Mit 60 noch einen ETF-Sparplan starten: Lohnt sich das?
StartseiteWirtschaftStand: 18.09.2026, 07:40 UhrKommentareUns auf Google folgenWer mit 60 Jahren einen ETF-Sparplan beginnt, hat statistisch noch mehr als 20 Jahre Anlagehorizont, sollte aber einige Regeln beac...
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Stand: 18.09.2026, 07:40 Uhr
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Wer mit 60 Jahren einen ETF-Sparplan beginnt, hat statistisch noch mehr als 20 Jahre Anlagehorizont, sollte aber einige Regeln beachten.
München – 21,9 Jahre: So lange lebt ein 60-jähriger Mann in Deutschland laut aktueller Sterbetafel im Schnitt noch, eine 60-jährige Frau sogar 25,4 Jahre. Trotzdem halten viele einen ETF-Sparplan in diesem Alter für sinnlos. Die Börse sei nur etwas für junge Leute mit viel Zeit.
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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit €uro-Finanzwissen
Das stimmt so nicht. Wer mit 60 anfängt, hat oft mehr Zeit, als er denkt. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern wann Sie das Geld tatsächlich brauchen und wie Sie Ihr Depot aufteilen.

Der größte Denkfehler: Viele sehen den Renteneintritt als Endpunkt der Geldanlage. Tatsächlich wird das Geld aber nicht auf einen Schlag gebraucht, sondern über 20 Jahre und mehr verteilt. Ein Teil des Depots kann also problemlos 15 Jahre oder länger investiert bleiben.
Warum 60 nicht zu spät ist
Und genau dieser Zeitraum ist historisch entscheidend. Der weltweite Aktienindex MSCI World hat zwischen 1970 und 2024 im Schnitt rund 7,7 Prozent pro Jahr gebracht. Wer mindestens 15 Jahre dabeiblieb, stand am Ende immer im Plus, egal wann er eingestiegen ist. Einfach und günstig bilden Sie einen solchen Index mit einem ETF ab.
Eine Einschränkung gehört aber dazu: Auch lange Zeiträume können enttäuschen. In den zehn Jahren von 1998 bis Ende 2007 lag die jährliche Rendite des MSCI World nur bei 4,0 Prozent. Und die Vergangenheit ist keine Garantie für die Zukunft.
Die Rechnung: Was ein Sparplan ab 60 bringt
Nehmen wir an, Sie sparen vom 60. bis zum 67. Geburtstag monatlich 200 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF, etwa als Baustein für ein ETF-Weltportfolio. Bei angenommenen 6 Prozent Rendite pro Jahr haben Sie nach sieben Jahren rund 20.800 Euro im Depot. Eingezahlt haben Sie 16.800 Euro, der Rest sind Erträge.
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Lassen Sie das Geld danach weiterarbeiten und entnehmen es über 15 Jahre, bleibt bei 4 Prozent Rendite eine monatliche Zusatzrente von gut 150 Euro. Kein Vermögen, aber ein spürbares Plus für Reisen, Enkel oder unerwartete Reparaturen. Und das Kapital gehört Ihnen: Was am Ende übrig bleibt, geht an Ihre Erben.
Nicht alles auf eine Karte: So teilen Sie richtig auf
Das größte Risiko für ältere Anleger ist ein Crash kurz vor oder kurz nach dem Rentenbeginn. Fällt das Depot dann um 30 Prozent und Sie müssen verkaufen, ist der Verlust real. Deshalb gilt:
- Kurzfristiger Bedarf: Geld, das Sie in den nächsten drei bis fünf Jahren brauchen, gehört auf Tagesgeld oder Festgeld.
- Langfristiger Teil: Was mindestens 15 Jahre liegen bleiben kann, darf in Aktien-ETF fließen.
- Breit streuen: Setzen Sie auf weltweite Indizes statt auf einzelne Länder, Branchen oder Trendthemen.
Lassen Sie sich bei Unsicherheit nicht zu teuren Versicherungslösungen oder aktiv gemanagten Fonds überreden. Ein Sparplan auf einen ETF kostet bei vielen Online-Brokern kaum etwas, und die laufenden Kosten breiter Welt-ETFs liegen oft unter 0,3 Prozent im Jahr.
Später entnehmen: Steuern und Strategie
Bei der Entnahme hilft das Steuerrecht. Erträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, bei Ehepaaren 2.000 Euro, bleiben steuerfrei. Bei Aktien-ETFs sind zusätzlich 30 Prozent der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei. Viele Rentner zahlen auf ihre Depoterträge deshalb wenig oder gar keine Steuern.
Für die Auszahlung gibt es zwei Wege: einen Entnahmeplan, bei dem Sie regelmäßig Anteile verkaufen, oder ausschüttende ETFs, die laufende Erträge aufs Konto bringen. Welche Vor- und Nachteile Ausschüttungen haben, lesen Sie in unserem Beitrag zur Dividendenstrategie.
Fazit: Ja, aber mit Plan
Ein ETF-Sparplan mit 60 lohnt sich für alle, die einen Teil ihres Geldes länger als 15 Jahre entbehren können. Die Lebenserwartung gibt Ihnen diese Zeit in den meisten Fällen. Mit 200 Euro im Monat entsteht bis zur Rente zwar kein Vermögen, aber eine spürbare Ergänzung.
Wichtig ist die Aufteilung: Kurzfristig benötigtes Geld bleibt sicher auf dem Konto, nur der langfristige Teil geht an die Börse. So überstehen Sie auch einen Crash, ohne zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen zu müssen.
Stand der Angaben: 17. September 2026. Renditeangaben sind Vergangenheitswerte und lassen keinen Rückschluss auf die künftige Entwicklung zu. Die Beispielrechnungen sind gerundet und vor Steuern. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.