Migration: Immer mehr Afrikaner denken ans Auswandern

Eine neue Umfrage in 38 Ländern zeigt: Der Migrationswunsch in Afrika wächst. Doch nur eine Minderheit will nach Europa. Autor:  ...

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Migration: Immer mehr Afrikaner denken ans Auswandern

Eine neue Umfrage in 38 Ländern zeigt: Der Migrationswunsch in Afrika wächst. Doch nur eine Minderheit will nach Europa.

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18.08.2026, 21:34

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45 Prozent aller Afrikanerinnen und Afrikaner haben schon einmal daran gedacht, ihr Land zu verlassen. Ein Viertel hat sich intensiv damit befasst. Das zeigt eine Umfrage, die das Forschungsinstitut Afrobarometer in 38 Ländern auf dem Kontinent durchgeführt hat.

Dieser Wert liegt höher als in anderen Weltregionen. Und er steigt: In jenen Ländern, in denen Afrobarometer dieselbe Frage vor zehn Jahren stellte, wuchs der Anteil jener, die «viel» bzw. «sehr» («a lot») ans Auswandern denken, von 18 auf 25 Prozent.

Nicht die Ärmsten wollen weg

Manche afrikanische Länder durchlebten zuletzt wirtschaftliche Krisen oder gewaltsame Konflikte. Das dürfte den Migrationswunsch zumindest in gewissen Regionen verstärkt haben.

Doch das erklärt nur teilweise, wieso der Anteil der Menschen auf dem Kontinent gestiegen ist, die ins Ausland möchten. Denn es sind nicht die Ärmsten, die weggehen wollen. Wer von einem oder zwei Dollar pro Tag lebt, kann sich Migration schlicht nicht leisten. Sie kostet Geld, sie benötigt Netzwerke und Informationen.

Gruppe von Menschen sitzt an einer Strasse.
Legende:

Nicht nach Europa, sondern gegen Süden: Migranten aus Malawi in Südafrika, Ende Juni.

Keystone / Kim Ludbrook

Vielmehr setzt Migration - vor allem jene in ferne Länder oder einen anderen Kontinent – eine gewisse finanzielle Basis voraus. Deshalb führt wirtschaftliche Entwicklung, wie sie in vielen Ländern Afrikas zuletzt stattfand, zunächst zu mehr Migration, nicht zu weniger. In der Migrationsforschung ist dieses Muster (der sogenannte «Migrationsbuckel») seit Langem bekannt.

Der Afrobarometer-Bericht zeigt zudem: Es sind vorwiegend die Jungen und Gebildeten, die weg möchten. Unter den 18- bis 35-Jährigen liegt der Anteil jener, die sich mit dem Weggehen befassen, deutlich höher als in den anderen Altersklassen. Und der Migrationswunsch steigt mit zunehmendem Bildungsniveau.

Afrika ist kein Monolith

Die Umfrage widerspiegelt zugleich die grossen Unterschiede zwischen den afrikanischen Ländern – auch punkto Migration. Während demnach etwa in Gambia 53 Prozent viel ans Auswandern denken, sind es in Madagaskar, einem Land mit tieferem Pro-Kopf-Einkommen, lediglich 5 Prozent.

Knapp ein Drittel jener, die weggehen möchten, nennt als Ziel Europa. Doch auch hier verdecken die Durchschnittswerte die grossen Unterschiede zwischen den Staaten. In Ghana will mehr als die Hälfte nach Kanada oder in die USA, in Malawi fast 70 Prozent in ein Nachbarland.

Ankunftszahlen in Europa rückläufig

Mehr Auswanderungswillige in Afrika bedeuten aber nicht automatisch mehr Migration, zumindest nicht nach Europa. Die Zahl der Ankünfte über das Mittelmeer sowie über die Atlantik-Route (Richtung Kanarische Inseln) ist zuletzt gesunken: von rund 275'000 im Jahr 2023 auf etwa 155'000 im vergangenen Jahr. Die Route ist gefährlicher geworden, auch weil die EU enger mit nord- und westafrikanischen Staaten zusammenarbeitet.

Wer geht, bleibt de facto meist in der Nähe. Rund vier von fünf afrikanischen Migrantinnen und Migranten bleiben auf dem Kontinent, sie lassen sich überwiegend in einem Nachbarland nieder. In der Elfenbeinküste etwa leben derzeit mindestens zwei Millionen Menschen aus dem Nachbarland Burkina Faso, in Ghana sollen Schätzungen zufolge über eine Million Nigerianerinnen und Nigerianer leben.

Rendez-vous, 18.8.2026, 12:30 Uhr