KI aus China: Günstige Alternative oder nur eine neue Abhängigkeit?
Die globale KI-Branche wandelt sich rasant von der Dominanz der US-Tech-Giganten zum geopolitischen Zweikampf zwischen den USA und China. Während das Engagement von Microsoft, OpenAI, Anthropic oder Google die ...
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Die globale KI-Branche wandelt sich rasant von der Dominanz der US-Tech-Giganten zum geopolitischen Zweikampf zwischen den USA und China. Während das Engagement von Microsoft, OpenAI, Anthropic oder Google die erste KI-Welle prägte, verzeichnen inzwischen offen verfügbare Modelle aus China – darunter Entwicklungen wie DeepSeek, Alibabas Qwen oder Moonshots Kimi – ein enormes Wachstum.
Immer mehr Unternehmen in Deutschland und Europa stehen vor der Herausforderung, ihre rasant steigenden KI-Kosten bei stetig wachsenden Einsatzfeldern einzudämmen. Chinesische Entwickler bieten hier eine leistungsstarke, aber im Vergleich drastisch kostengünstigere Alternative, die das Budget schont und die Abhängigkeit von den US-Konzernen aufbricht.
Doch mit der technologischen Aufholjagd der chinesischen KI-Modelle wachsen in den Vorständen auch die Sorgen vor Spionage, Datenabfluss und ideologischer Manipulation durch Zensur oder intransparente Filter- oder Systemvorgaben. Wie lässt sich die Effizienz chinesischer Algorithmen nutzen, ohne vertrauliche Geschäftsgeheimnisse, Fertigungscodes oder personenbezogene Daten direkt an Server in Peking zu senden? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wie verbreitet ist chinesische KI in der deutschen Wirtschaft?
Der Einzug chinesischer Künstlicher Intelligenz in Deutschlands Unternehmenslandschaft ist keine theoretische Debatte mehr, sondern längst alltägliche Praxis. Zwar halten sich Großunternehmen in der Öffentlichkeit aus Sorge vor Reputationsschäden und strengen Sicherheitsvorgaben meist bedeckt. Doch hinter den Kulissen gehören leistungsfähige Modelle aus Fernost wie DeepSeek, Qwen, GLM oder Kimi längst zum Repertoire.
Während Siemens als eines von wenigen Schwergewichten offiziell eine Partnerschaft mit Alibaba zumindest für das China-Geschäft öffentlich gemacht hat, sind bei anderen heimischen Konzernen Systeme chinesischer Entwickler zumindest zu Testzwecken und ohne offizielle Ankündigungen längst installiert.

Künstliche Intelligenz
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Die USA und China ringen um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um Milliarden. Sondern um Macht über Informationen und Meinungen. von Sonja Álvarez, Matthias Hohensee, Thomas Kuhn und weiteren
Tobias Regenfuss, KI-Experte bei Accenture, bestätigt diese stille Verbreitung in der Praxis: „Eine große deutsche Bank hat Qwen in ihrem Modellgarten. Ein deutsches Automobilunternehmen bietet ebenfalls diverse chinesische Modelle an.“
Auch Thomas Tschersich, IT-Sicherheitschef der Deutschen Telekom, bestätigt die prinzipielle Verfügbarkeit für Kunden: „Über unsere Cloud-Plattform AI Foundation Services bieten wir, neben US-Modellen, auch chinesische Modelle an. Darunter etwa Open-Source-Modelle wie Alibabas Qwen, die wir datenschutzkonform in unserer eigenen Infrastruktur betreiben.“

