Lichtblicke: Wie der Förderverein Ehrensache Reittherapie für Kinder mit Behinderung möglich macht

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Lichtblicke: Wie der Förderverein Ehrensache Reittherapie für Kinder mit Behinderung möglich macht

Lichtblicke Wie der Förderverein Ehrensache Reittherapie für Kinder mit Behinderung möglich macht

Serie | Überherrn-Altforweiler · Krankenkassen zahlen Reittherapie meist nicht. In Überherrn hilft der Verein „Ehrensache“ trotzdem 130 Kindern pro Woche. In unserer Lichtblicke Serie stellen wir ihn vor.

23.09.2026 , 20:19 Uhr

Lichtblicke: Wie der Förderverein Ehrensache Reittherapie für Kinder mit Behinderung möglich macht

Foto: Iris Maria Maurer

Simons Mutter hat klare Vorstellungen: Die Krankenkassen müssten Reittherapien und auch andere alternative Therapien bezahlen. Das tun sie nicht, aber Petra Jenals Verein „Ehrensache“ springt ein und hilft dem neunjährigen Simon. Seine Freude ist groß, wenn er auf Pferd „Pelle“ darf. Und alle, die helfen oder auch nur zusehen, freuen sich jedes Mal über Simons Lachen.

Amelie, 17, hat an diesem Tag keine Lust, mit ihrem Pferd „Charisma“ ihre Runden in der Reithalle zu drehen. Sie steigt nach kurzer Zeit wieder ab. Beim Führen eines Pferdes zu helfen, macht ihr mehr Spaß.

Das Führen der Pferde, auf denen Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung sitzen, übernehmen üblicherweise ausgebildete Pferdeführerinnen. Für „Ehrensache“ sind zudem sechs Reittherapeutinnen und Psychologin tätig. In ihrer Freizeit neben ihren Jobs. Von den 12 Pferden, die eine Ausbildung als Therapiepferd haben, gehören neun dem Verein, drei einer der Therapeutinnen. Neben dem Therapeutinnen- Team seien auch der Vorstand, der aus acht Personen besteht, und das Stallteam von großer Bedeutung, sagt Petra Jenal. Neben der eigentlichen Therapiearbeit würden sehr viel Zeit und Arbeit in den Erhalt und die Entwicklung der vereinseigenen Infrastruktur investiert. Dazu gehören beispielsweise die Pflege der Boxen und der Koppel sowie die Beschaffung, Pflege und Reparatur der Ausstattung. Die große Mühe zahlt sich aus. „Der Erfolg, den wir mit der Reittherapie erfahren, spornt uns jeden Tag aufs Neue an, weiterzumachen.“, sagt Petra Jenal. Alle, die zu diesem Erfolg beitragen, dürfen stolz sein auf ihre Arbeit. Nicht nur, wenn sie während der Therapiestunden in die fröhlichen Gesichter, der Kinder und Jugendlichen blicken.

Positive Rückmeldungen kommen auch von Kinderärzten, Physiotherapeuten und Psychologen.

Nicht zu vergessen die Eltern der kranken Kinder und Jugendlichen. Der Verein „Ehrensache“ ist für sie ein wichtiger Anker. Alle, die „Ehrensache“ unterstützen, folgen dem Motto, das Petra Jenal gerne zitiert:

„Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht.“

Petra Jenal lebt dieses Motto seit vielen Jahren. Auf dem Gelände der Tierklinik von Dr. Andreas Rupp in Überherrn-Altforweiler hat der Verein 2014 eine Reithalle errichtet. Die Zusammenarbeit mit der Pferdeklinik bezeichnet Petra Jenal als „gut und freundschaftlich“. Spender und Sponsoren machten den Bau der Reithalle möglich. Sie sind generell wichtig, weil der Verein den Mitgliedsbeitrag - der Familienbeitrag beträgt 12 Euro jährlich – niedrig halten möchte, „um die Eltern nicht zu sehr zu belasten“. Derzeit hat der Verein 200 Mitglieder. Petra Jenal und alle, die sich bei „Ehrensache“ engagieren, wissen die Unterstützung durch Spender und Sponsoren sehr zu schätzen. „Wir sind sehr dankbar, dass sie seit fast 17 Jahren unsere therapeutische Arbeit am Leben halten.“

„Ehrensache“ ist längst gut vernetzt.

Etwa mit der Lebenshilfe Saarwellingen oder dem Kinderhospizdienst Merchweiler. Der Kinderhospizdienst hilft auch der 18-jährigen Emma aus Heusweiler. Sie leidet an einer Muskelerkrankung, die nicht heilbar ist. Für Emma bedeutet das: eiserne Disziplin im Alltag. Tägliche Übungen sind notwendig. Seit längerem schon sitzt sie im Rollstuhl.

Regelmäßig nimmt Emma eine Art Auszeit von der Erkrankung. Dann fährt ihre Mutter Heidi sie nach Überherrn-Altforweiler zum therapeutischen Reiten - im eigens umgebauten Auto. Beim Reiten, das „Ehrensache“ anbietet, werden Muskelgruppen trainiert, die im Rollstuhl nicht erreicht werden. Viel wichtiger noch: Beim Reiten fühlt Emma sich frei, für kurze Zeit auch frei von der Krankheit. „In der Physiotherapie ist man Patient, beim Reiten nicht.“, sagt sie. Hier werde Hobby mit Therapie verbunden, ergänzt ihre Mutter.

