Liveblog zur Sonnenfinsternis 2026: Spanien befürchtet Verkehrschaos wegen Millionen Touristen

Fast in ganz Deutschland perfekte Wetterbedingungen für Sonnenfinsternis +++ Schutzbrillen vielerorts ausverkauft +++ Sonne wird über Deutschland bis zu 90 Prozent verdeckt +++ alle Infos im Liveblog.

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Liveblog zur Sonnenfinsternis 2026: Spanien befürchtet Verkehrschaos wegen Millionen Touristen

Spanien vor historischer Sonnenfinsternis Reisewelle rollt

Wenige Stunden vor der ersten totalen Sonnenfinsternis über Spanien seit mehr als einem Jahrhundert fiebert das Land dem historischen Naturschauspiel entgegen. Mittlerweile zieht es viele Menschen in die sogenannte Totalitätszone, in der der Mond am Abend gegen die Sonne vollständig verdecken wird. Die Behörden rechneten allein am Mittwoch mit 400.000 bis 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten. Vor allem auf den Zufahrtsstraßen in den Norden und Osten des Landes sowie zu den Balearen wurden lange Staus erwartet. Katalonien und andere Regionen meldeten am Vormittag zähflüssigen Verkehr. Nennenswerte Verkehrsbehinderungen wurden zunächst aber nicht gemeldet.

Die Generaldirektion für Verkehr (DGT) hat einen Sonderplan mit zusätzlichen Kontrollen und Hinweistafeln aktiviert. Autofahrer dürfen weder auf der Fahrbahn noch auf dem Seitenstreifen anhalten, um das Schauspiel zu beobachten. Während der Verdunkelung muss mit Abblendlicht gefahren werden. Die Behörden appellierten, Reisen möglichst früh anzutreten.

Das Naturereignis lockt Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an. Hotels entlang der Totalitätszone sind vielerorts seit Langem ausgebucht, Privatleute vermieten Balkone und Dachterrassen mit freier Sicht auf den westlichen Horizont für mehrere Hundert Euro. Auch auf Mallorca, das ebenfalls in der Totalitätszone liegt, herrscht Hochbetrieb. Hotels und Restaurants mit Blick auf den Sonnenuntergang melden eine außergewöhnlich hohe Nachfrage und bieten vielerorts spezielle Beobachtungsveranstaltungen an.

Die Regierung hat umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt. Mehr als 33.000 Polizisten und Beamte der Guardia Civil sind im Einsatz. Neben dem dichten Verkehr bereitet den Behörden vor allem die hohe Waldbrandgefahr Sorgen. Besucher werden deshalb aufgerufen, nur ausgewiesene Beobachtungsplätze zu nutzen und in Waldgebieten äußerste Vorsicht walten zu lassen. 

Wann und wo ist die Sonnenfinsternis in Deutschland zu sehen?
In Deutschland ist die partielle Sonnenfinsternis, abhängig vom Standort und vom Zeitpunkt des Sonnenuntergangs, am Mittwochabend ungefähr zwischen 19 und 21 Uhr zu beobachten. Der Höhepunkt, also der Zeitpunkt der stärksten Bedeckung, wird mit leichten Abweichungen je nach Standort gegen 20.15 Uhr erreicht.

Am stärksten verdunkelt ist die Sonne im Südwesten Deutschlands. In der Gegend um Freiburg und am Bodensee werden etwa 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt. Auch im Westen, etwa in Aachen, sind die Beobachtungsbedingungen günstig, weil die Sonne dort zum Zeitpunkt der maximalen Verdunkelung noch etwas höher über dem Horizont steht als weiter östlich. In Berlin ist die Sonne gegen 20.10 Uhr maximal zu rund 85 Prozent verdeckt, in Rostock bereits etwa drei Minuten früher.

Dunkelheit hören?

Auch blinde und sehbehinderte Menschen können in Spanien die Sonnenfinsternis erleben. Das Institut für Physik Kantabriens setzt am Mittwoch in Santander dafür „Light Sound“ ein, ein Gerät, das die Veränderungen des Sonnenlichts in Echtzeit in Töne umwandelt und an Kopfhörer überträgt. Man könne damit „Dunkelheit und Licht“ hören, sagte die Forscherin Rosa María Dominguez der Nachrichtenagentur Efe. Das Gerät erzeuge bei Lichteinfall Töne und bleibe bei Dunkelheit stumm.  

