Mehr Autos auf dem Land: Zwei von drei Einwohner im Werra-Meißner-Kreis mit Pkw
StartseiteLokalesWitzenhausenStand: 25.07.2026, 05:58 UhrKommentareUns auf Google folgenDem Ausbau der E-Lade-Infrastruktur soll im ländlichen Raum laut Landesregierung mehr Bedeutung zugemessen werden. An der ...
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Stand: 25.07.2026, 05:58 Uhr
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Statistisch besitzen im Werra-Meißner-Kreis zwei von drei Einwohnern einen Pkw. Damit liegt der Kreis über dem hessenweiten Durchschnitt.
Werra-Meißner – Zu Jahresbeginn waren je 1000 Einwohner im Werra-Meißner-Kreis 655 Pkw angemeldet. In ganz Hessen waren es durchschnittlich 624. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, erhöhte sich die Pkw-Dichte damit im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,3 Prozent. Anfang 2025 hatte sie bei 622 Pkw je 1000 Einwohnern gelegen, im Jahr 2000 bei 554.
Die Pkw-Dichte in Hessen lag höher als der Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die deutschlandweite Pkw-Dichte um 0,4 Prozent von 590 auf 593 leicht an. Damit setzte sich der langfristig ansteigende Trend fort.
Die höchste Dichte zugelassener Pkw in Hessen hatte der Vogelsbergkreis, gefolgt vom Landkreis Waldeck-Frankenberg und dem Schwalm-Eder-Kreis. Der Werra-Meißner-Kreis befindet sich in der oberen Hälfte der Statistik. Die niedrigste Dichte verzeichnete die kreisfreie Stadt Frankfurt am Main. Diese Unterschiede zwischen den schwächer besiedelten Landkreisen in Nordhessen und im Mittelgebirge und Hessens bevölkerungsstärkster Stadt stehen stellvertretend für die räumlichen Unterschiede in ganz Deutschland, heißt es vonseiten des statistischen Landesamtes. In ländlichen Regionen lag die Pkw-Dichte tendenziell auf einem höheren Niveau als in städtischen. „Gründe dafür könnten ein im Vergleich geringer ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr und längere Pendelwege sein“, sagt Robert Wallrapp, Fachstatistiker für Verkehr.
„Gerade im ländlichen Raum ist der Autobesitz aufgrund der Siedlungsstruktur und der Entfernung zwischen Wohnort, Arbeitsplatz oder Versorgungseinrichtungen häufig höher als in Ballungsräumen“, sagt Landrätin Nicole Rathgeber. Die Entwicklung der Pkw-Dichte sei für den Werra-Meißner-Kreis ein wichtiger Bestandteil bei der Verkehrsplanung, werde aber nicht isoliert betrachtet. Daher fließen neben dem Motorisierungsgrad auch das tatsächliche Mobilitätsverhalten der Menschen, die Bevölkerungsentwicklung, die Altersstruktur und die Nachfrage nach ÖPNV-Angeboten in die Planung ein.
Das Auto habe immer eine wichtige Bedeutung im ländlichen Raum, sagt Knut John, Beauftragter der hessischen Landesregierung für den ländlichen Raum. Dass es grundsätzlich den Vortritt vor anderen Fortbewegungsarten habe, müsse nicht sein. „Hier muss ein Umdenken stattfinden“, sagt John. Der Ausbau des ÖPNV habe für die Landesregierung eine große Bedeutung. „In den Bussen im Landkreis wird außerhalb der Stoßzeiten aber noch viel Luft herumgefahren“, sagt John. „On-Demand“-Möglichkeiten wie Anruf-Sammeltaxis (AST) müssten intelligenter gelöst werden.
Verzerrung der Statistik
Behördlich oder gewerblich gemeldete Fahrzeuge können die Ergebnisse für einzelne Kreise stark verzerren. Beispiel Wiesbaden: Hier wies die Statistik eine Dichte von 773 Pkw je 1000 Einwohnern aus. Die Landeshauptstadt lag damit deutschlandweit auf dem dritten Platz. Diese hohe Zahl ist laut statistischem Landesamt auf größere Unternehmen der Autovermietungsbranche sowie auf Behörden zugelassene Fahrzeuge (z. B. Polizei) zurückzuführen. Private Fahrzeuge gibt es hier 425 je 1000 Einwohner. (ts)
Aus der Tatsache, dass im Werra-Meißner-Kreis eine hohe Autodichte herrsche, dürfe nicht der Rückschluss gezogen werden, dass der öffentliche Nahverkehr an Bedeutung verliere. Das sagt Landrätin Nicole Rathgeber auf Anfrage unserer Zeitung. Auch Menschen mit eigenem Auto nutzten Bus und Bahn, zum Beispiel für den Schulweg, den Arbeitsweg oder Freizeitfahrten. „Deshalb überprüfen wir unser Angebot kontinuierlich anhand der tatsächlichen Nutzung und der finanziellen Möglichkeiten“, sagt Rathgeber.
