Mehr als 40 Tiere auf Wiener Parkplatz beschlagnahmt – Verdacht auf illegalen Handel

Die Tiere stammten aus der Ukraine und sollten offenbar ohne Tollwutimpfungen in Europa weitervermittelt werden. Die Behörden prüfen nun, ob es sich um eine Tierschutzaktion oder illegalen Tierhandel handelt

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Mehr als 40 Tiere auf Wiener Parkplatz beschlagnahmt – Verdacht auf illegalen Handel

Donaustadt

Mehr als 40 Tiere auf Wiener Parkplatz beschlagnahmt – Verdacht auf illegalen Handel

Die Tiere stammten aus der Ukraine und sollten offenbar ohne Tollwutimpfungen in Europa weitervermittelt werden. Die Behörden prüfen nun, ob es sich um eine Tierschutzaktion oder illegalen Tierhandel handelt

Birgit Wittstock

Ein Foto zeigt mehrere kleine Hunde in einem Metallkäfig. Im Vordergrund sitzen und liegen helle, langhaarige Hunde eng beieinander. Im Hintergrund sind weitere Käfige mit Hunden zu sehen.
Immer wieder werden Haustiertransporte gestoppt, weil die notwendigen Impfungen und Dokumente fehlen. Wie etwa hier auf dem Bild am Grenzübergang Nickelsdorf, wo ein rumänischer Tiertransporter mit 26 Hunden und acht Katzen angehalten wurde.

Nachts auf einem Parkplatz in der Donaustadt: Ein Mann beobachtet, wie eine Katze aus einem Transporter herausgereicht wird. Ungewöhnlich, wie der Augenzeuge fand. Er rief die Polizei. Und tatsächlich stießen die Beamten wenig später auf etwas, das mehr den Anschein von illegalem Haustierschmuggel hatte, als den von gut organisierter Tieradoption aus einem Krisengebiet: mehr als 40 Hunde und Katzen, die meisten ohne den vorgeschriebenen Impfungen auf dem Weg nach Europa.

Die drei Begleitpersonen – ein Mann und zwei Frauen – legten bei der Kontrolle Dokumente vor, doch wichtige Angaben waren offenbar manipuliert, berichtete das Ö1-Morgenjournal am Samstag über den Fall. Bei mehreren Tieren stimmten insbesondere die Angaben zu den Tollwutimpfungen nicht. Florian Fellinger, Leiter der Abteilung "Zoonosen und Tierarzneimittelverwendung" im Sozialministerium, sagte gegenüber Ö1, bei 14 Tieren – fünf Hunden und neun Katzen – habe man keinen oder nur einen sehr geringen Tollwut-Titer festgestellt. Das deute darauf hin, dass die Tiere gar nicht geimpft worden seien. Damit sei die Gefahr einer Übertragung von Tollwut "wirklich groß".

Rettung als Geschäftmodell

Für die Tiere bedeutet das zunächst: keine Weiterfahrt. Sie wurden ins Tierquartier Wien gebracht und müssen dort drei Monate in Quarantäne bleiben. Der Fahrer des Transporters erklärte, für eine ukrainische Tierschutzorganisation zu arbeiten, die Tiere aus dem Kriegsgebiet rette. Laut dem Bericht sollen weitere 3000 Tieren aus der Ukraine in die EU gebracht werden. Die Begleiter wollten die beschlagnahmten Hunde und Katzen trotz behördlichem Verbot mitnehmen – es gebe ja bereits Käufer. Sie wurden des Geländes verwiesen und auf freiem Fuß angezeigt. Ob sie tatsächlich im Auftrag einer Tierschutzorganisation unterwegs waren oder ob hinter dem Transport ein Fall von illegalem Tierhandel steckt, versuchen die Behörden gemeinsam mit den ukrainischen Stellen zu klären.

Der Fall ist deshalb so heikel, weil zwischen Rettung und Geschäft manchmal nur ein Stück Papier liegt. Grenzüberschreitende Tiervermittlung ist längst ein europäisches Geschäft geworden. Hunde und Katzen werden aus Ländern mit vielen herrenlosen Tieren in Staaten gebracht, in denen Menschen bereit sind, für ein neues Haustier Geld zu bezahlen. Solche Transporte können Teil seriöser Tierschutzarbeit sein. Sie können aber auch die ideale Tarnung für Händler sein, die mit möglichst jungen Tieren möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen wollen.

