Manuel Neuer patzt, kassiert 20 Millionen Euro und steht Jonas Urbig im Weg
Was ist der richtige Moment, zu gehen? Diese Frage müssen sich Fußballer stellen, wenn das Alter sie erreicht, die größten Momente ihrer Karriere hinter ihnen liegen. „Verlasse den Fußball, bevor der Fußball di...
- 5 min read
Was ist der richtige Moment, zu gehen? Diese Frage müssen sich Fußballer stellen, wenn das Alter sie erreicht, die größten Momente ihrer Karriere hinter ihnen liegen. „Verlasse den Fußball, bevor der Fußball dich verlässt“, sagte einst Jamie Carragher. Der Brite bezog es auf seine eigene Karriere, riet es aber auch alternden Profis. Man solle aufhören, bevor die Leistungen so stark abnehmen, dass man vielleicht gar keine Wahl mehr hat.
Toni Kroos hat es so gemacht. Er gewann in seinem letzten Spiel für Real Madrid die Champions League, absolvierte noch die Heim-EM, war Teil der Neuauflage des „Sommermärchens“ vor zwei Jahren und beendete dann seine Karriere. Philipp Lahm hatte es ähnlich gemacht. „Ich versuche jeden Tag, das Beste zu geben, im Training und im Spiel. Ich will ein Vorbild für die Jungen sein. Ich denke, dass ich das bis zum Ende der Saison schaffe, aber nicht darüber hinaus“, erklärte er im Februar 2017. Damals war er 33 Jahre alt.
Neuer macht's wie Ronaldo
Die andere Variante zeigt derzeit Cristiano Ronaldo. Der hat sich jüngst prominent mit seinem Nationaltrainer gestritten und anschließend das portugiesische Nationalteam verlassen. Mit 41 Jahren kommt er nicht mehr an die Leistungen herankommt, die er einst im Trikot von Real Madrid aufs Feld zauberte. Selbst aber sagt er: „Die Leute wissen die Form, in der ich bin, und meine Tore nicht zu schätzen.“
In letztere Kategorie gehört derzeit wohl auch Manuel Neuer. Der ist ebenfalls 41 Jahre alt und kommt nicht mehr an die Leistungen heran, die ihn einst zum besten Torwart der Welt machten. So richtig zugeben wollen das viele nicht. „Es gibt gute oder schlechte Torhüter, aber keine alten. Manuel ist immer noch ein sehr guter“, sagte etwa Bayern-Legende Sepp Maier bei „Absolut Fußball“.
Pannen-Manu schreibt ungewollte Bundesliga-Geschichte
Grund zur Diskussion über den Keeper hatte es gegeben, weil Neuer am vergangenen Wochenende durch einen Fehlpass nach wenigen Sekunden gegen den FC Augsburg nicht nur das Gegentor verschuldete, sondern ungewollt das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte kassierte. „Mein Gott, der Manuel hat sich nicht konzentriert, das passiert. Das war leichtsinnig und das weiß er. Aber so ein Theater, nur weil er ein gewisses Alter erreicht hat? Das ist doch ein Schmarrn!“, sagte zwar Maier.
Doch es war nicht der erste Treffer dieser Art, den die Bayern in jüngerer Vergangenheit hinnehmen mussten. Betrachtet man die Statistiken, findet man heraus, dass Neuer in der vergangenen Saison sieben Tore durch eigene Fehler verursacht hat – mehr als alle anderen Bundesligaprofis.
Die Fehler von Neuer häufen sich.
© IMAGO/Pressefoto ULMER / Markus Ulmer
Besonders in Erinnerung bleibt auch das Rückspiel der Bayern im Viertelfinale gegen Real Madrid. Im Hinspiel hatte Neuer noch geglänzt, so stark gespielt, dass Julian Nagelsmann diese Partie ein paar Wochen später als Grund anführte, Neuer zurück in die Nationalmannschaft zu holen und Oliver Baumann für die WM auszusortieren.
Doch das Rückspiel hatte der damalige Bundestrainer offenbar nicht gesehen. Die knappe Führung aus dem Hinspiel schenkte Neuer da nämlich in der ersten Spielminute durch einen Fehlpass her, den Arda Güler zum Ausgleich nutzte. Der traf später auch noch durch einen haltbaren Freistoß zum zweiten Mal. Bayern kam trotz der Neuer-Fehler weiter, weil die Offensive um Harry Kane und Michael Olise die Kohlen aus dem Feuer holte.
Neuer hatte, wie er selbst sagte, schon darüber nachgedacht, seine Karriere im vergangenen Sommer zu beenden. „Ich hätte vielleicht in 85 Prozent der Fälle aufgehört, aber in dieser Mannschaft und mit dem Staff und Trainerteam macht es einfach Spaß“, erklärte er im Sommer, warum er noch (mindestens) ein Jahr dranhing.
Doch diese Mannschaft hätte vielleicht noch mehr Spaß, wenn sie einen Torwart hätte, der nicht seine Konstanz verloren hätte, der oft verletzt ausfällt und wieder reinkommen muss, und der auf einzelne Topspiele eben solche wie jene fehlerhaften gegen Real Madrid oder den FC Augsburg folgen lässt. Und der trotz abbauender Leistungen noch immer einer der Top-Verdiener beim FC Bayern ist, etwa 20 Millionen Euro pro Jahr bezieht.
Jonas Urbig steht längst in den Startlöchern
Geld, das der FC Bayern Manuel Neuer zahlt, während der die Entwicklung seines Nachfolgers ausbremst. Jonas Urbig scheint längst bereit zu sein, in Neuers Fußstapfen zu treten. Bei seinen zwei Auftritten für den DFB kristallisierte er sich bereits als wohl künftige Nummer eins unter Jürgen Klopp heraus. Das einzige Problem bei der Sache ist, dass er sich beim FC Bayern weiterhin hinter Neuer anstellen muss. „Manu ist unsere Nummer eins und wird es auch bleiben“, bekräftigte Bayerns Sportvorstand Max Eberl nach dem Augsburg-Patzer.
Tennis
Alexander Zverev wird Nummer eins der Tennis-Weltrangliste – das gelang Boris Becker zum Jahresende nie
Jonas Urbig soll zwar vereinzelt zu Einsätzen kommen, am Dienstag vertritt er Neuer in der Champions League, doch er muss seine Entwicklung weiter hinter dem „Spaß“, den Neuer noch hat, anstellen. Das ist nicht nur für ihn von Nachteil, sondern auch für den FC Bayern, dem Urbig, wenn er spielte, immer ein sicherer Rückhalt war.
Auch den DFB betrifft das Problem. Urbig ist zwar der beste Kandidat für den Posten, steht Neuer auch im Spielaufbau in nichts nach, doch Klopp wird wohl kaum jemanden zur Nummer eins erklären, der im Verein nur die zweite Wahl ist. Hinter jemandem, den der Fußball langsam verlässt.
Lesen Sie mehr zum Thema