Lastdrohnen, Lebendfallen und Sicherheitsfäden: HTW-Forschungspitching: Welche Ideen Professoren haben
Es ist ein verheißungsvolles Konzept, das da an der HTW stattfindet: ein Forschungs-Pitching. Und die dieser Tage an der Saarbrücker HTW vorgestellten Forschungsideen von HTW-Professoren steckten ein großes Spektrum ab.
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Lastdrohnen, Lebendfallen und Sicherheitsfäden HTW-Forschungspitching: Welche Ideen Professoren haben
Saarbrücken · Es ist ein verheißungsvolles Konzept, das da an der HTW stattfindet: ein Forschungs-Pitching. Und die dieser Tage an der Saarbrücker HTW vorgestellten Forschungsideen von HTW-Professoren steckten ein großes Spektrum ab.
27.09.2026 , 19:44 Uhr
Gut besucht: das Forschungspitching am HTW-Campus Rotenbühl, bei dem gut 20 HTW-Professoren für ihre Forschungsideen warben.
Foto: Mike Herrmann/HTW/Mike Herrmann
17 Projektansätze aus mehreren Fakultäten wurden beim Pitching präsentiert. Ähnlich wie bei einem zeitlich streng limitierten „Elevator Pitch“ bei Startups hatten die Antragsteller – allesamt HTW-Professoren – jeweils nur 15 Minuten Zeit, um ihre Forschungsidee sowie deren Innovationsgehalt, gesellschaftliche Relevanz und realistische Umsetzbarkeit zu umreißen.
Das ist nicht die einzige Besonderheit des kompetitiven (und laut HTW wohl in der deutschen Hochschullandschaft einzigartigen) Verfahrens: Das Auditorium (Lehrende, Studis, Interessierte) stimmt nachträglich ab und entscheidet neben dem HTW-Forschungsbeirat mit, welche aus HTW-Forschungsmitteln gefördert werden. Im Schnitt ist es ein gutes Drittel der Anträge – das wären diesmal plusminus sieben. Weil einige der Initial- in größere Förderanträge münden sollen, hängt im Einzelfall nicht wenig davon ab, Hürde eins zu nehmen.
Eines der interessantesten Projekte, eingereicht vom umtriebigen Nachwuchsprofessor Sebastian Markert, zielt auf die Bekämpfung der Asiatischen Hornissen, die unsere Bienenvölker bedroht. Immer mehr Imker geben wegen der sich rasant in Europa ausbreitenden invasiven Hornissenart auf. Lars Haab stellte Vorarbeiten zu einer Lebendfalle vor, in der sich invasive Arten mittels KI-basierter Bilderkennung (auf Basis eines niederländischen Datensatzes) mit 95-prozentiger Treffsicherheit ausmachen lassen. Im Unterschied zu bestehenden Fallen, in die auch streng geschützte Arten wie etwa die Europäische Hornisse hineingehen, sollen diese bei Markert wieder von alleine befreit werden.
Wie funktioniert’s? Durch eine Engstelle werden die Tiere einzeln gefangen und per Datenabgleich und der unterschiedlichen Flügelschlagfrequenz (Mikrofonüberwachung der Falle!) wird überprüft, welche Hornissenart es ist. Je nachdem entlässt eine Klappe oder Luftstoß sie wieder in die Freiheit. Ein Drittmittelprojekt ist geplant, indem auf Basis des Prototyps, der Ziel der Initialförderung ist, bestenfalls ein fertiges Produkt stehen soll.
Will analysieren, was die Hürden für Antragsteller bei der Grundsicherung sind: der kürzlich berufene HTW-Professor für Politikwissenschaft Markus Ciesielski.
Foto: Mike Herrmann/HTW/Mike Herrmann
Wie kommen Zugangsberechtigte zu SGB II-Leistungen leichter zu ihrem verbrieften Recht, nachdem seit 2026 die von der Großen Koalition eingezogenen Sanktionsverschärfungen greifen? Dies will der erst kürzlich berufene, junge HTW-Politikwissenschaftler Prof. Markus Ciesielski (mit der Saarländischen Armutskonferenz als Kooperationspartner) ausloten. Mittels Interviews mit Saarlouiser Ford-Mitarbeitern will er ermitteln, wie die neu eingezogenen Hürden bei der Grundsicherung sich auswirken und wie sie überwunden werden können. Eine spätere Forschungsförderung durch die Hans-Böckler-Stiftung steht im Raum. Nicht nur, weil Ciesielski das Ansinnen mit so viel Verve vortrug, überzeugte der Ansatz durch seine soziale Relevanz.