Tollwutgefahr

Der österreichische Zoll hat 2024 110 geschmuggelte Hunde und 28 Katzen aufgegriffen. 124 dieser Fälle wurden auf dem Landweg entdeckt, in Autos und Transportern; weitere 14 Aufgriffe gab es am Flughafen Wien. In 112 der 138 Fälle handelte es sich nach Angaben des Zolls nicht um Privatpersonen, sondern um kommerzielle Händler. Der Großteil der Tiere stammte aus Südosteuropa, häufig waren es besonders junge Tiere.

Die Zahlen erzählen damit auch eine Geschichte über die Nachfrage. Ein Hund aus dem Ausland, ein Welpe mit einer traurigen Vorgeschichte, dazu ein Foto auf einer Vermittlungsplattform oder in den Sozialen Medien: Das kann wie Tierschutz aussehen und ist es manchmal auch. Doch je größer die Nachfrage nach bestimmten Tieren wird, desto größer wird auch der Markt für jene, die sich nicht an die Regeln halten. Gefälschte Impfbescheinigungen und fehlende Mikrochips sind dabei nicht bloß bürokratische Verstöße. Sie können bedeuten, dass Tiere ohne ausreichenden Schutz vor Krankheiten Grenzen passieren.

Gerade die Tollwut macht den Unterschied zwischen einem Papierproblem und einem Gesundheitsrisiko deutlich. Bei Tieren aus Drittländern müssen – abhängig von den Voraussetzungen – grenztierärztliche oder amtstierärztliche Kontrollen sicherstellen, dass die notwendigen veterinärrechtlichen Dokumente vorhanden sind und die Tiere entsprechend gekennzeichnet und geimpft wurden. Fehlen die Voraussetzungen, können Tiere zurückgewiesen, in Quarantäne genommen oder abgenommen werden. Im vergangenen Jahr wurde in Österreich in 67 Fällen die Abnahme verfügt.

Hohe Strafen

Auch für die Schmuggler kann die Reise teuer werden. Je nach Verstoß drohen Geldstrafen nach dem Finanzstrafrecht, dem Tierseuchen-, Tiertransport- oder Tierschutzrecht. Bei Verstößen gegen das Tierseuchenrecht können bis zu 4360 Euro fällig werden, beim Tiertransport bis zu 5000 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 7500 Euro. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz können ebenfalls mit bis zu 7500 Euro, im Wiederholungsfall mit bis zu 15.000 Euro bestraft werden.

Ein Auto mit mehreren Transportkäfigen im Kofferraum, in denen Hunde transportiert werden. Im Hintergrund sind zwei Personen in reflektierenden Jacken sichtbar, die offenbar mit der Kontrolle des Fahrzeugs beschäftigt sind.
Schutzbedürftige Tiere zu retten ist ein hehres Ziel. Der illegale Handel, der oft unter furchtbaren Bedingungen stattfindet, genau das Gegenteil.

Und dann ist da noch die andere Seite dieses Geschäfts: die Menschen, die ein Tier retten wollen. Die Nachfrage nach Adoptionen aus dem Ausland ist in Europa in den vergangenen Jahren gewachsen. Vor allem während der Pandemie stieg das Interesse an Haustieren stark, was dazu führte, dass sich grenzüberschreitende Vermittlungsnetzwerke dementsprechend professionalisierten. Tiere werden aus überfüllten Tierheimen oder von der Straße gerettet, Gesundheitschecks organisiert, Papiere besorgt und Transporte über Hunderte Kilometer geplant. Genau diese Entwicklung hat aber auch die Grenze zwischen seriöser Vermittlung und undurchsichtigem Handel schwerer sichtbar gemacht.

Die Wiener Staatssekretärin für Gesundheit, Tier- und Konsumentenschutz, Ulrike Königsberger-Ludwig, zieht aus dem Fall eine einfache Konsequenz. Wer ein Tier aufnehmen wolle, sagt sie im Ö1-Morgenjournal, solle es nicht über dubiose Angebote im Internet oder in Messengerdiensten kaufen. Ihr Appell lautet, wenn man schutzbedürftigen Tieren ein Zuhause geben wolle, solle man die Tierheime nutzen – "die gerade auch im Sommer sehr voll sind". (Birgit Wittstock, 8.8.2026)

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