Laut Psychologie: Clevere Menschen wirken in Gesprächen durch einen Kniff sympathischer
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Stand: 13.10.2026, 13:54 Uhr
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Zwei einfache Gewohnheiten lassen Menschen in Gesprächen sympathischer wirken. Psychologinnen erklären, warum das so ist.
Hamburg – Nahezu jeder Mensch fühlt sich einmal unsicher: vor einem Vorstellungsgespräch, wenn es darum geht, romantische Gefühle zu gestehen, oder wenn man eine Freundin um Hilfe bitten möchte. Oft versuchen Menschen dann, ihre Bedürfnisse und Emotionen zu überspielen. Im Bewerbungsgespräch verbergen viele lieber ihre Nervosität, weil sie glauben, sonst nicht souverän zu wirken. In Beziehungen warten manche darauf, dass die andere Person ihre Gefühle zuerst ausspricht. Und Freundinnen und Freunden möchte man nicht zur Last fallen – also tut man so, als sei alles in Ordnung. Dabei kann das Eingestehen von Unsicherheit eine ganz andere Wirkung haben.

Forschende haben untersucht, wie Menschen Verletzlichkeit bei sich selbst und bei anderen bewerten. Der Effekt wird als „Beautiful Mess Effect“ (dt. schönes Durcheinander) bezeichnet. Aus Angst vor möglichen Nachteilen entscheiden sich viele Menschen dagegen, sich vor anderen verletzlich zu zeigen oder etwa Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen.
Untersuchung zeigt: Andere bewerten Verletzlichkeit positiv
Um den Effekt zu untersuchen, führten die Forschenden sieben Studien mit mehreren Hundert Teilnehmenden durch. In den meisten sollten diese sich Situationen vorstellen, in denen sie selbst oder eine andere Person Verletzlichkeit zeigte – etwa indem sie jemandem die Liebe gestand, einen Fehler zugab oder um Hilfe bat. Anschließend bewerteten sie entweder ihr eigenes Verhalten oder das der anderen Person. Dabei schätzten die Teilnehmenden ihre eigene Verletzlichkeit negativer ein als die anderer Menschen.
Eine weitere Studie sollte näher an eine reale Situation heranführen: Die Teilnehmenden sollten entweder vor einer Jury ein Lied improvisieren oder als Jurymitglied einer anderen Person dabei zusehen. Der Auftritt fand zwar nicht statt, trotzdem bewerteten die Teilnehmenden die Verletzlichkeit anderer deutlich positiver als die eigene. Als mögliche Erklärung sehen die Forschenden die unterschiedliche gedankliche Perspektive: Wer selbst betroffen ist, nimmt die Situation sehr konkret wahr und denkt stärker an mögliche Nachteile. Wer andere beobachtet, betrachtet die Situation eher abstrakt und sieht eher die positiven Seiten des Sich-Öffnens.
„Auch wenn Beispiele dafür, Verletzlichkeit zu zeigen, sich aus der eigenen Perspektive manchmal eher wie Schwäche anfühlen, deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass diese Handlungen von außen eher wie Mut wirken können“, heißt es im Fazit der Forschenden. Angesichts der positiven Folgen, die das Zeigen von Verletzlichkeit auf zwischenmenschliche Beziehungen habe, „könnte es hilfreich sein, die eigenen Ängste zu überwinden“.
Fragen stellen wird als sympathisch wahrgenommen
Auch andere Gesprächsgewohnheiten wirken auf andere sympathischer, als man selbst vermuten würde – etwa das Stellen von Fragen. „Menschen, die viele Fragen stellen, werden als sozial kompetenter wahrgenommen“, sagt Tina Kretschmer, Professorin für Pädagogische und Entwicklungspsychologie an der FAU Erlangen, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Und Beziehungen, in denen viel gefragt wird, werden als glücklicher empfunden.“
Das bestätigt auch die Forschung: Eine Analyse dreier Studien mit mehr als 700 Teilnehmenden aus dem Jahr 2017 zeigt, dass Menschen, die mehr Fragen stellen, von ihren Gesprächspartnern als deutlich sympathischer wahrgenommen werden – besonders Folgefragen, die sich direkt auf das Gesagte des Gegenübers beziehen, erhöhten die Sympathie.
Fragen zu stellen drückt eine neugierige Haltung aus – den meisten Menschen ist eine gewisse Neugier angeboren. Viele Erwachsene halten allerdings bestimmte Fragen zurück, etwa weil sie ihrem Gegenüber nicht zu nahe treten wollen. „Junge Kinder haben eine ausgeprägte Neugier – sie fragen, wen jemand lieber mag oder warum jemand traurig ist. Irgendwann hören wir damit auf“, sagt Kretschmer.
Diese natürliche Neugier werde der Expertin zufolge im Laufe der Zeit gesellschaftlich abtrainiert, etwa weil Kindern vermittelt werde, nicht so neugierig zu sein. Hinzu komme die Fähigkeit zur Perspektivübernahme: Sobald diese einsetze, „nehmen wir an, schon zu wissen, was die andere Person fühlt oder denkt – und fragen deshalb weniger.“ Eltern, die ihre Kinder zu sympathischen Menschen erziehen möchten, sollten die kindliche Neugier demnach eher fördern als bremsen. (Quellen: Bruk et al.: „Beautiful Mess Effect, Huang et al.: „It Doesn’t Hurt to Ask: Question-Asking Increases Liking“, eigene Recherche)