Massengrab vor Athen: Archäologie-Rätsel um die gefesselten Männer gelöst
KI-Stimme. InfoDas 2016 entdeckte Massengrab ist Teil der Phaleron-Grabstätte an der Küste nahe Athen und gibt der Archäologie bis heute Rätsel auf. In dem Grab wurden 79 erwachsene Männer entdeckt, die in drei...
- 3 min read
KI-Stimme. Info
Das 2016 entdeckte Massengrab ist Teil der Phaleron-Grabstätte an der Küste nahe Athen und gibt der Archäologie bis heute Rätsel auf. In dem Grab wurden 79 erwachsene Männer entdeckt, die in drei Reihen angeordnet waren. Die meisten von ihnen waren zum Zeitpunkt ihres Todes noch mit Ketten gefesselt. Eine neue Studie konnte nun ihre geografische Herkunft bestimmen, ohne jedoch eine umfassende Erklärung für die außergewöhnlichen Umstände ihrer Bestattung zu liefern.
Neue Studie klärt die Herkunft der Opfer
Die außergewöhnliche Grabstätte ist seit ihrer Entdeckung Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatten. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Identität der Männer und die Umstände ihres Todes. Als gesichert gilt bislang, dass die Verstorbenen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammen und größtenteils gefesselt in einem Massengrab beigesetzt wurden. Einige Wissenschaftler bringen die Bestattung mit dem Aufstieg der staatlichen Ordnung im frühen Athen in Verbindung. Andere interpretieren die Gruppe als möglichen Hinweis auf politische Konflikte in einer Zeit, in der sich stabile staatliche Strukturen erst herausbildeten.
Auch interessant

Um die geografische Herkunft der Männer genauer zu bestimmen, untersuchte ein Forschungsteam in einer neuen Studie, über die „Archaeology News“ berichtet, die Strontiumisotope im Zahnschmelz von 66 Individuen aus dem Massengrab. Die Wissenschaftler unter Leitung von Julianne R. Stamer von der Arizona State University verglichen die Ergebnisse mit den Überresten von 97 weiteren Menschen, die ebenfalls in Phaleron bestattet wurden, jedoch nicht aus dem Massengrab stammen. Strontium wird während der Zahnbildung im Zahnschmelz eingelagert und spiegelt dabei die geologischen und geochemischen Eigenschaften der jeweiligen Umwelt wider. Dadurch können Isotopenanalysen Hinweise darauf liefern, in welcher Region ein Mensch seine Kindheit verbracht hat.

Die Ergebnisse zeichnen ein überraschend einheitliches Bild. Bei 97 Prozent der Männer aus dem sogenannten „Esplanada“-Massengrab weisen die Isotopenwerte auf eine Kindheit in der Region um Athen hin. Lediglich zwei Individuen stammen demnach aus einer anderen geografischen Region. Ein vergleichbares Ergebnis zeigt sich auch in der untersuchten Vergleichsgruppe aus Phaleron: Dort lassen sich bei 96 Prozent der Individuen Strontiumwerte feststellen, die auf eine Herkunft aus Attika hindeuten.
Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert
Ergebnis liefert Hinweise auf interne Machtkämpfe
Mit der Klärung der geografischen Herkunft der Männer lässt sich zumindest die These eingrenzen, dass es sich um Kämpfer oder zugewanderte Menschen aus entfernten Regionen gehandelt haben könnte. Da die überwiegende Mehrheit offenbar aus dem Raum Athen und Attika stammte, richtet sich der Blick der Forschung nun verstärkt auf mögliche innergesellschaftliche Konflikte. Ungeklärt bleiben jedoch weiterhin der soziale Status und die Identität der Bestatteten. Ihre Rekonstruktion könnte entscheidende Hinweise darauf liefern, weshalb die Männer unter derart ungewöhnlichen und möglicherweise gewaltsamen Umständen beigesetzt wurden.
Auch interessant

Damit gewinnt die Annahme an Gewicht, dass die Bestattung im Zusammenhang mit politischen Unruhen innerhalb Athens stehen könnte. Denkbar ist ein Zusammenhang mit einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Veränderungen, bevor sich Athen endgültig als eine der führenden Stadtstaaten der griechischen Antike etablierte. Mit der Gründung des Attischen Seebundes im Jahr 478 beziehungsweise 477 v. Chr. übernahm Athen die führende Rolle als Anführer und entwickelte das ursprünglich als Bündnis geplante Netzwerk an Stadtstaaten schrittweise zu einem Herrschaftsinstrument, das unter anderem durch Tributzahlungen geprägt war.
Das Schicksal der Männer könnte somit mit Konflikten innerhalb der athenischen Gesellschaft verbunden gewesen sein. Ihre Bestattung fällt in eine Epoche, in der sich politische Machtstrukturen, gesellschaftliche Ordnung und der Umgang mit Bestrafung in Athen grundlegend veränderten.