Wie sehr verdunkelt sich der Himmel?

Das kommt ganz darauf an: Bei einer partiellen Sonnenfinsternis mit 70 bis 80 Prozent Abdeckung wird es laut Astronomen nicht spürbar dunkel. Wer nicht gezielt mit Schutzbrille an den Himmel schaut, bekommt deshalb oft überhaupt nichts davon mit. Erst ab etwa 85 bis 90 Prozent Abdeckung der Sonne durch den Mond – wie am Mittwochabend in großen Teilen Deutschlands – verändern sich das Tageslicht und die Atmosphäre leicht. 

Droht ein Blackout?

Ein großer Teil des Stroms in Deutschland wird aus Solarenergie erzeugt. Unser Kollege Manfred Lindinger hat mit dem Energieexperten Leonhard Gandhi  gesprochen – der erklärt, wie die Stromnetze für die partielle Sonnenfinsternis vorbereitet werden:

Das Himmelsspektakel als Unheilsbringer

Eine Sonnenfinsternis galt der Menschheit früher traditionell als Zeichen des Unheils. „Die Tatsache, dass jetzt gerade in Kolumbien die Erde gebebt hat, ist sicherlich etwas, was in älteren Texten miteinander verbunden worden wäre“, sagte der Erfurter Religionswissenschaftler Jörg Rüpke am Mittwoch im Deutschlandfunk.

„Erdbeben treten nach diesen Texten sehr häufig im Zusammenhang einer Sonnenfinsternis auf, oft auch schwere Unwetter, Gewitter, ganz starke Regenfälle“, erläuterte der Experte. „Da sieht man auch, wie durch so etwas dann Umweltwahrnehmung sensibilisiert wird und man nach Bestätigung oder Widerlegung seiner Vermutung sucht, dass hier etwas Schreckliches im Anmarsch ist.“ In frühen religiösen Deutungen seien die Himmelskörper Sonne und Mond als Gottheiten gedacht worden.

Eine Sonnenfinsternis wie an diesem Mittwochabend über Europa löse in aller Regel bei den Menschen Angstvorstellungen aus, sagte Rüpke. Die Vorstellungen seien unterschiedlich, aber dann doch auch in den verschiedensten Kulturen wiederum sehr ähnlich. Im antiken Griechenland könne die Forschung das sehr deutlich fassen, schon in Texten aus dem siebten vorchristlichen Jahrhundert. Das Himmelsphänomen sei mit dem Erschrecken derjenigen verbunden, die es beobachteten.

„Die Deutung in dem Fall ist: Zeus, der Gott des Tageslichtes, verdunkelt die Sonne. Es ist ein schlechtes Vorzeichen, wenn der Gott das macht – dann macht er vielleicht auch noch anderes“, so Rüpke.

Untaugliche Brillen in Spanien

Unsicherheit in Spanien: Wenige Stunden vor Beginn der totalen Sonnenfinsternis haben die Behörden ein siebtes Modell der Schutzbrillen für untauglich erklärt. Es könnte möglicherweise die Augen schädigen. Betroffen waren zuvor schon Produkte der Marken Lionstar, ECP Eye Care Professional, Pelispan, Homanaje, Orro und Opticalia. Nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation FACUA ist der Schutzfilter zu dunkel. Deshalb bestehe die Gefahr, dass die Träger sie kurz abnehmen, um sie nachzujustieren und ihre Augen dabei ungeschützt der Sonne aussetzen. Zugelassen sind nur Brillen, die der Norm ISO 12312-2 entsprechen und das CE-Kennzeichen haben. Normale Sonnenbrillen oder selbstgebastelte Filter reichen nicht aus.

In Andalusien brennt es weiter

In Andalusien verdunkeln auch am Mittwoch braune Rauchwolken den Himmel, die zeitweise bis nach Sevilla zu sehen waren. Der große Waldbrand in der Provinz Huelva hat schon mehr als 25.000 Hektar erfasst. Erst langsam bekommen ihn die Einsatzkräfte in Griff. Andalusien liegt dieses Mal außerhalb des Kernschattens, der über die Landesmitte bis nach Mallorca zieht. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird dafür im August 2027 besonders gut aus Andalusien zu beobachten sein. 

