Sylt-Bahn: Jetzt wächst der Druck auf Berlin
Schleswig-Holstein Marschbahn-Ausbau: „Hamburg-Sylt ist nicht irgendeine Nebenstrecke“ Der Marschbahn-Zug zwischen Hamburg und Sylt picture alliance/dpa | Frank Molter ...
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Schleswig-Holstein
Marschbahn-Ausbau: „Hamburg-Sylt ist nicht irgendeine Nebenstrecke“
Für Anlieger auf Sylt ist die Bahnverbindung zentral, doch der Ausbau bisher nicht finanziell gesichert. Ein Bündnis schrieb nun dem Bundesverkehrsminister
Ein Bündnis aus Politik und Wirtschaft von der schleswig-holsteinischen Westküste fordert vom Bundesverkehrsminister, den zweigleisigen Ausbau der Marschbahn zwischen Sylt und Hamburg vorrangig voranzutreiben. „Die Marschbahn ist keine beliebige Nebenstrecke, sondern das wirtschaftliche und soziale Rückgrat einer gesamten Region“, heißt es in dem Brief an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Dass die eingleisigen Abschnitte schon bei kleinsten Störungen das gesamte System lahmlegen, sei untragbar.
Unterschrieben wurde der Brief von den Landräten der Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg sowie sieben Bundes- und Landtagsabgeordneten und weiteren Vertretern der Wirtschaft, wie etwa dem Verein Sylter Unternehmer. Darin fordern sie für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Sylt und Hamburg einen konkreten Finanzierungspfad im Bundeshaushalt 2027.
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Ende Mai hatte der Bundestag für drei Schienenverkehrsprojekte die Signale auf Grün gestellt. So stimmten die Abgeordneten am Abend neben dem Ausbau der überlasteten Sylt-Anbindung auch für die Neubaustrecke von Dresden in Richtung Prag und den teilweisen Neubau der Bahnverbindung zwischen Ulm und Augsburg. Mit der Parlamentsentscheidung ist der Weg für die konkrete Detailplanung geebnet. Bis zum Beginn der Bauarbeiten dürften aber noch einige Jahre vergehen – zumal die staatliche Finanzierung bislang nicht gesichert ist.
Weitere Forderungen des Bündnisses
Laut dem Brief steigen die Mittel für den Neu- und Ausbau der Schienenwege auf mehr als 2,2 Milliarden Euro. Dieser Aufwuchs schafft den finanziellen Spielraum, um den Investitionsbedarf der Marschbahn von rund 426 Millionen Euro einschließlich Sicherheitspuffer in den kommenden Jahren verbindlich abzusichern.
Überdies müssten die verbleibenden Planungen binnen drei Jahren abgeschlossen werden. Das Bündnis erwartet vom Ministerium, dass es alle „administrativen Stellschrauben“ nutzt, um Umplanungen und Verzögerungen beim Eisenbahn-Bundesamt zu verhindern. Auch Doppelprüfungen von Gleisen müssten vermieden werden. In den weiteren Planungen für den zweigleisigen Ausbau müsse auch die Elektrifizierung der Marschbahn mitgedacht und verankert werden, hieß es.
Schließlich forderten die Unterzeichner des Briefes auch die Planungen für ein 3. und 4. Gleis zwischen Pinneberg und Elmshorn – vorzugsweise für Regionalbahnen – und den Umbau des Knotenpunktes Elmshorn (Kreis Pinneberg) prioritär voranzutreiben. „Erst die Auflösung dieses Nadelöhrs stellt sicher, dass die Kapazitätsgewinne aus dem Norden nicht kurz vor Hamburg im Stau verpuffen“, schrieben sie.
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Nach dem Willen der schleswig-holsteinischen Landesregierung sollen hingegen künftig S-Bahnen im Zehn-Minuten-Takt zwischen Pinneberg und Elmshorn pendeln. Das sagte Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel am Dienstag bei der Vorstellung eines neuen Gutachtens zum geplanten viergleisigen Ausbau der für Pendelnde wichtigen Bahnstrecke. Für den Ausbau der rund 15 Kilometer langen Bahnstrecke rechnet die Deutsche Bahn (DB) mit Kosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro.
Knapp 20 Kilometer Bahnstrecke
Vor allem der Bahndamm zwischen Niebüll auf dem Festland und Westerland auf Sylt gilt als Lebensader für die Insel – wird aber oft zum Nadelöhr. Tausende Pendlerinnen und Pendler sind für ihren Arbeitsweg auf die Bahn angewiesen. Betriebe auf Sylt stellen wegen der schlechten Erreichbarkeit eine Abwanderung von Fachkräften fest. Auch ein Einbruch der Gästezahlen wird befürchtet.
In der Region wird bereits seit rund 30 Jahren der Bau eines zweiten Gleises gefordert. Der Ausbau der Streckenabschnitte steht bereits im vordringlichen Bedarf des Bundes. Die Gesamtkosten wurden auf mindestens 426 Millionen Euro mit Stand von 2022 geschätzt. (dpa/mp)