Auch ein zweites Projekt aus den Sozialwissenschaften verspricht das einzulösen: Die an zwei Saarbrücker Schulen gerade eingeführten „Neustarterklassen“ für Schulabsente will Prof. Sebastian Rahn auf ihre Wirksamkeit hin untersuchen. Wenn man weiß, dass zuletzt fast zehn Prozent der Jugendlichen ohne Schulabschluss blieben und „Schulabsentismus“ dem häufig vorangeht, liegt die Sinnhaftigkeit einer solchen Evaluierung auf der Hand. Rahn betonte denn auch, dass es „bislang an Studien zur Wirksamkeit“ niederschwelliger Angebote wie der Neustarterklassen im Saarland (maximal zwölf Schüler, individuelle Förderpläne, drei begleitende Fachkräfte) fehlt.
Längst nicht alle vorgestellten Projekte wirkten so durchdacht, dass sie gemäß den Regularien binnen eines Jahres bei begrenztem Mitteleinsatz (ganz überwiegend liegt er bei 35.000 bis 40.000 Euro) zu nennenswerten Ergebnissen kommen dürften. Ein noch stärker ins Gewicht fallendes Manko einiger Anträge war deren Innovationsferne.
Allenfalls eine methodische Grundlage für andere, ambitioniertere Ansätze dürfte etwa das aus den Sozialwissenschaften eingereichte Projekt „DIGI-BOND“ einlösen. Untersucht werden soll hier anhand von 30 Mutter-Kind-Dyaden, welche kindlichen Reaktionen (physiologisch, emotional und verhaltenstechnisch) smartphonebedingte „digitale Interaktionsunterbrechungen“ auslösen. Die Ergebnisse dürften alten Hüten gleichen.
Nicht ganz ausgereift wirkte auch ein von drei Professoren der Ingenieurwissenschaften eingereichter Kooperationsantrag, mit dem der Schadstoffeintrag in Binnengewässern durch ein unbemanntes Boot „in Tischgröße“ automatisiert, konstant überwacht und „unmittelbar an Bord analysiert“ werden soll. Die Frage aus dem Auditorium, auf welche Weise den strengen Wasserentnahme-Richtlinien Genüge getan werden kann, vermochte das Trio ebenso wenig zu beantworten wie eine zweite, ganz banale: Wie lässt sich ein Diebstahl der Gewässerstation verhindern?
Der befremdendste Antrag kam unter dem Titel „Trust it“ aus den Wirtschaftswissenschaften (Prof. Mana Mojadadr). So nachvollziehbar dessen Ziel ist, Transfervorhaben schneller in die Praxis zu bringen, fragte man sich irritiert, was „Trust it“ denn nun konkret bezweckt, außer bestehende Netzwerke des Teams fester zu knüpfen (Stärkung der „Innovationskommunikation“). Wie sich das mit Forschungsförderung nichts zu tun habende Projekt ins Pitching verirren konnte, blieb rätselhaft.
Umso innovativer waren drei andere Ansätze: Der Ingenieurwissenschaftler Prof. John Heppe will einen Plagiatsschutz für Luxusgüter entwickeln. Mit einem speziellen Ultrakurzpulslaser (UKP-Laser) will Heppe auf fünf Mikrometer große, haardünne synthetische Faserfäden den Herstellernamen „hineinstrukturieren“. Heppe versicherte, dass der UKP-Laser die thermische Instabilität des Fadens verhindere, die Sache aufgrund der zylindrischen Fadenoberfläche aber ambitioniert bleibe. In jedem Fall würde der fürs Auge unsichtbaren Sicherheitsfaden Herstellern und Kunden eine nachweisbare Produktechtheit ermöglichen.
Auch das Vorhaben des neuen Architekturprofessors Dirk Krutke, Leitungsarmaturen mittels eines ob guter Dämmeigenschaften idealen Pilzmyzels zu ummanteln, klingt vielversprechend. Krutke, der aus Hamburg allerhand Myzel-Erfahrungen bereits mitbringt, plant langfristig mit den Bio-Pilz-Dämmboxen, die seinen Worten zufolge auch das Potenzial zum Wärmeverbundsystem haben, ein Spin-off.
Lasten von bis zu fünf Kilo will der langjährige Professor für Fahrzeugelektronik Hans-Werner Groh per Drohne über Saarbrücken transportieren lassen. Die Lastdrohne soll auch ohne GPS- oder Funkverbindung offline fliegen, kamerabasiert autark navigieren und ihr Ziel mittels kartografischer Offline-Daten und spezieller Sensorik erreichen. Natürlich ist auch KI im Einsatz: Sie gleicht die aufgenommenen Drohnenbilder mit hochauflösenden 3D-Maps aus Saarbrücken ab. Da die Zustellung nicht im Briefkasten erfolgen muss und auch die Flugkorridore der Drohne nicht ganz eng bemessen sind, ist nicht die Sensorgenauigkeit das Problem. Vielmehr verlangt der KI-Einsatz eine gewisse Rechner- und Energieleistung. Vielversprechend klingt die Sache dennoch. (sas)