Ceuta: Zehntausende Migranten erreichen spanische Exklave – die Entwicklungen
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Live-Ticker
Migrantenansturm in Ceuta: Marokko nimmt 111 Migranten fest +++ Spanien führt Grenzkontrollen für Reisende aus Italien ein
Die Lage in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika ist nach der Ankunft Tausender Migranten angespannt. Die neusten Meldungen zur Migrationskrise.
NZZ-Redaktion16.08.2026, 08.24 Uhr
1 Leseminuten
AktualisiertMarokko hat 111 Migranten auf dem Weg nach Ceuta festgenommen
Die marokkanische Polizei hat am Samstag mindestens 111 Menschen festgenommen, als diese versuchten, in die spanische Enklave Ceuta zu gelangen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Festnahmen erfolgten vor dem Hintergrund verschärfter Sicherheitsmassnahmen auf beiden Seiten der Grenze. In sozialen Netzwerken war zuvor zu einer weiteren Massenüberquerung durch Migranten aufgerufen worden.
Was passiert mit den minderjährigen Migranten?
Nach dem Massenansturm auf Ceuta ist die Zukunft der minderjährigen Migranten weiter ungewiss. Gemäss der Verwaltung von Ceuta halten sich zwischen 1000 und 1200 unbegleitete minderjährige Migranten in der spanischen Exklave auf.
Spanische Gesetze und internationale Abkommen untersagen unmittelbare Abschiebungen, sogenannte Pushbacks. Die Minderjährigen müssten gemäss Ausländergesetz auf das spanische Festland transferiert und auf die Regionen verteilt werden. Mehrere Regionen, die von der konservativen Volkspartei mit der rechtspopulistischen Vox als Koalitionspartner regiert werden, hatten zunächst Widerstand gegen die automatischen Zuweisungen angekündigt. Zudem fordern sie lückenlose Altersnachweise. Die Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, machte sich dafür stark, die Jugendlichen direkt in ihre Heimatländer zurückzuführen. Marokko hat offiziell die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Spanien bei der Rückführung Minderjähriger angekündigt.
EU-Digitalkommissarin gibt Tech-Firmen Mitschuld an Ceuta-Krise
Die EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen hat Tech-Unternehmen wie Meta und Tiktok indirekt eine Mitschuld an der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta gegeben. Die Finnin deutete nach einem Treffen mit Vertretern der beiden Firmen an, diese hätten nicht genug gegen Falschinformationen getan, die auf ihren Plattformen zirkulieren.
Vor allem in Krisensituationen müssten die Plattformen entschlossen handeln, «um die Integrität des digitalen Raums zu bewahren», schrieb Virkkunen auf X. «Es braucht mehr Aufsicht, Kooperationen mit Faktenprüfern müssen ausgebaut werden.»
Spanien führt Grenzkontrollen für Reisende aus Italien ein
Im Streit mit Italien über irreguläre Migration führt Spanien vorübergehend Grenzkontrollen für Flug- und Schiffsreisende aus dem Land ein. Von Samstag Mitternacht bis zum 7. September sollen Pässe, Nationalität und Visa kontrolliert werden, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Sie begründete den Schritt mit anhaltendem Migrationsdruck. Die Massnahme gilt, solange Italien seinerseits Kontrollen aufrechterhält. Rom hatte diese nach dem massenhaften Andrang von Zehntausenden Migranten auf die spanische Exklave Ceuta am 30. Juli verhängt.
Spanien droht Italien mit Gegenmassnahmen wegen Grenzkontrollen
Die spanische Regierung droht mit Gegenmassnahmen gegen Reisende aus Italien, sollte Italien die Grenzkontrollen nicht bis zum kommenden Sonntag aufheben. Die Kontrollen verhängte Italien vergangene Woche nach dem Zustrom von Migranten nach Ceuta.
Die Massnahmen Italiens seien «unfair, den Interessen der Europäischen Union zuwiderlaufend und diskriminierend gegenüber der spanischen Bevölkerung», argumentierte die Regierung in ihrer Erklärung. Zudem betonte sie, dass keiner der Migranten, die Ceuta in der vergangenen Woche auf irreguläre Weise erreicht hatten, gemäss den Einwanderungsbestimmungen der Enklave freien Zugang zum Schengen-Raum erhalten habe.
EU-Innenminister wollen Lehren aus der Ceuta-Krise ziehen
Die EU-Staaten wollen nach ihrem Streit über die Migrationskrise in Ceuta künftig geschlossener auftreten und durch Frühwarnsysteme besser vorbereitet sein. Die Kommunikation in Krisenzeiten könne durch zeitnahe Koordinierung weiter gestärkt werden und solle kohärenter sein, haben die Mitgliedsländer nach einer ausserplanmässigen Videokonferenz mitgeteilt.
Der weitaus grösste Teil der bis zu 60 000 Migranten, die vergangene Woche nach Ceuta gestürmt sind, ist laut den Angaben der Zentralregierung in Madrid inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Mehr als siebzig Personen sind bei dem Versuch, die EU zu erreichen, ums Leben gekommen.
Madrid bestreitet Warnungen des Geheimdienstes vor Ceuta-Krise
Die Regierung in Madrid hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmasses gewarnt hätten, hiess es.
Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden «Menschenwelle» nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von «mehrfachen Warnungen». Die Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete: «Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.»
EU-Innenminister beraten über Grenzschutz
Die EU-Innenminister beraten am Dienstag um 10 Uhr darüber, wie die EU ihre Aussengrenzen besser schützen kann. Die EU-Kommission rief vor dem Treffen zum Zusammenhalt auf und ist bemüht, keine Zweifel an dem EU-Migrationssystem aufkommen zu lassen, das erst vor gut sieben Wochen in Kraft trat.
Die Ereignisse der vergangenen Woche seien ein Härtetest für die Sicherheit der europäischen Aussengrenzen gewesen, den Europa fürs Erste bestanden habe, sagte der EU-Migrationskommissar Magnus Brunner der Deutschen Presse-Agentur. Niemand sei in den Schengen-Raum gelangt. «Jetzt kommt es darauf an, dass die EU geeint handelt und die richtigen Schlüsse aus diesen Ereignissen zieht.»
Eine Stadt kämpft mit dem Kontrollverlust
Auf den Strassen Ceutas liefern sich die Polizei und Migranten Verfolgungsjagden, wie die NZZ-Redaktorin Julia Monn aus Ceuta berichtet. Viele Bewohner hätten Angst und glaubten, dass die Regierung in Marokko hinter dem Fiasko stecke. Eine Reportage aus der Stadt, die mit dem Kontrollverlust kämpft.
Marokko macht Falschinformationen für Krise in Ceuta mitverantwortlich
Der Andrang der Migranten auf Ceuta sei nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen, sagt ein Sprecher des marokkanischen Innenministeriums in der ersten offiziellen Reaktion des Landes auf die Ereignisse von letzter Woche. Der Sprecher macht dafür die Verbreitung falscher Informationen im Netz, Aktivitäten von Schleusern und eine Fehlinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils verantwortlich, das die Rückführung bestimmter Migranten begrenzt.
Angesichts der Krise in der an Marokko grenzenden Exklave wurden auch Vermutungen geäussert, dass die marokkanische Regierung den Massenandrang auf Ceuta bewusst ausgelöst oder zumindest geduldet haben könnte, um Spanien unter Druck zu setzen. Mehrere Migranten hätten laut den spanischen Medien unabhängig voneinander geschildert, dass sie nicht gestoppt, sondern vielmehr zum Grenzübertritt ermuntert worden seien.