes Stück werde mit einer geeichten Präzisionswaage gewogen und der Preis exakt nach dem ausgewiesenen Kilopreis berechnet. Grundlage dafür ist die Fertigpackungsverordnung, die diese Regelung bereits seit einigen Jahren vorschreibt. „Die Vorschrift gab es schon länger – ich wusste das gar nicht“, räumt Breitner ein.

Das Eichamt nimmt er dabei gegenüber News5 ausdrücklich in Schutz: „Das Eichamt kann nichts dafür, die mussten das umsetzen. Ich verstehe das auch, ich will auch kein Eichamt-Bashing machen. Ich wundere mich nur, dass ein Kunde sowas auslösen kann, der einfach sauer war und sein Recht haben wollte auf zehn Gramm.“

Besonders absurd findet Breitner einen Widerspruch in der Regelung: Halbiere er die Brote bereits in der Backstube, dürfe er sie ohne Wiegen verkaufen. Werden sie hingegen erst vor den Augen der Kunden im Laden geteilt, muss gewogen werden. Fertig vorgeteilte Brote offen liegen zu lassen, kommt für ihn aber nicht infrage: „Dann haben Sie lauter halbe Brote im Laden liegen, die austrocknen.“

Nur noch ganze Brote anzubieten, kam nicht infrage: „Alleinstehende brauchen einfach halbe Brote, können nicht ein ganzes Brot kaufen, den Rest schmeißen wir weg. Deswegen habe ich das in Kauf genommen.“

Nicht alle Kunden sind zufrieden

In der Folge rüstete er alle sechs Filialen in Pfaffenhofen und der näheren Umgebung um. Neun Kassen erhielten jeweils eine Präzisionswaage sowie neue Kassensoftware. Mit Arbeitszeit, Software für die Verbindung der Waagen zu den Kassen sowie Schulung der Mitarbeitenden kostete dies laut dem Bäckermeister summa summarum 15.000 Euro.

Die neue Technik bringt allerdings auch neue Reibungspunkte mit sich. Weil nun jedes Brot einzeln gewogen wird, schwankt der Preis eines ganzen Laibs je nach Gewicht – mal sind es 4,78 Euro, mal 4,83 Euro. „Die Kasse quillt jetzt über mit Ein- und Zwei-Cent-Stücken“, berichtet Breitner, denn der Großteil seiner Kundschaft zahlt bar. Manche fragten bereits, ob sie nicht doch einen Pauschalpreis zahlen könnten. Darauf lässt sich Breitner nach dem erlebten Ärger jedoch nicht mehr ein.

Ein Kunde äußerte gegenüber News5 Unverständnis über die Person, die sich beschwert hatte: „Wenn ich mir ein halbes Brot schneiden lasse und das stimmt vielleicht um zehn oder zwölf Gramm nicht, dann ist das doch in letzter Konsequenz völlig egal. Das ist ein minimaler Prozentsatz.“

Streit um zehn Gramm: Bäckerei darf keine halben Brote mehr verkaufen

Amelie Breitner, Tochter des Inhabers und in der Geschäftsführung tätig, beschreibt den Unterschied zum bisherigen Ablauf: Früher habe man an der Kasse beim Brot einfach die Taste „0,5“ gedrückt, fertig. Jetzt müsse das Brot erst auf die Waage gelegt, die Waage mit der Kasse verbunden und erst danach der Artikel gebucht werden. Für einzelne Kunden sei das kein großer Aufwand, „aber man merkt es dann vor allem am Wochenende, wenn einfach viel los ist“, dann koste das Wiegen jedes einzelnen Brotes spürbar Zeit. © NEWS5 / Lars Haubner

Ob der Kunde, der die ganze Sache ins Rollen gebracht hat, wenigstens zufrieden ist? Breitner zuckt mit den Schultern: Der Mann sei seitdem nicht mehr in der Bäckerei aufgetaucht.

Breitner ist mit dem Problem nicht allein. Eine weitere Bäckerei in Pfaffenhofen löste die Situation zunächst auf ihre eigene Weise: Sie stellte den Verkauf halber Brote vorübergehend komplett ein. Inzwischen hat auch dieser Betrieb neue Präzisionswaagen angeschafft. (Quelle: dpa, News5) (kam)

Den Betreibern „fällt es unglaublich schwer“, doch nun mussten sie das Aus ihres Restaurants verkünden. Die Gäste sind traurig, bedanken sich aber für die ehrlichen Worte.