Reinhold Messner schlägt Alarm: Warum Influencer die Dolomiten zerstören – und was jetzt dagegen helfen soll

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Reinhold Messner schlägt Alarm: Warum Influencer die Dolomiten zerstören – und was jetzt dagegen helfen soll

Messner schlägt Alarm: „Die Berge sind zu einem Konsumgut geworden“ – und hat einen Plan

Stand: 14.10.2026, 19:06 Uhr

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Reinhold Messner warnt: Influencer schaden den Dolomiten mehr als sie nützen. Der Bergsteiger-Legende fordert ein Buchungssystem für die Alpen.

„Die Berge sind zu einem Konsumgut geworden. Wir müssen die Touristen besser verteilen“, sagt Reinhold Messner. Für den „König der Achttausender“ drohen der Übertourismus und die Kurzzeitbesucher die Dolomiten zu schädigen, ohne den Menschen vor Ort einen wirklichen Nutzen zu bringen. Die Lösung? Ein Buchungssystem, das den Zugang regelt, die Besucher auf das gesamte Gebiet verteilt und die Landschaft schützt, die wichtigste wirtschaftliche Ressource der Alpen.

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Dieser Artikel von Stefano Pancini entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.

„Der Weg, den wir einschlagen müssen“, betont Messner, „ist eine ausgewogenere Steuerung der Besucherströme, die den gesamten Dolomitenraum einschließlich der Gegend um Belluno einbezieht und die Landschaft schützt.“ Auf ihr beruht die Wirtschaft von Trentino-Südtirol, die überwiegend auf den Tourismus ausgerichtet ist.

Reinhold Messner steht im Grünen in den Bergen

„Meiner Meinung nach stirbt der Alpinismus aus“, Bergsteiger-Legende Reinhold Messner macht sich Sorgen um die Berge. © Christoph Sator/dpa

Denn, so mahnt er, „die Herausforderung besteht darin, dafür zu sorgen, dass dieses Modell auch in 100 Jahren noch funktioniert“.

Messner über Berge als Reiseziel: „Der Alpinismus stirbt aus“

Herr Messner, sind die Berge zu einem Reiseziel geworden, das man „konsumiert“?

„Das ‚große Bergsteigen‘, das am Everest, ist zu einem Konsumgut geworden, zu etwas, das man kaufen kann. Klettern an einer künstlichen Wand ist ein wunderbarer Sport: Heute gehen junge Menschen in Kletterhallen und trainieren an Kunststoffwänden. Aber das ist kein Alpinismus. Meiner Meinung nach stirbt der Alpinismus aus. Mit all diesen berühmten Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken verändert sich die Art, wie man an die Berge herangeht.“

Sie haben häufig das Phänomen der Influencer angesprochen. Warum halten Sie sie für ein Problem?

„Ich nenne ein sehr anschauliches Beispiel: Sie kommen an einen Ort, machen ein Foto und fahren wieder weg. Ich nenne das Villnößtal (in der Provinz Bozen, Anm. d. Red.), weil ich es kenne und besonders liebe. Deshalb sehe ich unmittelbar, was hier passiert. Diese Menschen kommen mit dem Auto, machen ein Foto und verschwinden wieder. Oft essen sie nicht in den Restaurants, übernachten nicht und unternehmen keine Wanderungen. Wirtschaftlich bringen sie wenig oder gar nichts, sie halten hier nicht einmal zum Tanken an. Sie hinterlassen nur Verkehr und Umweltverschmutzung.“

Warum folgen Ihrer Meinung nach so viele Menschen diesem Tourismusmodell?

„Die Influencer haben bekannte Namen und viele Follower, die sie in ihren Bann ziehen können. Sie sind in der Lage, sehr viele Menschen anzulocken. Vor zehn Jahren haben einige Gemeinden im Trentino begonnen, über sie Werbung zu machen, und es gibt große Anbieter, die sie dafür bezahlen, mehr Besucher anzuziehen. Das ist eine komplexe Frage, die auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ernsthaft diskutiert werden sollte.“

Messner zum Tourismus in den Alpen: „Habe ein Buchungssystem mit Zeitfenstern vorgeschlagen“

Welche Lösung schlagen Sie gegen die Überfüllung der Dolomiten vor?

