Maschinenbauer verlagern Forschung ins Ausland
Vier von zehn Unternehmen entwickeln neue Produkte außerhalb Deutschlands. Nachdem die Produktion ins Ausland verlagert wurde, folgt jetzt die Entwicklung. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer verlagern...
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Vier von zehn Unternehmen entwickeln neue Produkte außerhalb Deutschlands. Nachdem die Produktion ins Ausland verlagert wurde, folgt jetzt die Entwicklung.
Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer verlagern Forschungsaktivitäten zunehmend ins Ausland. 43 Prozent organisieren Forschung und Entwicklung bereits außerhalb Deutschlands, wie eine Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (Vdma) unter 400 Mitgliedsfirmen ergab.
Mehr als zwei Drittel derjenigen, die bereits im Ausland forschen, wollen ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Ausland ausbauen.
Dass Unternehmen mit ihrer Produktentwicklung der Produktion folgen und sich so letztlich auf die neu entstandenen Märkte ausrichten, ist allerdings weder neu noch überraschend.
Nach den Märkten wird jetzt die Produktentwicklung globalisiert
Die Zeiten, als Deutschland Exportweltmeister war und die Produktion hierzulande mit der Herstellung von Waren für den Weltmarkt auslasten konnte, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Vier von zehn der bereits international forschenden Unternehmen erwarten, dass ihr Auslandsanteil in den nächsten fünf Jahren um etwa zehn Prozentpunkte steigen wird.
Weitere knapp 40 Prozent rechnen mit einem noch stärkeren Zuwachs. China und Indien dürften nach Einschätzung des Vdma dabei an Bedeutung gewinnen.
Forschung und Entwicklung im Ausland erfolgt vor allem an internationalen Unternehmensstandorten, insbesondere in China, Indien und den USA. China und Indien dürften weiter an Bedeutung gewinnen, während Deutschland und andere europäische Standorte bestenfalls stagnieren. Falls dieser Trend ungebremst anhält, könnte er schon bald den innovativen Kern der deutschen Industrie gefährden.
Deutschland subventioniert überkommener Technik
Die geplante Kürzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) im Bundeshaushalt 2027 bezeichnet Rauen vor diesem Hintergrund als fatales Signal. Es gibt wohl kein besseres Instrument für die Brückenbildung zwischen Wissenschaft und Industrie. Unter der vorgesehenen Kürzung leiden gerade jene Unternehmen, die noch stark auf den Forschung- und Entwicklungsstandort Deutschland setzen.
Vor dem Hintergrund der staatlichen Entwicklungsförderung auf allen Ebenen durch den chinesischen Staat wäre eine deutsche Innovationspolitik äußerst wichtig, die allerdings noch viel deutlicher auf "Research for Industry" und starke Produktionstechnologien als notwendige Voraussetzung jeglicher Skalierung neuer Technologien setzen müsste.
Um wirtschaftlich erfolgreich und nachhaltig handeln zu können, seien die mittelständischen Unternehmen nicht nur auf die eigene Innovationskraft angewiesen, sondern auch auf staatliche Unterstützung. Vor diesem Hintergrund müssen auch die geplanten Kürzungen Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) im Haushalt 2027 als absolut kontraproduktiv für den Wirtschaftsstandort Deutschland bewertet werden.
Vor dem Hintergrund nur noch begrenzt verfügbarer Haushaltsmittel erachtet das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche neue steuernde Maßnahmen (gemäß Nummer 1.2 der ZIM-Richtlinie) als notwendig. Daher werden seit dem 7. Juli 2026, 12:00 Uhr keine Anträge mehr für Zuschüsse im ZIM angenommen werden. Dies gilt befristet für alle Projektformen sowie Projektskizzen.
Eine Aufhebung der Aussetzung der Antragsannahme wird für Anfang 2027 angestrebt. Ob dies gelingt, ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklung in Deutschland jedoch durchaus ungewiss.
Statt in den Mittelstand zu investieren, der mehr als 90 Prozent der deutschen Wirtschaft ausmacht, will die aktuelle Bundesregierung die Mittel reduzieren, um Steuermittel für öffentlichkeitswirksamere Maßnahmen zur Rettung konventioneller Technik zu beschaffen.
Der VDMA sieht in der aktuellen Entwicklung Alarmsignal für den Industriestandort Deutschland
Die Unternehmen des VDMA gelten bislang mit 190.000 Ingenieuren als wichtigster Wertschöpfungspartner für neue Produkte und Prozesse der deutschen Wirtschaft. Man fordert daher eine unbürokratische Förderung von Forschung und Entwicklung durch die deutsche Politik, statt einer Reduzierung der staatlichen Ausgaben in diesem Bereich.
Bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Innovationsprozess werden China und die USA heute deutlich besser bewertet als Deutschland. Bei der Grundlagenforschung wird Deutschland bislang noch als führend eingeschätzt. Und bislang findet die Grundlagenforschung deutscher Unternehmen nur selten an Forschung- und Entwicklungsstandorten in China, Indien oder den USA statt.
Gerade bei sensiblem Wissen, das über die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheiden könnte, halten Unternehmen ihre Grundlagenforschung bewusst näher am Heimatstandort. Damit das so bleibt und der deutsche Innovationsraum nicht erodiert, sollte Deutschland an allen Stellschrauben seiner Wettbewerbsfähigkeit drehen und auch ungewollten Wissensabfluss aus der Wissenschaft vermeiden.
In Fernost und den USA dominieren jedoch schon heute markt- und produktionsnahe Aufgaben. Forschung und Entwicklung sind damit auch bei deutschen Unternehmen immer näher an den wachsenden Märkten und immer entfernter vom ursprünglichen deutschen Heimatmarkt.