Migrationskrise in Ceuta: Spanien erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel und Russland

Rund 72.000 Menschen gelangten im Juli binnen zwei Tagen nach Ceuta. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wirft Russland und Israel vor, die Situation mit Desinformationen angeheizt zu haben.

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Migrationskrise in Ceuta: Spanien erhebt schwere Vorwürfe gegen Israel und Russland
Grenzzaun von Ceuta: Die meisten Migranten kehrten innerhalb kurzer Zeit zurück Grenzzaun von Ceuta: Die meisten Migranten kehrten innerhalb kurzer Zeit zurück

Grenzzaun von Ceuta: Die meisten Migranten kehrten innerhalb kurzer Zeit zurück

Foto: Abdel Majid Bziouat / AFP

Die spanische Regierung untersucht gut einen Monat nach der Migrationskrise  in der spanischen Exklave Ceuta weiter die Hintergründe. Regierungschef Pedro Sánchez sieht Anzeichen dafür, dass Russland und Israel die Situation mit einer gezielten Desinformationskampagne befeuert haben könnten. Der linke Politiker wirft sozialen Netzwerken mit »Verbindungen zu Russland und Israel« vor, mit Falschmeldungen den Massenandrang auf die Nordafrika-Exklave Ceuta von Ende Juli angeheizt zu haben.

Darüber habe der Europäische Auswärtige Dienst (EEAS) die spanische Regierung informiert, sagte er in einem Interview mit dem spanischen Sender Ser. Wenn sich beide Länder in diese Angelegenheit einmischten, dann nicht aus Interesse an den Migranten, sondern weil Spanien Israels »Völkermord« im Gazastreifen und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine angeprangert habe, fügte Sánchez hinzu.

Der Regierungschef kritisierte auch eine »internationale rechtsextreme Bewegung«, die das Thema Migration »stets nutzt, um nicht nur Spanien, sondern auch Europa anzugreifen und zu spalten«.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Die spanische Regierung könne nur auf Grundlage von Daten und gesicherten Fakten handeln

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Foto: Eduardo Parra / EUROPA PRESS / dpa

Am 30. und 31. Juli waren nach Angaben von Innenminister Fernando Grande-Marlaska rund 72.000 Migranten von Marokko nach Ceuta geschwommen oder über Grenzzäune geklettert. Die meisten kehrten binnen Stunden zurück. Jedoch waren nach Angaben des Ministers vom Freitag noch etwa 5000 Migranten in dem Gebiet, das nicht einmal ganz so groß wie der Frankfurter Flughafen ist. Davon seien 1200 Minderjährige, sagte Sánchez. Ein Teil der Einheimischen demonstriert zunehmend gewalttätig gegen die wochenlange Anwesenheit derart vieler Migranten . Die Regierung Sánchez steht deshalb unter starkem Druck.

Seit Langem Warnungen vor Russlands hybrider Kriegsführung

Die Vorwürfe von Sánchez gegen Akteure in Russland reihen sich in die Warnungen ein, Moskau führe seit Jahren einen hybriden Krieg gegen den Westen, um demokratische Gesellschaften zu destabilisieren. Unter hybrider Kriegsführung versteht man eine Kombination aus militärischen, wirtschaftlichen, geheimdienstlichen und propagandistischen Mitteln, zu der auch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Desinformation und staatlich gelenkte Cyberattacken zählen.

Russland hatte schon zuvor die auch von anderen Politikern in der EU bereits geäußerten Anschuldigungen, prorussische Kräfte hätten die Lage in Ceuta als Teil einer angeblich hybriden Kriegsführung angeheizt, als durch nichts belegtes Gedankenspiel zurückgewiesen.

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Die Beziehungen zwischen Spanien und Israel haben sich in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert. Spanien gehört zu den schärfsten europäischen Kritikern der israelischen Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Sánchez warf Israel einen Völkermord im Gazastreifen vor und kritisierte die derzeitigen israelisch-amerikanischen Angriffe auf Iran als Bruch des Völkerrechts. Zudem verhängte Spanien Sanktionen gegen Israel und erkannte Palästina als Staat an. Die diplomatischen Spannungen führten dazu, dass beide Länder ihre Botschafter zurückriefen. Neben dem Gazakrieg kritisiert Spanien auch die illegale Besiedlung des Westjordanlandes durch Israel. Eine offizielle Reaktion der Netanyahu-Regierung wurde zunächst nicht bekannt.

Sánchez betonte in dem Ser-Interview zugleich, die spanische Regierung könne nur auf Grundlage von Daten und gesicherten Fakten handeln. »Was wir bisher wissen, ist, dass ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 8. Juli verdreht wurde, das in den sozialen Netzwerken durch Falschmeldungen, Desinformation und auch durch kriminelle Organisationen, die mit Menschen handeln, verbreitet wurde«, betonte Sánchez. In diesen Falschmeldungen sei behauptet worden, das Gericht habe entschieden, dass, wer schwimmend Ceuta erreiche, nicht abgeschoben werden dürfe. Das stimme aber nicht. Marokko habe in der Krise »sofort« und umfassend mit den spanischen Behörden kooperiert.

Marokko beansprucht jedoch die beiden Exklaven für sich und hatte etwa 2021 Tausende Migranten nicht gehindert, Ceuta zu erreichen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema:  Die spanische Regierung rühmte sich bereits, den Ansturm auf Ceuta bewältigt zu haben. Nun wird klar, wie voreilig das war. Ministerpräsident Pedro Sánchez droht die Kontrolle über die Lage zu verlieren.

asc/dpa