Luxemburger Erfindungen: Henri Tudor: Der Luxemburger, der die Nacht zum Tag machte

Wer hätte das gedacht? Dass wir heute nicht im Dunkeln sitzen, verdanken wir dem Luxemburger Henri Tudor: Er erfand den ersten Bleiakkumulator – und die erste elektrische Straßenbeleuchtung.

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Luxemburger Erfindungen: Henri Tudor: Der Luxemburger, der die Nacht zum Tag machte

Luxemburger Erfindungen Henri Tudor: Der Luxemburger, der die Nacht zum Tag machte

Rosport · Wer hätte das gedacht? Dass wir heute nicht im Dunkeln sitzen, verdanken wir dem Luxemburger Henri Tudor: Er erfand den ersten Bleiakkumulator – und die erste elektrische Straßenbeleuchtung.

15.09.2026 , 13:25 Uhr

 Oberhalb des Ortes Rosport ist das einstige Tudor-Schloss gelegen. Darin befindet sich nicht nur das interaktive Elektrizitäts-Museum, sondern auch die Gemeindeverwaltung von Rosport.

Oberhalb des Ortes Rosport ist das einstige Tudor-Schloss gelegen. Darin befindet sich nicht nur das interaktive Elektrizitäts-Museum, sondern auch die Gemeindeverwaltung von Rosport.

Foto: TV/Commune de Rosport

Mit eigener Muskelkraft Strom erzeugen? Klingt simpel – ist es aber nicht. Im interaktiven Musée Henri Tudor im luxemburgischen Rosport lässt sich das schweißtreibend ausprobieren. Wer sich aufs Fahrrad schwingt und sieben Glühlampen zum Leuchten bringen will, merkt schnell: Elektrizität kommt nicht einfach aus der Steckdose.

Ein Luxemburger Tüftler, der in der Eifel geboren wird

Wo für uns Smartphones und Elektroautos heute selbstverständlich sind, steckt in den Ursprüngen der gewiefte Tüftler und Elektrizitäts-Fan Henri Owen Tudor dahinter. Und ohne ihn und seine Errungenschaften wären wir heute um einiges an Komfort ärmer. In seinem für ihn erbauten Schloss zeigt das aktuelle Tudor-Museum die Stationen von der Petroleumlampe bis zu Akkus. Es knistert, leuchtet und kurbelt.

Im Mittelpunkt steht Henri Owen Tudor, eigentlich ein gebürtiger Eifeler Jung. Als er am 30. September 1859 auf dem Diesburger Hof bei Ferschweiler (Eifelkreis Bitburg-Prüm) geboren wird, stehen ihm alle Karrierewege offen: Notar oder Agrarökonom – er könnte einen renommierten Job haben. Immerhin ist sein Vater John Thomas Tudor walisischer Adeliger, aus dessen Geschlecht Königinnen und Könige wie Henri VII., VIII. und Elizabeth I. stammen. Der Agrarfachmann kommt in die Region, heiratet die wohlhabende Rosporterin Marie Loser und verwaltet das Familienanwesen Irminenhof an der Sauer.

So genießt der jüngste Familienspross Henri eine kostspielige Ausbildung und alle finanziellen Freiheiten, seinem Faible für das neue Phänomen Elektrizität nachzugehen. Auch bietet das elterliche Anwesen Tudor den perfekten Raum, um seine revolutionären Experimente umzusetzen: die Wassermühle. Er tüftelt und experimentiert, sowohl mit seinem Bruder Hubert als auch mit seinem Trierer Cousin Nikolaus Schalkenbach („Dän elektrijen Nikela“).

 Das Museum in Rosport führt die Besucher nicht nur in die Familien- und Zeitgeschichte ein, sondern bietet an Mitmachstationen auch die Gelegenheit, selbst Experimente anzustoßen.

Das Museum in Rosport führt die Besucher nicht nur in die Familien- und Zeitgeschichte ein, sondern bietet an Mitmachstationen auch die Gelegenheit, selbst Experimente anzustoßen.

Foto: TV/Musée Tudor

1881 schließt Tudor einen Generator an das Mühlrad an. Der Strom schwankt jedoch und reicht nicht immer aus. Also koppelt er einen selbst entwickelten Akkumulator in den Stromkreis. 1882 leuchtet das Elternhaus dauerhaft – eines der ersten Privathäuser Europas mit elektrischer Beleuchtung. Tudor hat Wasserkraft, Speicher und Edisons Glühlampen zu einem funktionierenden System verbunden.

Wie Echternach zur ersten Stadt mit elektrischer Straßenbeleuchtung wird

Er löst damit auch das Problem bisheriger Batterien: Er liefert gleichmäßig Strom ohne Kurzschlüsse, die Batterie kann über Nacht geladen werden, und alles ist längere Zeit haltbar.

Der große Durchbruch kommt 1886 in Echternach. Tudor überzeugt die Stadt, Petroleumlampen durch elektrische Straßenlaternen zu ersetzen. Bald versorgt sein System auch alle Häuser und Fabriken als erste Stadt im ganzen Land. Echternach wird zum Lichtermeer und macht den Erfinder über Luxemburg hinaus bekannt.

Während Edison in Paris auf einen riesigen Generator setzt, ist Tudor vom wiederaufladbaren Speicher überzeugt. So wird Strom planbarer und transportabler. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Wer heute in sein Auto steigt und den Schlüssel im Zündschloss umdreht, benutzt jedes Mal eine luxemburgische Erfindung: Tudors Bleiakku in der Autobatterie.

Die Erfindung mündet später in ein Unternehmen: die Accumulatoren-Fabrik Tudor’scher Systeme Büsche & Müller, kurz AFA. Er selbst bringt sich mit seinen Ideen ein, ist aber nicht aktiv an der Produktion beteiligt. AFA produziert Akkumulatoren, Stromzähler und Messinstrumente für Straßenbahnen bis nach Südeuropa. Später wird daraus die Firma Varta.

Tudor ist seiner Zeit vielfach voraus – auch auf der Straße. Denn Elektromobilität ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Er selbst fährt bereits ein E-Auto. Schnittig ist es offensichtlich nicht, es setzt sich gegen Verbrennungsmotoren nicht durch. Trotzdem: Der 1900 in Paris vorgestellte erste Porsche ist offenbar ein Elektroauto und trägt das Tudorsche Wappen auf dem Akku.

Tudors bahnbrechende Erfindung wird ihm später zum Verhängnis

Henri Tudor ist nicht nur Tüftler, sondern auch Unternehmer, Schlossherr und Familienmensch. Er gründet mehrere Unternehmen mit in Spitzenzeiten bis zu 25.000 Beschäftigten, baut seiner Familie ein Schloss mit Park, Büro und Labor. Er jagt und fischt und gilt als lokaler Wohltäter. Doch seine Arbeit mit Blei gefährdet seine Gesundheit; Tudor stirbt 1928 an den Folgen einer Bleivergiftung.

Seine Idee lebt bis heute weiter: Ohne leistungsfähige Akkus wären Smartphones, Akkuschrauber und E-Autos nicht denkbar. Das für Henri Tudor in Rosport liebevoll eingerichtete Museum zeigt, wie aus einer Wassermühle ein Versuchslabor wird und sein Akku Städte veränderte. Wer im Versuch selbst sieben Lampen erradelt hat, versteht das besonders gut. Strom ist unsichtbar, aber nicht mühelos.