Lauscha: Wie Freiwillige ein eigenes Punkrock-Festival auf die Beine stellen
In Lauscha, einem kleinen Ort im Thüringer Wald, organisieren Ehrenamtliche ein kleines Punk-Festival. Das "Open-Air, bitte sehr!"-Festival findet mittlerweile zum 11. Mal statt. Einige hundert Besucherinnen und Besucher kommen zum Punk-Fest in dörflicher Atmosphäre. Am Freitag startet das Event, das Leben in die Kleinstadt bringt.
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AUDIO: "Open-Air, bitte sehr!": Wie Lauscha ein eigenes Punkrock-Festival bekam (4 Min)
"Open-Air, bitte sehr!"
Lauscha: Freiwillige organisieren DIY-Punkrock-Festival
Stand: 21.08.2026 08:20 Uhr
In Lauscha, einem kleinen Ort im Thüringer Wald, organisieren Ehrenamtliche ein kleines Punk-Festival. Das "Open-Air, bitte sehr!"-Festival findet mittlerweile zum 11. Mal statt. Einige hundert Besucherinnen und Besucher kommen zum Punk-Fest in dörflicher Atmosphäre. Am Freitag startet das Event, das Leben in die Kleinstadt bringt.
von Mareike Wiemann, Mareiek Wiemann, MDR Kulturdesk
- Am Freitag beginnt in Lauscha das Festival "Open-Air, bitte sehr!"
- Das nicht-kommerzielle Festival wird von gut zwei Dutzend Freiwilligen organisiert.
- Sie freuen sich, dass sie auch Anwohner unter ihren Gästen haben, die eigentlich keine Punkrock-Fans sind.
Paul Orlowski lebt seit seiner Geburt in Lauscha, mitten im Thüringer Wald. Er ist aufgewachsen in einem Haus mit großem Grundstück. Hinter dem Elternhaus weiden auf einer weitläufigen Wiese Schafe und Esel. Als Jugendlichem war ihm das irgendwann etwas zu viel Idylle. Er und seine Freunde sind Punkrock-Fans, und da entstand die Idee, die große Wiese mal für etwas anderes zu nutzen.
Wo sonst Esel und Schafe weiden, treffen sich einmal im Jahr Punkrock-Fans.
Do-It-Yourself-Festival mit Bands aus ganz Deutschland
"Es wollte jeder was machen. Dann wolltest du was konsumieren und musstest erst mal eine Stunde in die Dörfer fahren", um zu Punkrock-Events zu kommen, erinnert sich Orlowski bei MDR KULTUR. "Da haben wir gesagt: Wir machen jetzt unser eigenes Festival. In Lauscha!"
Das war 2013. Orlowski war damals noch nicht volljährig, und so meldete sein Vater das Festival an. Seitdem heißt es jedes Jahr Ende August in dem beschaulichen Städtchen: "Open-Air, bitte sehr!"
Sie organisieren das Open-Air: Manuela Römer und Therese Heidemann vom Verein "Kulturkollektiv Goetheschule" mit Paul Orlowski
Es sind keine großen Acts, die in Lauscha auftreten. In diesem Jahr zählt zum Beispiel die hannoversche Post-Punk-Band "Bärchen und die Milchbubis" zu den Headlinern. Das Open-Air ist ein Festival nach dem Do-It-Yourself-Prinzip, das nur bestehen kann, weil der Freundeskreis aus dem Gründungsjahr immer noch mit anpackt.
Ehrenamtliche machen Open-Air möglich
Es sind rund 25 Leute mal mehr, mal weniger beteiligt. Fast alles wird hier ehrenamtlich organisiert. Für Orlowski, der hauptberuflich ein Upcycling-Unternehmen leitet, ist das ein ziemlich zeitintensives Hobby, erklärt er: "So circa im November fange ich an mit der Suche nach Bands. Die Headliner, die ja alle Vorlauf brauchen, schreibe ich dann an. Ab dann läuft eigentlich die Orga dauerhaft."
Es sind kleinere Bands, die in Lauscha spielen, aber sie kommen trotzdem aus allen Teilen Deutschlands in die kleine Stadt im Thüringer Wald.
Der 30-jährige Orlowski ist einer der Köpfe hinter dem Festival. Offizieller Veranstalter hingegen ist das Kulturkollektiv Goetheschule in Lauscha, ein soziokulturelles Zentrum. Für den Verein ist es einfacher, mit Behörden zu kommunizieren und Formalitäten zu erledigen – vom Brandschutz bis hin zum Hygienekonzept.
Kampf mit der Bürokratie
"Das war tatsächlich ein sehr harter Kampf", erinnert sich die Vereinsvorsitzende Therese Heidemann: "Ich war zu der Zeit noch Buchhalterin. Da habe ich schon den ganzen Hickhack mitbekommen." Es sei ein ständiges Austarieren: "Was muss jetzt wirklich sein, was muss nicht sein? Was kann man so und so sehen?"
Die Behörden hätten damals mit viel Skepsis auf das Open-Air geblickt, erinnert sich Heidemann. Die Vorbehalte konnten aber ausgeräumt werden. Seitdem hat sich die Zusammenarbeit eingespielt. Auch finanziell steht das Festival auf recht sicheren Beinen, findet Paul Orlowski – ganz im Gegensatz zu den großen Musikfestivals.
Etwa 500 Gäste kommen jedes Jahr zu dem nicht-kommerziellen Festival.
Die beklagen nämlich zunehmend, dass Einnahmen und Ausgaben in keinem guten Verhältnis mehr zueinander stehen. Da habe man es als nicht-kommerzielles Event einfacher, sagt Orlowski: "Es wird nicht unbedingt schwerer, würde ich sagen, weil wir eben keinen Gewinn machen wollen. Es muss sich tragen. Aber wir haben keinen Puffer. Es muss reinkommen, was rausgeht."
Festival lockt auch Einheimische an
Rund 500 Besucherinnen und Besucher kommen im Durchschnitt. Der Eintritt ist für alle frei. Unter die angereisten Musikfans mischen sich auch immer mal Menschen aus dem Ort. Orlowski freut es, wenn Einheimische kommen, die sich sonst nie auf ein Punk-Festival verirren würden: "Die kommen dann nur, trinken ein Bier und gehen wieder."
Immer wieder entstünden so gute Gespräche, sagt er: "Manche sagen, 'Das ist nicht meine Musik, aber ihr macht ja nicht alles kaputt.'" Denn gegenüber Punkrock hätten viele Menschen erst einmal Vorurteile: "Das Bild ist natürlich: Die kommen dahin, suhlen sich im Dreck und zerstören alles. Die Leute sind dann überrascht, dass das gar nicht passiert", sagt Orlowski und lacht.
Für die Veranstalter ist es ein zeitfressendes Hobby, das Festival auf die Beine zu stellen.
Vorbehalte gibt es durchaus, Übergriffe dagegen sind bislang nicht vorgekommen – auch wenn das Festival sich bewusst antifaschistisch positioniert, und das in einem Landkreis, der mit Robert Sesselmann als erster bundesweit einen AfD-Politiker als Landrat hat.
Das "Open-Air, bitte sehr!" ist mittlerweile ein fester Termin im Lauschaer Kulturkalender. Musikalisch ist übrigens inzwischen nicht mehr nur für Punk-Fans etwas dabei, auch Indie oder Hip-Hop wird gespielt.
"Open-Air, bitte sehr!"
21.–22. August 2026
Adresse
Schotterwerk 1
98724 Lauscha
Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen finden Sie hier.
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Redaktionelle Bearbeitung: tis