So bitte nicht! 

Die älteren Kollegen unter uns haben die Anleitung zum Bau einer Lochkamera nicht auf Anhieb verstanden.

ZDF zeigt Sonnenfinsternis live

Für die Sonnenfinsternis ändert das ZDF sein Primetime-Programm: Die um 20.15 Uhr beginnende Ausgabe der Trödelshow „Bares für Rares XXL“ wird bei guten Witterungsbedingungen gegen 20.25 Uhr für rund zehn Minuten unterbrochen. Der Sender zeigt dann live die totale Sonnenfinsternis über Mallorca. 

Etwas früher und ausführlicher können Zuschauer das Ereignis bei 3Sat verfolgen. Dort beginnt um 20.15 Uhr die Spezialausgabe „Terra X: Harald Lesch“, ebenso auf dem YouTube-Kanal „Terra X Lesch & Co“. 

Der Astrophysiker begleitet die Finsternis gemeinsam mit Jasmina Neudecker direkt von Mallorca aus. Dabei seien auch „prominente Gäste“, kündigte das ZDF an. Im Netz kann man noch etwas früher dabei sein: Ab 20.00 Uhr im ZDF-Streaming unter sonnenfinsternis.zdf.de

Himmel über Iberischer Halbinsel ebenfalls klar

Der staatliche Wetterdienst sagte am Mittwoch in seinem letzten Update für Spanien einen „größtenteils klaren“ Himmel voraus. Einige tiefe Wolken könnten jedoch die Beobachtung der Sonnenfinsternis im Norden in küstennahen Gebieten Galiciens, Asturiens und Kantabriens behindern. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Himmel über weiten Teilen der Iberischen Halbinsel, einschließlich der Totalitätszone, größtenteils klar sein wird“, sagte ein Aemet-Sprecher. Der Tag werde „sehr heiß“ sein und es bestehe ein „sehr hohes bis extremes“ Waldbrandrisiko. In den Gebirgszügen von Albacete, Murcia, Granada und Almería könnte es vereinzelt zu starken Gewittern mit Hagel kommen. Auch im nördlichen Katalonien, in der Region von Valencia und Murcia könnten hohe Wolken durchziehen, die die Sicht voraussichtlich nicht zu stark beeinträchtigen werden.

„Fast überall optimale Wetterbedingungen zum Beobachten"

Bei der Sonnenfinsternis und den Sternschnuppen, die etwas später folgen sollen, bleibt der Himmel in weiten Teilen Deutschlands meist klar. Wenn am Abend die partielle Sonnenfinsternis über Deutschland anstehe, „herrschen zu dieser Zeit fast überall optimale Wetterbedingungen zum Beobachten“, sagt Meteorologe Markus Übel vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. 

Lediglich im Norden würden ein paar Wolken durchziehen, „wobei auch dort die Bedingungen zum Beobachten der Finsternis recht gut, wenn auch nicht ganz ungestört sein sollten“. 

Die letzte totale Sonnenfinsternis in Europa fand am 11. August 1999 statt. Um die Mittagszeit drängten sich die Menschen im Münchner Olympiapark, auf Hausbergen und auf den Londoner Themse-Brücken. In Frankreich löste eine Schutzbrillen-Knappheit eine kleine Regierungskrise aus. Das berichtete die F.A.Z. in ihrer Ausgabe vom 12. August 1999. Damals wurde die Sonnenfinsternis vielerorts mit Sekt und Feuerwerk gefeiert – auch wenn Wolken oft die Sicht verbauten. Manchmal, so wie in München, kam leider noch Regen hinzu:

„Als es richtig goss und nichts als Regenfinsternis herrschte, erschien als Retter in der Not das Fernsehen. Alle sahen eine totale Sonnenfinsternis, wenn auch nur auf der Leinwand. Und wie zum Hohn stand darunter: „Live vom Chiemsee."“

Auch in Frankfurt sind Sonnenfinsternis-Brillen weitgehend ausverkauft. Redaktionsmitglieder versuchten bisher erfolglos, ein Exemplar zu ergattern. Optiker weisen mit Zetteln im Eingangsbereich, teilweise handgeschrieben, darauf hin, dass man bei ihnen keine Exemplare (mehr) bekommt:

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