Marianne Koch: „Ich erfuhr erst mit zwölf, wer mein Vater ist.“

tzMünchenStadtStand: 13.08.2026, 18:07 UhrKommentareUns auf Google folgenFeiert am 19. August ihren 95. Geburtstag: Moderatorin Marianne Koch. © MARTIN_HANGEN Martin HangenZum 95. Geburtstag: Moderatorin Marian...

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Marianne Koch: „Ich erfuhr erst mit zwölf, wer mein Vater ist.“

Stand: 13.08.2026, 18:07 Uhr

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Marianne Koch im Jahr 2025

Feiert am 19. August ihren 95. Geburtstag: Moderatorin Marianne Koch. © MARTIN_HANGEN Martin Hangen

Zum 95. Geburtstag: Moderatorin Marianne Koch blickt zurück und lüftet Geheimnis

Er war ihr schon in der Abflughalle aufgefallen. Als der gut aussehende Mann sich dann im Flugzeug zwei Sitze neben sie setzen wollte, tat Marianne Koch etwas, das ihrem sonst so zurückhaltenden Wesen nicht entsprach: „Ich forderte ihn auf, dass er doch neben mir Platz nehmen sollte.“

Im Dezember 1973 begann so eine fast fünfzig Jahre lange, intensive und glückliche Beziehung. Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe mit dem Arzt Dr. Gerhard Freund, mit dem sie die Söhne Thomas und Gregor bekam, zog sie nach Tutzing am Starnberger See, wo sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem hübschen Kerl aus dem Flugzeug, Schriftsteller und BR-Kulturredakteur Peter Hamm, wohnte und immer noch lebt. Hamm starb am 22. Juli 2019.

Marianne Koch mit ihrer großen Liebe Peter Hamm.

Marianne Koch mit ihrer großen Liebe Peter Hamm im Jahr 2001. © Marianne Koch (privat)

Ihre große Liebe ist in Kochs Leben immer präsent. Vor allem an den magischen Moment, als sie ihn kennenlernte, erinnert sie sich gerade jetzt, wenige Tage vor ihrem 95. Geburtstag am 19. August, gern. „Ich vermisse meinen Mann jeden Tag“, sagt Marianne Koch. „Mag sein, dass das Älterwerden Gelassenheit schenkt, doch das Traurige ist, dass man die Liebsten und viele Freunde verliert.“ Das Leben war großzügig zu Marianne Koch.

Mit 40 schmiss sie die Filmkarriere hin und wurde Ärztin

Es hat ihr viele Freunde geschenkt und viele Chancen geboten. Und sie hat mit viel Fleiß etwas daraus gemacht. Eine Hollywoodkarriere, ein Medizinstudium mit Bestnote, sie war eine der ersten Moderatorinnen der Kultsendung „3 nach 9“ und natürlich Ärztin aus Leidenschaft. „Die sprechende Medizin habe ich tatsächlich von den Patienten gelernt, sie haben mir beigebracht, dass man besser von Herzmuskelentzündung als von Myokarditis spricht“, erzählt sie. Im BR-Gesundheitsgespräch auf Radio Bayern 2 etablierte sie die sprechende Medizin und nutzte Worte als Heilmittel: „Wenn Patienten ihre Krankheiten verstehen, fühlen sie sich nicht mehr so machtlos.“ Erst mit 94 Jahren hörte sie dort als Moderatorin auf.

Als junge Frau besuchte sie ihren Vater in den USA

Dann schrieb sie ihre Lebenserinnerungen auf, die nun im dtv-Verlag erscheinen. In „Mutig sein“, so der Titel, blickt Marianne Koch zurück auf ihr erfülltes Leben – und lüftet ein Familiengeheimnis: Mit zwölf Jahren erfuhr sie, wer ihr leiblicher Vater war: ein jüdischer Arzt, der 1934 aus Nazi-Deutschland flüchtete. Als Marianne zwei Jahre alt war, hielt Rudolf Schindler, so sein Name, seine Tochter zum letzten Mal auf dem Arm. Dann rettete er sich in die USA – und machte in Chicago als Universitätsprofessor Karriere. Rudolf Schindler ist der Erfinder des flexiblen Gastroskops. Diese bis heute angewendete Technik machte Magen- und Darmspiegelungen, so wie sie auch heute noch durchgeführt werden, erst möglich.

Weil sie damals noch ein Kleinkind war, hat Marianne Koch kaum Erinnerungen an ihren Vater. Über ihre Mutter sagt sie: „Ich habe spät begriffen, was für eine außergewöhnliche Frau sie war.“ Eine Frau, die in den 1930er-Jahren unverheiratet mit einem verheirateten Mann (denn das war Schindler) zwei Kinder bekam – Marianne und ihren Bruder Rudolf.

Marianne Koch mit ihrem Ziehvater Rudolf Koch.

Gutes Verhältnis: Koch und ihr Ziehvater Rudolf Koch. © Marianne Koch (privat)

Großgezogen hat sie beide mit dem Kaufmann Rudolf Koch, Mariannes Stiefvater, durch den sie zu ihrem Nachnamen kam. Das Verhältnis war liebevoll. Nach Kriegsende kamen Care-Pakete nach München. Abgesendet hatte sie Rudolf Schindler – dass er ihr Vater war, erfuhr sie aber erst später. „Meine Mutter hat es mir erzählt, als ich zwölf Jahre alt war“, erinnert sich Marianne Koch. Als junge Frau besuchte sie ihren Vater dann in den USA.

Maria Koch und Rudolf Schindler vereint.

Am Ende vereint: Kochs Mutter Marie und ihr leiblicher Vater Rudolf Schindler lebten zum Schluss in Geiselgasteig. © Marianne Koch (privat)

Später, als seine Frau starb, kam ihr Vater nach München zurück und verbrachte seinen Lebensabend mit ihrer Mutter in deren Haus in Geiselgasteig. „Groll hatte er keinen, man spürte, wie glücklich er war, wieder mit meiner Mutter vereint zu sein.“ Und zu sehen, wie seine Tochter beim Film Karriere machte.

Dass sie dann ihr Medizinstudium doch noch beendete, erlebte er nicht mehr. Schon als Kind hatte Koch gerne Ärztin gespielt – ohne zu wissen, dass sie die Tochter eines weltberühmten Arztes war.

Marianne Koch spielt als Kind gerne Ärztin, ihr Bruder Rudolf musste in die Rolle des Patienten schlüpfen.

Marianne Koch spielt als Kind gerne Ärztin, ihr Bruder Rudolf musste in die Rolle des Patienten schlüpfen. © Marianne Koch (privat)

Filmkarriere in den 50er- bis 70er-Jahren

Marianne Koch mit Clint Eastwood in „Eine Handvoll Dollar“

Marianne Koch mit Clint Eastwood in „Eine Handvoll Dollar“ © privat

Mehr durch Zufall wurde Marianne Koch als 19-jährige Medizinstudentin für den Film entdeckt: Bis 1970 spielte sie in rund 70 deutschen und internationalen Filmen mit. 1964 erlangte sie an der Seite von Clint Eastwood in dem Italo-Western „Für eine Handvoll Dollar“ (Foto privat) von Sergio Leone weltweite Bekanntheit. 1971 schmiss sie ihre Filmkarriere hin und beendete ihr Medizinstudium mit Bestnote. Später moderierte sie beim BR die Sendung „Das Gesundheitsgespräch“.

Das Buch

Mutig sein! Erinnerungen an 95 abenteuerliche Jahre von Marianne Koch erscheint am 13. August 2026 beim dtv Verlag