Leihmutterschaft: Warum die Grünen jetzt auf ein Expertenpapier der Ampel setzen

Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion zurückgetreten. Doch die Debatte über Leihmutterschaft, die die Familiengründung des CDU-Politikers und seines Mannes losgetreten hat, läuft weiter. Und jetzt ...

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Leihmutterschaft: Warum die Grünen jetzt auf ein Expertenpapier der Ampel setzen

Jens Spahn ist als Vorsitzender der Unionsfraktion zurückgetreten. Doch die Debatte über Leihmutterschaft, die die Familiengründung des CDU-Politikers und seines Mannes losgetreten hat, läuft weiter. Und jetzt rückt ein Papier in den Fokus, das schon in der vergangenen Wahlperiode entstanden ist.

Damals hatten sich im Auftrag der Ampel-Regierung Fachleute aus Medizin, Psychologie, Soziologie, Gesundheitswissenschaften, Ethik und Recht mit Fragen reproduktiver Selbstbestimmung und Medizin beschäftigt. Eine Arbeitsgruppe betrachtete das Thema Schwangerschaftsabbruch, eine andere die Themen Eizellenspende und altruistische, also nichtkommerzielle Leihmutterschaft.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte wirbt die Co-Fraktionschefin der Grünen, Britta Haßelmann, dafür, die Ergebnisse der Gruppe jetzt zurate zu ziehen. Die Kommission habe „die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs sowie den Sachstand zu Eizellspende und Leihmutterschaft in psychosozialen, medizinischen, rechtlichen und ethischen Aspekten ausführlich gewürdigt und sich mit den Fragen zum Schwangerschaftsabbruch und der Fortpflanzungsmedizin intensiv beschäftigt“, sagte Haßelmann unserer Redaktion. „Diese Empfehlungen bieten eine wichtige Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs zu sehr grundlegenden Fragen in Gesellschaft, Politik und Parlament.“ Und die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeige, dass es geboten sei, sich erneut inhaltlich mit den Ergebnissen der Kommission zu befassen.

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Die SPD Frauen ringen noch um eine Position zur Leihmutterschaft

Die Kommission war damals zu dem Schluss gekommen, dass zwar auch altruistische Modelle Raum für Umgehungen und Missbrauch bieten könnten, schrieb aber auch, dass der Gesetzgeber „angesichts der Freiheitsrechte der Leihmütter und der Wunscheltern“ altruistische Leihmutterschaft in sehr engen Grenzen trotzdem zulassen könne. Haßelmann hofft auf dieser Grundlage auf eine neue Debatte. Der Bericht aus 2024 sei „zu wertvoll, als dass er bei dieser Koalition in einer Schublade verschwindet“, sagt sie.

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Unterdessen ringen Teile der Koalition selbst noch um eine Positionierung zum Thema Leihmutterschaft. Während die CDU ihre Ablehnung erst Anfang des Jahres mit einem Parteitagsbeschluss bekräftigt hatte, läuft innerhalb der SPD noch die Debatte.

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Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD, kurz SPD Frauen, habe das Thema schon seit 2025 auf der Agenda, sagt die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner unserer Redaktion, und bereite eine Positionierung für die nächste Bundesfrauenkonferenz 2027 vor.

„Der aktuelle Stand der Debatte ist, dass das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft aus ethischen, praktischen und rechtlichen Beweggründen bestehen bleiben soll, Ausnahmen unter sehr engen Voraussetzungen aber ermöglicht werden könnten“, erklärt sie. Die Meinungsbildung sei aber noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich sehen die SPD Frauen ein Problem in der „zunehmenden Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin“ und in der Ausnutzung von deren materiellen Notlagen.

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Auch bei der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. „Häufig profitieren wohlhabende Menschen von der ökonomischen Not anderer“, sagt Kathrin Gebel, frauenpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, unserer Redaktion. Sie lehnt kommerzielle Leihmutterschaft deshalb ab, und sieht auch altruistische Varianten kritisch. „Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck“ würden nicht automatisch verschwinden, nur weil offiziell kein Geld fließe.