Foto: WirtschaftsWoche
Warum nutzen die Unternehmen chinesische Anbieter?
Hauptgrund für den verstärkten Rückgriff auf Fernost-Modelle ist der massive ökonomische Druck, unter dem Unternehmen durch die globale Explosion der Kosten für den KI-Einsatz stehen. Durch den flächendeckenden Einsatz und automatisierte Agenten steigen die Gesamtausgaben drastisch und sprengen KI-Budgets.
Für viele Einsatzszenarien tut es auch der Opel Ascona der KI Thomas TschersichIT-Sicherheitschef Deutsche Telekom
Thomas Tschersich vergleicht den bedarfsgerechten Modelleinsatz daher prägnant mit dem Straßenverkehr: „Nicht jeder braucht einen Ferrari, um morgens zur Arbeit zu fahren. Für viele Einsatzszenarien tut es auch der Opel Ascona der KI. Noch werde in Unternehmen viel zu selten die Frage gestellt: Wann reicht der Opel, wann brauche ich den Mercedes, wo den Ferrari?“
Steigert chinesische KI die digitale Souveränität?
Der Einsatz chinesischer KI löst zwei gegenläufige Effekte aus: Einerseits lockert sie die Fixierung der Unternehmen auf US-Tech-Giganten wie OpenAI, Google oder Anthropic. Andererseits droht beim unbedachten Wechsel schlicht die Verlagerung der Abhängigkeit in einen neuen geopolitischen Machtbereich.
Zu mehr Souveränität führt solch ein Schritt deshalb nur, wenn Unternehmen offene chinesische Modelle auf ihrer eigenen IT betreiben und zudem einen Technikmix etablieren, der den nahtlosen Austausch mehrerer KI-Anbieter erlaubt.
Cybersecurity-Spezialist Jörg Asma vom Beratungsunternehmen PwC sieht den Schlüssel zur Souveränität primär in der Flexibilität der Unternehmensinfrastruktur: „Preise, Regulierung und technologische Entwicklungen können sich jederzeit verändern. Deshalb sind IT-Architekturen so wichtig, die den Wechsel von Modellen und Anbietern ermöglichen, ohne Geschäftsprozesse neu aufbauen zu müssen.“

Leserfrage
Warum sind KI-Systeme aus China oft viel billiger als die aus den USA?
KI-Nutzung treibt IT-Kosten in die Höhe – viele Unternehmen liebäugeln mit günstigeren Modellen aus China. Ein Leser fragt nach Gründen der Preisdifferenzen. von Thomas Kuhn
Kann China die KI manipulieren?
Die Gefahr beim Einsatz von KI-Systemen liegt seltener in der Infiltration von offensichtlichem Schadcode durch chinesische KI. Das ist eher ein grundsätzliches Problem, das durch die Manipulation von KI-Systemen durch Hacker auftreten kann – unabhängig von der Herkunft der Modelle.
Speziell im Fall chinesischer KI kann es eher subtile ideologische Einfärbung oder systematische Desinformation bei der Beantwortung von Fragen sein. Thomas Tschersich bringt das auf den Punkt und nimmt zugleich die Anwender in die Pflicht: „Natürlich kann man ein Modell so trainieren, dass es bei bestimmten Themen tendenziös antwortet. Die Frage ist: Kann ich das herausfinden? Habe ich die Kompetenz, das zu erkennen?“
Das Risiko hänge allerdings auch stark vom konkreten Einsatzzweck der KI ab, betont Adarsha Kanchana, der beim Maschinenbauer Deutz die Digitalisierung des Geschäfts verantwortet: „Wenn ich chinesische KI einsetze, um Anomalien in Testergebnissen der Qualitätskontrolle zu identifizieren, besteht ein viel geringeres Risiko ideologisch gefärbter Ergebnisse, als wenn ich konkurrierende Angebote von Lieferanten aus China, Taiwan oder Korea von KI-Assistenten bewerten lasse.“
Wie nutze ich chinesische KI sicher – ohne Manipulation und Datenabfluss?
Für eine sichere und geschützte Nutzung chinesischer KI-Systeme setzen IT-Strategen auf eine Kombination aus lokaler Infrastruktur, technischer Isolierung und kontinuierlicher Risikobewertung. Um Datenabfluss nach Fernost weitgehend auszuschließen, raten IT-Experten, die offen verfügbaren KI-Modelle ausschließlich im eigenen Rechenzentrum zu betreiben, im IT-Jargon „On-Premises“ genannt. KI zu nutzen, die in chinesischen Rechenzentren läuft, oder direkte Verbindungen zu den Entwicklern dort herstellt, müsse tabu sein.
Um sich gleichzeitig vor Halluzinationen oder Manipulationen zu schützen, sollten KI-Anwender die Systeme ausführlichen Tests unterziehen, die Eingaben und Ausgaben filtern und Modelle mit erkannten Verzerrungen explizit von sensibler Geschäftslogik fernhalten. Thomas Tschersich formuliert den Anspruch für kritische Prozesse eindeutig: „Je kritischer der Service, desto mehr muss er On-Premises laufen, also unter enger, eigener Kontrolle.“