GAK: Liam Hermesh und die „verrückte“ Fügung des Schicksals | Kleine Zeitung
Liam Hermesh ist neu im GAK-Team von Ferdinand Feldhofer, der vor 28 Jahren bereits Bekanntschaft mit dessen Vater gemacht hat. Mit Papa Yaniv trainierte Liam in Israel, während die Raketen über ihnen flogen.
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Liam Hermesh ist neu im GAK-Team von Ferdinand Feldhofer, der vor 28 Jahren bereits Bekanntschaft mit dessen Vater gemacht hat. Mit Papa Yaniv trainierte Liam in Israel, während die Raketen über ihnen flogen.
© GEPA


vor 17 Minuten
16. August 2026 um 06:30
Als Yaniv Hermesh am Tag der Unterschrift seines Sohnes Liam beim GAK mit Cheftrainer Ferdinand Feldhofer ins Plaudern kam, war ihnen beiden nicht bewusst, dass sie sich vor knapp drei Jahrzehnten schon einmal die Hand geschüttelt haben. Denn am 4. September 1998 standen sich die beiden ehemaligen Abwehrspieler im Rahmen der U21-EM-Qualifikation in Wiener Neudorf gegenüber. Feldhofer, der Gelb sah, unterlag dabei Israel mit dem ÖFB-Team 0:1 und startete so denkbar schlecht in die Quali, welche Österreich mit nur drei Punkten aus acht Spielen auf dem letzten Platz beenden sollte. „Ich weiß noch, dass wir sehr enttäuscht waren, weil wir überzeugt davon waren, dass wir gewinnen“, blickt Feldhofer zurück. „An den Papa von Liam konnte ich mich aber nicht erinnern“, fügt er mit einem Lachen an.
Dass Liam bei den Rotjacken in allen drei Pflichtspielen von Beginn an startete, ist auch seinem Vater zu verdanken, der heute als Individualtrainer tätig ist. „In der Sommerpause hat Liams Vater viel und höchstprofessionell mit ihm trainiert, sonst wäre er jetzt nicht annähernd auf einem Level, auf dem er uns helfen könnte“, sagt Feldhofer, der als Trainer von Shon Weissman und Eliel Peretz schon Erfahrung mit israelischen Spielern gemacht hat. „Er weiß um die Qualität israelischer Spieler und wie man mit ihnen arbeitet“, sagt auch Hermesh selbst.
Yaniv Hermesh zwischen Sergio Ramos und Pepe
Dass er Fußballer geworden ist, liegt zu einem großen Teil an seinem Papa. Als Kind hatte Liam die Wand über seinem Bett im Kinderzimmer mit Bildern und Plakaten seiner Idole tapeziert. „Sergio Ramos, Pepe – und natürlich Papa“, sagt Hermesh und meint lachend: „Ich weiß nicht, wie meine Mama das zulassen hat können, die ganze Wand war voll.“ Die Fotos sind aber auch die einzigen Andenken an die aktive Fußballer-Zeit seines Papas. „Er hat seinem eigenen Sohn nicht einmal ein Trikot aufgehoben“, sagt Hermesh ungläubig und lacht. „Er hat seine Trikots und Medaillen früher immer an die Fans verschenkt.“
Zur Person
Liam Hermesh, geboren am 12. März 2004 in Ramat Gan, Israel. Israelisch-portugiesischer Doppelstaatsbürger.
Position: defensives Mittelfeld.
Bisherige Profistationen: Maccabi Haifa, Hapoel Afula (beide ISR), Sheriff Tiraspol (MDA), GAK.
Größter Erfolg: moldawischer Pokalsieger.
Während Papa Yaniv früher für eine Vielzahl israelischer Klubs als Außenverteidiger im Einsatz war, ist Liam im zentralen Mittelfeld aufgehoben. Als laufstarker Sechser helfe er dem Team „mit der Struktur, ich spreche viel mit meinen Mitspielern. Ich versuche, die Linien zu schließen, den Ball zu attackieren und im Ballbesitz den Ball nach vorne zu verteilen“, sagt Hermesh, der bei sich selbst noch in allen Aspekten Verbesserungspotenzial sieht: „Es gibt Ronaldo und Messi – aber alle anderen Spieler auf der Welt müssen sich verbessern.“

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In Ramat Gan in Israel geboren hat Hermesh wie die früheren WAC-Spieler Weissman und Peretz neben der israelischen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft. Bis vor wenigen Monaten war es Nachkommen sephardischer Juden, die während der Inquisition im 16. Jahrhundert vertrieben wurden, möglich, die portugiesische Staatsbürgerschaft zu beantragen. Insbesondere für Fußballer ist ein EU-Pass selbstverständlich von großem Wert. Hermesh selbst ist in Israel aufgewachsen, durchlief sämtliche israelische Nachwuchsteams. Für Maccabi Haifa spielte der 22-Jährige im Herbst 2022 in der Youth League gegen Juventus Turin, Benfica Lissabon und PSG, traf dort auf heutige Stars wie Joao Neves oder Kenan Yildiz. „Diese Spieler haben auch zwei Hände, zwei Beine, zwei Augen – am Ende sind wir gleich. Wenn man an sich glaubt, kann man vieles erreichen, deshalb glaube ich auch an mich“, sagt Hermesh.