Eines der Ziele des Landkreises für die Zukunft trotz angespannter Haushaltslage: ein verlässlicher, bezahlbarer und möglichst flächendeckender öffentlicher Personennahverkehr für alle Generationen im Werra-Meißner-Kreis. „Viele Bürgerinnen und Bürger, sind nach wie vor auf ein funktionierendes ÖPNV-Angebot angewiesen“, sagt Rathgeber. Das belegen Zahlen von Nahverkehr Werra-Meißner (NWM) und NVV. Nach einem Einbruch während der Pandemie würden die Zahlen kontinuierlich steigen und hätten das frühere Niveau schon erreicht. „Im deutschlandweiten Vergleich sind die Fahrgastzahlen überdurchschnittlich stark gestiegen“, sagt NVV-Geschäftsführer Marian Volmer. Es gäbe immer noch Kritik, vorwiegend in ländlichen Bereichen, in denen noch nicht alle Wünsche erfüllt werden. „Gerade in unserem Landkreis mit weiten Strecken bleibt ein leistungsfähiger und bedarfsgerechter öffentlicher Nahverkehr ein wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge“, sagt Rathgeber. Der ÖPNV entwickele sich Schritt für Schritt weiter, und jede Rückmeldung helfe, das Angebot gezielt zu verbessern.
Auch die Landesregierung sei ein großer Unterstützer der Initiative „Jedes Dorf, jede Stunde“, erklärt Knut John. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember komme man diesem Ziel im Werra-Meißner-Kreis ein gutes Stück näher, so der NVV. Jeder Ort soll mindestens einmal pro Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Erreicht wird das Ziel durch den vermehrten Einsatz von sogenannten Anruf-Sammel-Taxis (AST). „Solchen On-Demand-Lösungen kommt in Zukunft eine noch größere Bedeutung zu“, sagt John. Denn auch er sieht, dass zwar immer mehr Busse in die Orte des Kreises fahren, viele von ihnen aber außerhalb der Zeiten, in denen Schüler mitfahren, leer bleiben. Innerhalb der Landesregierung werde auch das Thema „autonomes Fahren“ verfolgt. „Das ist noch Zukunftsmusik, wird aber kommen“, sagt John. Allein schon, weil immer mehr Busfahrer fehlten.
Dennoch sind die Zahlen des statistischen Landesamtes eindeutig: Auf zwei von drei Einwohnern des Kreises kommt ein Auto, sagt die Statistik. „Unser Ziel ist es, die Mobilität im Werra-Meißner-Kreis insgesamt im Blick zu behalten – sowohl für Menschen, die auf das Auto angewiesen sind, als auch für die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs“, sagt Rathgeber. Für John gehört es deshalb dazu, die bestehenden Straßen im Kreis in Ordnung zu halten und auch in Zukunft Umgehungsstraßen zu bauen. Autos hätten immer eine wichtige Bedeutung im ländlichen Raum. „Egal mit welchem Antrieb.“ John setzt sich dafür ein, die E-Mobilität voranzutreiben und auch im ländlichen Raum eine gute Infrastruktur zu schaffen. Die Struktur auf dem Land mit vielen Einfamilienhäusern und privaten Ladepunkten sei dabei bereits auf einem guten Weg. Auch öffentliche Ladestellen müssten ausgebaut werden.
Statistisch gesehen ist der Werra-Meißner-Kreis mit öffentlichen Ladesäulen für E-Autos allerdings überversorgt. Europäische Richtlinien sehen vor, dass in einer Region 1,3 Kilowatt Ladeleistung/Elektroauto zur Verfügung stehen müssen. Im Kreis liegt diese laut einer Erhebung aus dem März bei 5,8 Kilowatt und damit deutlich über den Vorgaben. Zudem ist die Ladeleistung höher als der Bundesschnitt von 4,1 Kilowatt. Das liegt allerdings hauptsächlich an der weiter geringen Zahl an Elektroautos und an dem hohen Vorkommen an Einfamilienhäusern mit privaten Lademöglichkeiten. (Tobias Stück)