Meloni fordert drastische Maßnahme: "Schockierend" – Migranten stürmen EU-Grenze

Italien fordert drastische Maßnahme "Schockierend" – Migranten stürmen EU-GrenzeAktualisiert am 31.07.2026 - 07:10 UhrLesedauer: 5 Min.Player wird geladenDie Aufnahmen zeigen Menschen im Wasser und an der Küste...

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Meloni fordert drastische Maßnahme: "Schockierend" – Migranten stürmen EU-Grenze

Italien fordert drastische Maßnahme

"Schockierend" – Migranten stürmen EU-Grenze


Aktualisiert am 31.07.2026 - 07:10 UhrLesedauer: 5 Min.

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Die Aufnahmen zeigen Menschen im Wasser und an der Küste.

Mehr als Tausend Flüchtende kommen innerhalb weniger Tage in der EU-Exklave Ceuta an. Die Behörden sind überfordert. Spanien will dennoch nicht den Notstand ausrufen.

Die Bilder zeigen dramatische Szenen. Hunderte Menschen erreichten in den vergangenen Tagen die spanische Exklave Ceuta – schwimmend, auf Fahrzeugen oder auch zu Fuß. Zuvor waren offenbar Gerüchte über die Öffnung der Grenze aufgekommen, wie die Nachrichtenagentur AFP erfahren haben will.

Vom benachbarten Marokko aus strömten Fahrzeuge voller junger Menschen auf der Straße nach Ceuta etwa 15 Kilometer von Fnideq entfernt. Andere waren demnach in Gruppen zu Fuß unterwegs. Mehrere Menschen gaben gegenüber AFP Ceuta als Ziel an. Ein junger Mann mit Rucksack sagte, er sei zu Fuß aus dem 70 Kilometer entfernten Tanger angereist, nachdem er gehört habe, "dass die Grenze am Grenzübergang Bab Sebta geöffnet worden" sei.

Die Entwicklung weckt Erinnerungen an die Migrationskrise im Mai 2021 am selben Ort. Auch damals erlebte der Außenposten der Europäischen Union auf dem afrikanischen Kontinent einen Andrang von Flüchtenden.

Dieses Mal schafften es bereits mindestens 1.500 Migranten innerhalb weniger Tage nach Ceuta – die meisten von ihnen hatten sich ins Meer gestürzt und waren geschwommen. Für einige von ihnen endete die Flucht tödlich. Wie die Behörden mitteilten, ertranken mindestens zehn Menschen bei dem Versuch, die EU-Grenze zu überqueren.

Die Behörden in Ceuta sind schon seit Tagen in Alarmbereitschaft. Unter den Ankömmlingen seien viele Minderjährige und Kinder, berichtete der staatliche spanische TV-Sender RTVE. Die Regionalregierung forderte von der Zentralregierung in Madrid bereits die Ausrufung des nationalen Notstands und den Einsatz des spanischen Militärs an der Grenze zu Marokko.

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Nach Angaben der Nachrichtenagentur Europa Press und anderer Medien hielt der Migrantenandrang auch am Donnerstagabend unvermindert an. Auf Bildern von Nachrichtenagenturen ist zu sehen, wie Hunderte erschöpfte Migranten am Strand von Ceuta liegen.

Bereits am Mittwoch hatte Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärt, die Aufnahmeeinrichtungen seien völlig überlastet. Viele mussten auf den Straßen übernachten.

Meloni fordert "außergewöhnliche Maßnahme"

Die Zentralregierung in Madrid unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez will jedoch keinen Notstand ausrufen. Sie ordnete stattdessen den Einsatz von in Ceuta stationierten Armeeeinheiten zur Unterstützung der Grenzbeamten an, wie die Zeitung "El País" und andere Medien berichteten. Es handele sich um insgesamt 120 Einsatzkräfte des Militärs, schreibt "El País".

Auf die Entwicklung in Ceuta reagierte auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Ihre Regierung forderte am Donnerstagabend den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum. Man sei dabei, "die zuständigen Stellen zusammenzubringen", erklärte Meloni am Donnerstag im Onlinedienst X. "Sobald diese Treffen abgeschlossen sind, sind wir bereit zu handeln, auch durch außergewöhnliche Maßnahmen (…) wie etwa das Aussetzen des Schengen-Abkommens mit Spanien".

Die Bilder aus Ceuta nannte Meloni "schockierend". "Italien wird nicht tatenlos zusehen", kündigte sie an. Ähnlich wie seine Regierungschefin hatte sich zuvor bereits Italiens Außenminister Antonio Tajani geäußert. "Ich bin dafür, den Schengen-Raum für Spanien zu schließen", erklärte er bei X. Er begründete die Forderung mit der "irregulären und unkontrollierten Einwanderung". Diese stelle "eine Gefahr für die nationale Sicherheit" dar.