Training unter fliegenden Raketen
Schon früh hat er deshalb vieles dafür getan, um seine Ziele zu erreichen, um Profifußballer zu werden. „Jeden Morgen bin ich mit meinem Papa spätestens um sechs Uhr in der Früh auf dem Trainingsplatz gestanden, um auf dieses Level zu kommen“, sagt Hermesh und erzählt, wie er sich schon als Kind mit der Lebensrealität in Israel auseinandersetzen musste. „Wenn wir in der Straße gespielt haben und ein Raketenalarm gekommen ist, haben wir einfach weitergespielt, auch wenn die Raketen über uns geflogen sind“, sagt Hermesh. „Das ist die Mentalität, mit der jedes Kind in Israel aufwächst – man gewöhnt sich daran.“ Seine enge Familie blieb von den Kriegskonflikten in den vergangenen Jahren verschont. „Aber viele meiner Schulfreunde… du wachst eines Tages auf und erfährst, dass sie nicht mehr am Leben sind. Wir haben uns das nicht ausgesucht, wir wurden da hineingeboren. Und durch dieses Leben müssen wir durch.“
Wenn wir in der Straße gespielt haben und ein Raketenalarm gekommen ist, haben wir einfach weitergespielt, auch wenn die Raketen über uns geflogen sind. Das ist die Mentalität, mit der jedes Kind in Israel aufwächst.
— Liam Hermesh, GAK-Neuzugang
Auch als Fußballprofi war Hermesh bereits mit den Auswirkungen der kriegerischen Handlungen konfrontiert. Zwei Tage vor dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte Hermesh mit Hapoel Afula noch ein Zweitligaspiel bestritten, danach stand die Liga für mehr als einen Monat still. „In der Früh des 7. Oktober habe ich noch mit meinem Papa trainiert. Wir haben zwar Raketen fliegen sehen, aber für uns war das normal. Das ist einfach verrückt“, sagt Hermesh und erzählt, dass er im Rahmen des israelisch-iranischen Kriegs beinahe seinen Vater verloren hat: „Ich habe mit meinem Papa telefoniert, plötzlich hat es ,Bumm‘ gemacht. Ich habe sofort auf meinem Handy nachgeschaut, was passiert ist – und eine Straße weiter von ihm hat eine Rakete drei Menschen getötet.“
Um sich von diesen Geschehnissen nicht zu sehr mitnehmen zu lassen, „schaue ich nicht täglich die Nachrichten“, sagt Hermesh. „Wir sind nur kleine Leute, wir können nicht kontrollieren, was passiert. Ich hoffe einfach, dass das alles bald ein Ende findet und jeder zu seinem eigenen Leben zurückkehren kann. Ich weiß, dass ich nichts ändern kann und die News zu schauen macht mich nicht zu einem besseren Mann. Was ich kann, ist, zu entscheiden, wie ich mich verhalte und jedem Menschen mit Respekt zu begegnen.“
Hermesh will es besser machen als sein Papa
Während Hermesh seinen Papa nicht dazu überreden konnte, mit ihm außerhalb Israels zu wohnen, geht Liam nun in sein zweites Auslandsjahr. In der vergangenen Saison war Hermesh von Maccabi Haifa an Sheriff Tiraspol ausgeliehen, wo er mit einem Tor im Finale mithalf, den moldawischen Cup zu gewinnen. Zudem hatte Hermesh mit seiner Freundin, einer gebürtigen Moldawierin, die er in Israel kennengelernt hat, den perfekten Tourguide für das Land. „Moldawien ist wunderschön, aber meine Freundin hat sich jetzt schon in Graz verliebt“, sagt Hermesh, der mit ihr vor knapp zwei Wochen eine Wohnung etwas außerhalb der Stadt bezogen hat.
Am Sonntag geht es für Hermesh und den GAK nun auswärts zu Rapid (19 Uhr, Sky live) und er kann sich dabei wieder einmal Tipps von seinem Papa einholen. Denn: Yaniv Hermesh hat zwei UEFA-Cup-Spiele in seiner Vita stehen – in der 1. Runde setzte es für sein Hapoel Petah Tikva damals das Aus ausgerechnet gegen Rapid, in Wien verloren die Israelis mit 0:1. Seine beiden UI-Cup-Spiele bestritt Yaniv im Übrigen auch gegen einen österreichischen Klub: Hier war gegen den LASK in Runde eins Endstation. Das Ergebnis in Linz? 0:3 – die gleiche Erfahrung hat Liam vor zwei Wochen gemacht. „Es ist wirklich verrückt, was im Fußball alles passieren kann“, sagt Hermesh, der es gegen Rapid nun besser machen will als der Herr Papa.