Landesbäuerin Singer gewinnt Dialektpreis – Aiwanger bekommt sein Fett weg
StartseiteLokalesWeilheimWeilheimStand: 14.09.2026, 08:15 UhrKommentareUns auf Google folgen„Guad duad des scho“: Preisträgerin Christine Singer mit dem Ehrenvorsitzenden des Bunds Bairische Sprache, Sepp Oberm...
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Stand: 14.09.2026, 08:15 Uhr
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„Des wos ma am Herzn liegt, kann i bloß bairisch redn“: Warum Landesbäuerin Christine Singer die Bairische Sprachwurzel bekommt – und Hubert Aiwanger wohl leer ausgeht.
Regensburg – „Endlich a Frau.“ Gastgeber Richard Loibl kann seine Freude nicht zurückhalten. Zum 22. Mal verleiht der Bund Bairische Sprache heuer die Bairische Sprachwurzel, zum vierten Mal bei Direktor Loibl im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg. Doch Landesbäuerin Christine Singer ist erst die sechste Frau, die damit für ihre Verdienste um den bairischen Dialekt geehrt wird.
Seit 2024 sitzt die im Landkreis Garmisch-Partenkirchen lebende Landwirtin für die Freien Wähler im Europaparlament – und bringt die Übersetzer dort gelegentlich zur Verzweiflung, denn: „Des, wos ma am Herzn liegt, kann i bloß sogn, wenn i bairisch red.“
Bairische Sprachwurzel: Aiwanger wird sie wohl nie bekommen
Singers Parteichef Hubert Aiwanger indes dürften die Ohren klingen, wenn Sepp Obermeier, Ehrenvorsitzender des Bund Bairische Sprache und Erfinder der Sprachwurzel, andeutet, dass er den Preis wohl nie in Empfang wird nehmen dürfen. Zwar werde Aiwanger wegen seines „exotisch artikulierten a-Lautes“ wie etwa bei „Opfesoft“ als Dialektsprecher verspottet, wie Obermeier ihm zugesteht. Abseits davon aber halte der Freie Wähler-Chef „dialektvermeidende Politikerreden“.
Umso höher sei es Christine Singer anzurechnen, dass sie ihre halbstündige Vorstellungsrede zur Europawahl 2023 in Deggendorf ausschließlich auf Mittelbairisch gehalten habe – unmittelbar vor der Rede des viel verspotteten Aiwanger. Damit habe sie ausgesprochenen Mut bewiesen, lobt Obermeier. Für den Bund Bairische Sprache ist die 61-Jährige die „Jeanne d´Arc für ein selbstbewusstes Bairisch“.
Wos ma am Herzn liegt, kann i bloß sogn, wenn i bairisch red.
Christine Singer, die mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb im Alpenvorland bewirtschaftet, wurde 2022 zur Landesbäuerin gewählt – und ist kraft ihres Amtes auf Augenhöhe mit Günther Felßner, dem Präsidenten des Bayerischen Bauernverbands. Angefangen hat sie 1997 als Ortsbäuerin in Spatzenhausen.
Singers Glaubwürdigkeit ist für den Laudator, den österreichischen Germanisten Professor Johannes Holzner, der wesentliche Grund, dass sie diesen Weg gehen konnte. Natürlich komme es darauf an, was man sage. Aber in einer Zeit von Internet, Trollen, Trump und Putin gewinne man Vertrauen auch dadurch, wie man etwas sage. „Und wos könnt glaubwürdiger sei als a gewachsener Dialekt?“ So wie bei Christine Singer.
Studie: Dialektsprecher fühlen sich in der Politik schlecht repräsentiert
Unterstützt wird Holzners These durch eine Studie der Universität Mainz und der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Sepp Obermeier präsentiert: Demnach fühlen sich Dialektsprecher im politischen Betrieb schlechter repräsentiert. Als Wähler möchten sie von Abgeordneten vertreten werden, die ebenfalls Dialekt sprechen – und zwar über Parteigrenzen hinweg.
Da sei es wenig hilfreich, wenn in Veitshöchheim zehn Minuten vor der Faschingssitzung Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer als alteingesessener Bayerwaldler auf Fragen zu Gaudi-Themen „staatstragend in einem kühlen Nordsprech“ antworte. Oder wenn Finanz-und Heimatminister Albert Füracker bei der alljährlichen Dialektpreisverleihung an jeweils zehn Preisträger in der Residenz in einem distanzierten Schriftdeutsch laudatiere. „Er setzt damit ein fragwürdiges Zeichen – ein Zeichen der Unglaubwürdigkeit“, ärgert sich Obermeier.
Die Preisträgerin selbst gibt sich bescheiden. Sie sei doch nur „a ganz a kloans Liacht“. Aber sie freue sich. „Guad duad des scho.“ Christine Singer reiht sich ein in eine illustre Runde von Preisträgern, die der Bund Bairische Sprache seit 2005 geehrt hat. Sie reicht von Papst Benedikt XVI. über Luise Kinseher und die Wellküren bis hin zu Gerhard Polt und Josef Hader. Ergänzt wird die Reihe nun mit der, so Obermeier, „Mutter Zivilcourage“ in einer von „brettlbroader Männlichkeit geprägten weiß-blauen Politszene“.