Opposition macht Zentralregierung verantwortlich

Spaniens Ministerpräsident Sánchez hatte davor am Nachmittag auf der Plattform X mitgeteilt, man setze "alle Hebel in Bewegung, um umgehend auf die Lage in Ceuta zu reagieren", war aber nicht konkreter geworden. Am Abend teilte die Regierung in Madrid mit, Sánchez werde am Freitag nach Ceuta reisen.

Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach von einer "verzweifelten Situation". Auf X kritisierte er den sozialistischen Politiker Sánchez mit scharfen Worten: Die Regierung dürfe "nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit".

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Migranten laufen jubelnd über die Straßen

Das EU-Außengebiet Ceuta hat nur knapp 85.000 Einwohner. Videos und Fotos zeigten überwiegend junge Männer, aber auch Familien mit Frauen und Kindern, die über die Felsblöcke gelangen, die zu dem künstlichen Damm gehören, der die Grenze zwischen Ceuta und Marokko markiert und sichern soll. Man sieht auch, wie die Menschen jubelnd über die Straßen laufen und unter anderem "Viva España!" rufen. "An den Stränden liegen viele Gegenstände, die die Migranten bei der Überquerung genutzt haben, darunter Schwimmringe und -flossen sowie Neoprenanzüge", berichtete RTVE.

Viele der Flüchtenden können nicht oder nur unzureichend schwimmen. Für sie ist die Unternehmung lebensgefährlich. Ceutas Regionalpräsident Vivas sagte, in den vergangenen zwölf Monaten seien bereits rund 60 Leichen aus dem Wasser geborgen worden.

2021 erreichten mehr als 8.000 Menschen die Exklave

"Die Lage ist das reinste Chaos", sagte Rachid Sbihi der Nachrichtenagentur AP. Sbihi ist der Vorsitzende des Verbandes, der die Beamten der spanischen Guardia Civil vertritt, die in Ceuta die Grenze überwachen.

Der Sicherheitsexperte räumt ein, dass die Behörden den Überblick verloren haben. "Es ist nicht möglich, genaue Zahlen zu nennen, aber es überqueren Tausende von Migranten die Grenze", sagte er und fügte hinzu, dass die Grenze "völlig zusammengebrochen" sei. Auch die spanische Zeitung "El País" zitiert Beamte der Guardia Civil und der Nationalpolizei mit den Worten: "Wir sind total überfordert." Weiter schreibt das Blatt: "Die Lage ist noch schlimmer als 2021."

Im Mai 2021 waren innerhalb von 36 Stunden mehr als 8.000 Menschen von Marokko aus in die Exklave gekommen. Madrid warf Rabat damals "Erpressung" vor. Man war davon überzeugt, dass die Grenzkontrollen gelockert oder gar ausgesetzt wurden, um Madrid im Streit um die Westsahara unter Druck zu setzen.

Hintergrund des damaligen Konflikts war der Streit um die frühere spanische Kolonie, die größtenteils von Marokko kontrolliert wird und von der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für einen eigenen Staat beansprucht wird. Spanien hatte den Anführer der Polisario 2021 aus humanitären Gründen zur Behandlung aufgenommen, was in Rabat heftige Verstimmung auslöste.

Wurden die Kontrollen gelockert, um Madrid ein Signal zu senden?

Die Beziehungen entspannten sich erst 2022, nachdem Sánchez den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara als "die ernsthafteste" Grundlage für eine Lösung bezeichnet hatte. Seither arbeiten Madrid und Rabat in Migrations- und Sicherheitsfragen wieder enger zusammen.

Einige Medien spekulieren nun über einen Zusammenhang mit einer Algerien-Reise von Sánchez vergangene Woche. Marokko und Algerien stehen sich im Westsahara-Streit seit Jahren unversöhnlich gegenüber. Einige halten es für möglich, dass Rabat die Kontrollen der eigenen Polizei an der Grenze zu Ceuta gelockert haben könnte, um ein politisches Signal an Madrid zu senden. Belege dafür gibt es bislang allerdings nicht.

Zwar hat die EU ihre Asylverfahren beschleunigt und den Weg für schnellere Abschiebungen freigemacht, doch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes in Spanien hatte den Migranten zuletzt wieder Hoffnung gegeben. Das Gericht hatte entschieden, dass jene, die über den Seeweg nach Ceuta oder Melilla kommen, nicht einfach wieder zurückgeschickt werden dürfen.

Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Beide werden von Marokko beansprucht. In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Afrikaner, vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara, auf eine Gelegenheit, in das zur EU gehörende Gebiet zu kommen. Oft versuchen mehrere Hundert Menschen auf einmal, die Grenzbeamten zu überraschen.