Millionen ausgegeben, Konzept vergessen. Das Planungschaos auf der Darmstädter Mathildenhöhe. Ein Kommentar
Seit Jahren streitet Darmstadt über ein Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe. Nun wird die bisherige Planung gestoppt – und plötzlich zeigt sich, dass ausgerechnet ein Vermittlungskonzept fehlt. Ein Kommentar.
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Meinung
Millionen ausgegeben, Konzept vergessen: Das Planungschaos auf der Mathildenhöhe
Seit Jahren streitet Darmstadt über ein Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe. Nun wird die bisherige Planung gestoppt – und plötzlich zeigt sich, dass ausgerechnet ein Vermittlungskonzept fehlt. Ein Kommentar.
Hochzeitsturm und Russische Kapelle prägen die Mathildenhöhe in Darmstadt – um das geplante Besucherzentrum für das Welterbe wird seit Jahren gestritten. Bild © picture-alliance/dpa
Irgendwie habe ich ein Déjà-vu. Vor etwa zwei Jahren verkündete Darmstadts Mobilitätsdezernent Paul Georg Wandrey (CDU), dass die marode Rheinstraßenbrücke jetzt doch nicht so gebaut werden soll wie geplant. Baustopp, eine kleinere, günstigere Variante sollte her.
Und jetzt verkündet Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz auf einer unspektakulär angekündigten Pressekonferenz die spektakuläre Nachricht: Die bisherige Planung für das Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe wird gestoppt. Nun soll eine kleinere, günstigere Variante kommen – oder ein ganz anderes Konzept.
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00:40 Min.|Petra Demant
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Apropos Konzept: Ausgerechnet ein Vermittlungskonzept gab es offenbar bislang nicht. Also keine klare Antwort auf die Frage, wie dieses Welterbe, die Ideen des Jugendstils und dessen damals sensationelle Modernität überhaupt vermittelt werden sollen.
Die entscheidenden Fragen blieben ungeklärt
Seit zehn Jahren wird an einem Besucherzentrum herumgeplant. Seit 2021 haben wir den Welterbestatus. Nächtelang haben sich Stadtverordnete die Köpfe heiß diskutiert, wo dieses Infozentrum stehen soll, wie groß es sein und wie es aussehen soll. Und all diese Debatten liefen, obwohl die entscheidende inhaltliche Grundlage fehlte.
Fragen nach Zielgruppen, Inhalten und Nutzung hätten längst geklärt sein müssen.
Unglaublich. Haben wir es finanziell so dicke?
Natürlich fragt man sich: Hätte sich zumindest ein Teil der vier Millionen Euro sparen lassen, die bereits in Planung und Bauvorbereitung geflossen sind? Wäre der Konflikt mit einem früheren und klareren Konzept vielleicht weniger eskaliert?
Wir sollten uns aufregen
Dort, wo das Besucherzentrum entstehen soll, nutzte bis Februar eine Kulturinitiative das Gelände. Die Initiative "Osthang bleibt" hatte sich gegen die Aufgabe des Geländes gewehrt und unter anderem Bäume besetzt. Mehrere Hundert Polizisten räumten schließlich das Gelände. Der Prozess gegen eine Aktivistin am Amtsgericht Darmstadt hätte es dann so womöglich auch nicht gegeben.
Ja, wir könnten uns jetzt aufregen. Nein, wir sollten uns aufregen!
Aber vielleicht hilft auch hier, wie so oft, ein bisschen Konstruktivität. Vielleicht bekommt die Stadt jetzt doch noch die Kurve. Wenn am Ende statt 21 Millionen Euro nur zehn oder 15 Millionen ausgegeben werden, ist das gut für die Kasse.
Und wenn künftig nicht mehr – wie Benz ausführte – 28 Einzelprojekte rund um die Mathildenhöhe ohne zentrale Projektsteuerung nebeneinanderlaufen, wäre auch das ein Fortschritt.Die Initiative "Osthang bleibt" blickt jedenfalls pragmatisch nach vorn. Sie hat der Stadt die Hand gereicht und will bei der Erarbeitung des angekündigten Vermittlungskonzepts mithelfen. Mein Wunsch: Zugreifen.