„Für die Dolomiten habe ich ein Buchungssystem mit Zeitfenstern, sogenannten Slots, vorgeschlagen, wie es das bereits an einigen Reisezielen in den Vereinigten Staaten gibt. Man könnte den Zugang zu einer bestimmten Gebirgsgruppe für einen bestimmten Zeitraum buchen, etwa für zwei Tage. Die Kosten sollten nicht hoch sein, doch das System würde vor allem dazu dienen, die Besucherströme zu organisieren. Wenn ein Gebiet wie die Palagruppe für einen bestimmten Zeitraum bereits ausgebucht wäre, würde man für diesen Zeitraum keine weiteren Anfragen annehmen, sondern spätere Termine vorschlagen, um die Besucherströme zeitlich zu verteilen. Alternativ könnte man den Besuchern auch ein anderes Gebiet nennen, in dem für diese Termine noch Plätze verfügbar sind.“

Das Ziel wäre also nicht, den Tourismus zu reduzieren, sondern ihn umzuverteilen?

„Genau. Wir müssen für jeden Ort die richtige Zahl an Touristen finden, ohne die Besucher gleichzeitig an denselben Punkten zu konzentrieren. Wir müssen die Menschen, die die Dolomiten lieben, auf das gesamte Gebiet verteilen. So würden wir verhindern, dass überfüllte Orte entstehen, und den Touristen ermöglichen, die Berge wirklich zu genießen. Die Dolomitengruppe im Gebiet von Belluno wird beispielsweise meiner Ansicht nach nicht vollständig genutzt: Sie wird deutlich weniger genutzt als andere Gebiete, weil sie den Tourismus noch nicht mit demselben Erfolg entwickelt hat wie wir (in Trentino-Südtirol, Anm. d. Red.). In den vergangenen 50 Jahren ist es uns in Trentino-Südtirol gelungen, ein bedeutendes Tourismussystem aufzubauen. Jetzt müssen wir aber ein Gleichgewicht finden und auch die anderen Gebiete der Dolomiten stärker einbeziehen.“

Ist das nicht ein Widerspruch? Trentino-Südtirol hat jahrzehntelang auf den Tourismus als Motor für Wirtschaft und Beschäftigung gesetzt.

„Nein, eine Region muss Tätigkeiten entwickeln, die zu ihren Besonderheiten passen. Wir müssen wirtschaftliche Aktivitäten schaffen können, die mit dieser Region vereinbar sind, und dafür sorgen, dass sie auch in 100 Jahren oder noch länger funktionieren. Dafür müssen wir die Landschaft schützen, denn sie ist der Wert, den wir ‚verkaufen‘. So wie die Vereinigten Arabischen Emirate Erdöl verkaufen, verkaufen wir die Landschaft. Wenn wir sie zerstören, indem wir zu viele Menschen an dieselben Orte locken, schädigen wir den Tourismus insgesamt.“

Messner über den Klimawandel: „In manchen Fällen können wir eingreifen, in anderen nicht“

Beunruhigen Sie auch der Klimawandel und die Veränderungen, denen die Berge unterliegen?

„Das ist ein weiteres komplexes Problem. Das Klima verändert sich seit Millionen von Jahren, es ist nichts Statisches. In manchen Fällen können wir eingreifen, in anderen nicht. Ich glaube, dass darüber oft oberflächlich und sensationsheischend diskutiert wird, auch von Menschen, die diese Phänomene nicht ausreichend kennen. Ich möchte daran erinnern, dass die Dolomiten eine geologische Geschichte von etwa 200 Millionen Jahren haben. Das sind Zeiträume, die wir Menschen uns kaum auch nur vorstellen können. Wir können diese Themen nicht ohne eine umfassendere Perspektive angehen und ohne die Komplexität der natürlichen Prozesse anzuerkennen.“

Sie sprechen häufig von Nachhaltigkeit. Was bedeutet das konkret für einen Ort in den Alpen?

„Es bedeutet, neue Funktionen für das zu finden, was bereits vorhanden ist, statt immer weiter zu bauen und Flächen zu verbrauchen. Ich habe das mit der alten, ungenutzten Bergstation der Seilbahn von Sexten auf den Helm (Südtirol) gemacht. Sie wurde in das Reinhold Messner Haus (Rmh) umgewandelt, ein Zentrum für Kunst, Kultur und Begegnungen, das im Juni 2025 eröffnet wurde. Auch das ist Nachhaltigkeit: bestehende Anlagen wieder nutzbar zu machen, statt sie aufzugeben oder durch Neubauten zu ersetzen. Wir müssen lernen, die Ressourcen, die wir haben, besser zu nutzen. Leider scheint mir dieses Konzept noch nicht vollständig verstanden worden zu sein.“