„Loyalitätsverschiebungen": 30 Jahre später melden sich neue Zeugen zum „Bierkönig“-Mord

Nach dem Mord an „Bierkönig“-Betreiber Manfred Meisel auf Mallorca gibt es neue Spuren. Nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ gingen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt zahlreiche Hinweise ein.

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„Loyalitätsverschiebungen": 30 Jahre später melden sich neue Zeugen zum „Bierkönig“-Mord

Stand: 08.10.2026, 21:03 Uhr

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Der Frankfurter Gastronom Manfred Meisel gründete in den 1990er Jahren den Bierkönig auf Mallorca.

Der Frankfurter Gastronom Manfred Meisel übernahm in den 1990er Jahren den Bierkönig auf Mallorca. © IMAGO/Hanno Bode

Nach dem Mord an „Bierkönig“-Betreiber Manfred Meisel auf Mallorca gibt es neue Spuren. Nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ gingen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt zahlreiche Hinweise ein.

Frankfurt/Palma de Mallorca – Fast drei Jahrzehnte nach einem der spektakulärsten ungelösten Kriminalfälle der Baleareninsel kommt überraschend Bewegung in die Ermittlungen. Nach der Ausstrahlung der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY… International“ am Mittwochabend, 7. Oktober, verzeichnet die Staatsanwaltschaft Frankfurt eine Vielzahl neuer Hinweise zum Mord an Manfred Meisel, dem Betreiber des legendären Ballermann-Lokals „Bierkönig“.

Bis Mitternacht seien deutlich mehr als 50 Hinweise eingegangen, teilte ein Sprecher der Frankfurter Ermittlungsbehörde mit. Besonders bemerkenswert: Ein Teil der Rückmeldungen stammt direkt aus dem damaligen unmittelbaren Umfeld des Gastronomen.

Hinweise zum Mord an „Bierkönig“ Manfred Meisel nach ZDF-Sendung

„Es deutet sich an, dass es bei Zeugen möglicherweise Loyalitätsverschiebungen gegeben hat und nunmehr Bereitschaft besteht, weitere Aussagen zu tätigen“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Aus ermittlungstaktischen Gründen wurden zunächst keine weiteren Details zu den eingegangenen Hinweisen und konkreten Aussagen genannt.

Die Ausstrahlung im ZDF unter Moderation von Rudi Cerne, die auch im Schweizer Fernsehen übertragen wurde, sollte gezielt neue Zeugen ansprechen. Der Fall Meisel war Teil einer Eurovisions-Sonderausgabe, die grenzüberschreitende Kriminalfälle neu aufrollte.

Gezielte Schüsse auf der Finca: Drei Menschen starben

Das Verbrechen ereignete sich in der Nacht zum 12. November 1997 auf Meisels Finca im mallorquinischen Ort S‘Aranjassa. Der Gastronom, sein erst achtjähriger Sohn Patrick sowie die Tierpflegerin und Haushälterin Claudia Leisten wurden mit gezielten Kopfschüssen getötet. Nach Angaben der Ermittler gingen der oder die Täter hochprofessionell vor. Meisels hochschwangere Ehefrau befand sich zum Tatzeitpunkt für einen Arztbesuch in Frankfurt; ein Verdacht gegen sie wurde von den Ermittlern rasch ausgeräumt.

Der ehemalige Frankfurter Gastronom Manfred Meisel war 1990 nach El Arenal gekommen und hatte den zwei Jahre zuvor gegründeten „Bierkönig“ übernommen. Mit seinem Konzept aus Bier, Bratwurst und Schlagermusik machte er die Location zu einem der prägendsten Party-Hotspots am Ballermann – eine Geschichte, die 2023 auch in der Amazon-Prime-Dokumentation „Der Bierkönig – Tod am Ballermann“ detailliert nachgezeichnet wurde.

Spekulationen um Motive: Vogelzucht, Rocker und Schutzgeld

Die Motive für die Tat blieben über Jahrzehnte rätselhaft. Im Raum standen über die Jahre hinweg mehrere Ermittlungstheorien:

  • Rivalitäten um seltene Vögel: Meisel betrieb neben der Gastronomie eine lukrative und wertvolle Papageienzucht. Ermittler prüften wiederholt Verbindungen zur organisierten Kriminalität, genauer gesagt der sogenannten „Papageien-Mafia“.
  • Konflikte im Gastronomiegewerbe & Rockerszene: Neid und Missgunst in der boomenden Party-Szene sowie mögliche Verstrickungen mit Rockergruppierungen (Hells Angels) wurden untersucht.
  • Eskalierter Raub: Auch ein aus dem Ruder gelaufener Einbruch galt zeitweise als mögliches Szenario.

In Spanien ist der Mordfall juristisch bereits abgeschlossen: Nach spanischem Recht trat 2017 – 20 Jahre nach der Tat – die Verjährung ein. Die spanischen Behörden dürfen seither nur noch im Rahmen von Rechtshilfeersuchen der deutschen Justiz tätig werden.

Da Manfred Meisel deutscher Staatsbürger war und vor seinem Umzug nach Mallorca seinen Wohnsitz in Frankfurt hatte, führt die Frankfurter Staatsanwaltschaft die Mordermittlungen seit 1997 parallel weiter. Für Tötungsdelikte wie Mord gilt nach deutschem Strafrecht keine Verjährung.