„Nicht bezahlbar“: Merz blockiert Zwei-Billionen-Haushalt beim EU-Gipfel – ein Alltags-Check für Bürger

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„Nicht bezahlbar“: Merz blockiert Zwei-Billionen-Haushalt beim EU-Gipfel – ein Alltags-Check für Bürger

Merz will beim EU-Haushalt sparen – der konkret auf deutschen Alltag wirkt

Stand: 15.10.2026, 14:09 Uhr

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Ursula von der Leyen und Friedrich Merz in Brüssel

Ursula von der Leyen und Friedrich Merz in Brüssel (Archiv) © Harry Nakos/dpa

Brüssel verhandelt über zwei Billionen Euro: Kanzler Merz blockiert den Plan. Wie viel Geld jeder Bürger zahlt und wo EU-Mittel im Alltag ankommen.

Brüssel/München – Knapp zwei Billionen Euro: Über diese Summe streiten die EU-Staaten beim zweitägigen Gipfel in Brüssel. Wenn es ums Geld geht, endet die europäische Einigkeit schnell. Verhandelt wird der mehrjährige Finanzrahmen (MFR) für die Jahre 2028 bis 2034.

Die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen schlägt einen Etat von nominal knapp zwei Billionen Euro vor. Für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist dieses Volumen nicht tragbar – weshalb er den vorgelegten EU-Haushaltsplan entschieden zurückweist.

„Wir glauben nicht, dass das bezahlbar ist“, erklärte die Bundesregierung im Vorfeld des Treffens. Merz fordert Kürzungen um „mehrere hundert Milliarden Euro“ und betonte: „Der EU-Haushalt muss für diejenigen bezahlbar sein, die die Hauptlast der Finanzierung tragen.“

Der Alltags-Check: Was bedeutet das EU-Budget für die Bürger in Deutschland?

Hinter den abstrakten Billionensummen und den zähen Verhandlungen stehen sehr konkrete Auswirkungen auf das tägliche Leben in Deutschland:

  • Der persönliche Steuerbeitrag (ca. 340 Euro pro Kopf): Deutschland finanziert als größter Nettozahler rund ein Fünftel des gesamten EU-Haushalts. Rein statistisch zahlte jeder Bundesbürger im vergangenen Jahr rund 340 Euro an Brüssel (im Vergleich: Luxemburg 580 Euro, Bulgarien 124 Euro).
  • Mögliche Preiserhöhungen an der Ladenkasse: Um zusätzliche Einnahmen zu generieren, schlägt die Kommission neue Sonderabgaben vor. Diese könnten direkt bei den Verbrauchern landen: Eine geplante Abgabe auf Elektroabfall (15 Mrd. Euro) sowie der CO₂-Grenzausgleich auf klimaschädlich hergestellte, importierte Waren (1,4 Mrd. Euro) drohen, Geräte wie Laptops, Handys und Haushaltswaren oder Baustoffe spürbar zu verteuern. Auch ein geplanter Brüsseler Zugriff auf nationale Tabaksteuern (11,2 Mrd. Euro) heizt Debatten um höhere Konsumsteuern an, berichtet der Spiegel.
  • Schulen, Kliniken, Schienen – wo EU‑Gelder vor Ort helfen: Obwohl Deutschland mehr einzahlt, als es zurückbekommt, fließen Milliarden zurück in die Bundesländer (pro Kopf profitiert hierzulande Sachsen-Anhalt am meisten). EU-Fördermittel finanzieren sanierte Schulgebäude, neu gebaute Straßen, moderne Medizintechnik in Krankenhäusern sowie energetische Gebäudesanierungen und das europäische Forschungsprogramm Horizon Europe.
  • Landwirtschaft und Lebensmittel: Direkte Flächenprämien für Landwirte sichern bäuerliche Betriebe und stabilisieren die heimische Lebensmittelproduktion. Wenn Brüssel künftig – wie geplant – Agrar- und Regionalförderungen zusammenkürzt, um mehr Geld für Verteidigung und Technologie freizumachen, droht neuer Unmut bei den Bauern.
  • Binnenmarkt, Reisen und Währung: Ökonomen heben hervor, dass der größte Vorteil jenseits der Haushaltsrechnung liegt: Deutsche Verbraucher und Pendler profitieren vom zollfreien Warenhandel, stabileren Lieferketten, dem Euro als Währung ohne Wechselgebühren sowie uneingeschränkter Reisefreiheit in ganz Europa.
Haushaltsvorschlag (2028–2034)GesamtvolumenAnteil am EU-BNEDeutsche Position
Vorschlag EU-Kommissionca. 1,76–2,0 Bio. €1,26 %Ablehnung („nicht bezahlbar“)
Irischer Kompromiss1,62 Bio. €1,16 %Nicht ausreichend (weitere Kürzungen gefordert)
Bisheriger Rahmen (2021–2027)gut 1,2 Bio. € (inkl. Infl.)1,13 %Ausgangsbasis

Größter Nettozahler: Deutschland überweist 16 Milliarden Euro mehr

Im vergangenen Jahr beliefen sich die deutschen Zahlungen auf Basis von Bruttonationaleinkommen und Mehrwertsteuer auf rund 28 Milliarden Euro. Zieht man die Gelder ab, die nach Deutschland zurückflossen, blieb ein Netto-Saldo von rund 16 Milliarden Euro.

Selbst ein Kompromissentwurf der irischen Ratspräsidentschaft, der das Gesamtvolumen auf 1,62 Billionen Euro deckeln will, geht Berlin vor diesem Hintergrund nicht weit genug. Angesichts der harten Sparvorgaben warnen Kritiker bereits vor einer Blockade der EU-Zukunft.

Umstrittene Eigenmittel: Berlin lehnt neue Unternehmensabgabe ab

Um den Haushalt aufzufüllen, wirbt die EU-Kommission für neue sogenannte Eigenmittel, die jährlich bis zu 58 Milliarden Euro einbringen sollen.

Wie eine Datenanalyse des Spiegel auf Basis von Kommissionsunterlagen aufzeigt, plant die Brüsseler Behörde unter anderem eine Unternehmensabgabe für Großkonzerne mit mindestens 100 Millionen Euro EU-Jahresumsatz (geplantes Aufkommen: ca. 6,8 Mrd. Euro). Die Bundesregierung warnt jedoch: Eine solche Sondersteuer blockiere die nötige Entlastung der kriselnden Wirtschaft und komme für Deutschland nicht infrage.

Streit um Bürokratieabbau und Alt-Schulden

Erschwert werden die Verhandlungen durch Altlasten: Allein die Tilgung der gemeinsamen Schulden aus dem Corona-Wiederaufbaufonds („NextGenerationEU“) bindet im neuen Finanzrahmen rund 149 Milliarden Euro – das sind etwa acht Prozent der Gesamtausgaben.

Zusätzlich birgt das Thema Bürokratie großen Konfliktstoff: In einem Schreiben an die Staats- und Regierungschefs, über das die Welt berichtete, forderte Kommissionspräsidentin von der Leyen, bei den Beratungen über sogenanntes „Gold-Plating“ zu sprechen – das Hinzufügen zusätzlicher nationaler Vorschriften bei der Umsetzung von EU-Recht.

Zuspruch erhielt sie dafür von CSU-Europapolitiker Markus Ferber: „Was in Brüssel vereinfacht wird, darf in den Hauptstädten nicht wieder verkompliziert werden“, so Ferber gegenüber der Welt. Die EU-Staats- und Regierungschefs streben eine Einigung auf den neuen Finanzrahmen bis Ende des Jahres an. (Quellen: Tagesschau, Spiegel, Welt) (frs)