Das Pferd, auf dem Emma reitet, heißt ebenfalls Emma und ist ebenso wie die übrigen Therapiepferde im Verein „Ehrensache“ selbst ausgebildet worden. Bereits ausgebildete Pferde kann sich der Verein nicht leisten. Das hat auch einen Vorteil. Neue Pferde können langsam an ihre Aufgabe herangeführt werden, können hineinwachsen in die „Ehrensache-Familie“.

Die Messlatte für die therapeutische Arbeit lege man hoch, sagt Petra Jenal. Die für das Tierwohl auch. Das komme an erster Stelle. Auf diesem Hof darf ein Pferd ein Pferd sein, trotz seiner wichtigen therapeutischen Arbeit. Dazu gehört, dass die Pferde regelmäßig in eine so genannte Wellness-Box gehen. Darin wird ein salzhaltiges Meeresklima erzeugt, das für die Unterstützung der Atemwege eingesetzt wird. Den Therapiepferden hilft es bei Atemwegserkrankungen oder Husten. Manches Mal auch einfach bei der Regeneration. Weil die auch für Menschen wichtig ist, dürfen die Kinder und Jugendlichen, die zur Reittherapie kommen, zusammen mit „ihrem“ Pferd in die Box.

130 Kinder kommen pro Woche zum Pferdehof nach Altforweiler, dort ist Reittherapie an sieben Tagen möglich, als Einzelstunde, aber auch als Gruppenstunde. Auch Schulen nutzen das gerne. Petra Jenal ist unermüdlich für ihren Verein im Einsatz, fährt die Strecke von ihrem Wohnort Ensdorf nach Altforweiler an manchen Tagen mehrmals.

Für „Don“, so heißt ihr eigenes Pferd, bleibt wenig Zeit.

Zweimal im Monat komme sie dazu, mit „Don“ auszureiten, sagt sie. Der Verein bindet sehr viel ihrer Zeit. Ihr anspruchsvolles Amt als 1. Vorsitzende übt sie mit großer Gelassenheit aus. Die Freude am Helfen, der Wunsch, kranke Kinder zu unterstützen, überwiegt stets. Das Helfen bedeutet viel Arbeit für Petra Jenal, nicht nur auf dem Pferdehof, auch im Büro. Spender und Sponsoren wollen gefunden werden und sollen auch stets gut informiert sein über das, was sich im Verein tut. Und auch die Stallmiete für die Boxen der Therapiepferde muss bezahlt werden. Ebenso die laufenden Betriebskosten.

Da muss dann schon mal ganz genau gerechnet werden.

Auf der Broschüre, mit der der Verein „Ehrensache“ für seine gute Sache wirbt, sind viele Fotos zu sehen, die deutlich machen, wie gut Mensch und Pferd zusammenarbeiten, wie gut die Tiere den kranken Kindern und Jugendlichen tun.

Bilder, die sich während einer Therapiestunde in der großen Reithalle bestätigen. Hier wird mit viel Zuwendung´gearbeitet, mit großer Gelassenheit, mit viel Geduld.

Pferde, Therapeutinnen und Patienten bilden gute Gemeinschaften.

So als folge jeder Einzelne den Worten von Franz König, einst Kardinal von Wien, die der Verein auf seine Broschüre gedruckt hat:

„Es ist nicht so, dass der Einzelne nichts tun kann. Das ist eine Parole der Angst. Immer wird es auf den einzelnen Menschen ankommen, seinen Mut, seine Verständnisbereitschaft, seine Liebe und Güte.“

Seit der Gründung 2010 verfolgt Petra Jenal mit ihrem Verein beharrlich ihr Ziel: Jungen Menschen mit Behinderung Therapieeinheiten finanzieren, die sich diese besondere Form der Krankengymnastik auf dem Pferd nicht leisten können. Der Verein finanziert auch Ausrüstung für Reiter und Pferd. Zuletzt hat er zudem einen Hebe-Lift angeschafft, der das Aufsteigen auf das Pferd erleichtert. Es ist schon der zweite Hebe-Lift, den der Verein kaufen musste. Er hilft Simon und auch Emma sehr. Sitzen sie erstmal im Sattel, wird durch die Schrittbewegungen der Pferde ihr Becken so bewegt, als könnten sie laufen.

In den Anfängen des Vereins teilten sich die Therapiepferde einen Reitstall mit Dressur- und Springpferden. Seit 2014 hat „Ehrensache“ eine eigene Halle, Sponsoren machten den Bau möglich. Lediglich für den gewünschten Aufenthaltsraum reichte das Geld nicht.

Im Sommer zumindest sitzen alle ohnehin lieber draußen.

Und wenn man dann über den Hof hinaus auf Felder, blühende Wiesen und Bäume schaut, wähnt man sich im Urlaub. Das ist nicht nur für Pferde eine ideale Umgebung, schließlich sind sie ja nicht immer im Therapie-Dienst.

Pferde haben ungeahnte Kräfte, Kindern zu helfen.

In der Reithalle bewirkten sie kleine Wunder, sagt Petra Jenal. Je mehr Sicherheit die jungen Menschen mit einer Behinderung auf dem Pferderücken gewinnen, um so glücklicher sind sie. Und mit der Sicherheit steigt auch das Selbstbewusstsein.

Vor zehn Jahren hat Petra Jenal in Hamburg den Preis „starke Frauen für ein starkes Land“ bekommen, den die Zeitschrift „Goldenes Bild der Frau“ vergibt.

Für sie ein Abend voller Glamour – mit Stars auf einer großen Bühne.

Für ihren Verein „Ehrensache“ in mehrfacher Hinsicht ein großer Gewinn, denn das Preisgeld von insgesamt 40.000 Euro floss in die Vereinskasse. Für Petra Jenal eine Selbstverständlichkeit.