Mit dem Elektro-Flugzeug 6000 km bis Finnland: 77-Jähriger schafft Ostsee-Trip
tzBayernStand: 27.09.2026, 07:29 UhrKommentareUns auf Google folgenAkkuladen ist alle zwei Stunden nötig. © Julian Stratenschulte/dpaUwe Nortmann ist mit einem Elektro-Flugzeug von Memmingen bis nach Finnland u...
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Stand: 27.09.2026, 07:29 Uhr
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Uwe Nortmann ist mit einem Elektro-Flugzeug von Memmingen bis nach Finnland und zurück geflogen. Seine 160-Kilo-Batterie durfte dabei nie unter 20 Prozent fallen. Steigen Sie ein!
Das mit dem Mitfliegen ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Nortmanns Elektro-Flugzeug namens Elektra Trainer fasst zur Not zwei Personen, aber allein geht es flotter und weiter. Nortmann war am 2. Juli am Allgäu Airport Memmingen in die Luft gegangen, dann durch Deutschland über Dänemark und Schweden bis nach Finnland – und dann über das Baltikum und Polen, Berlin, Hof und Straubing retour.

Mit an Bord: Kleidung, Akkus, Mut, Neugier, Demut, Leidenschaft und Lust auf Luft. „Der Antrieb beim Start ist unwahrscheinlich“, schwärmt der 77-jährige Pilotprojekt-Pilot. „Die Maschine ist sofort da.“ Auch in der Höhe behält sie ihren Biss – was bei Motorfliegern etwa bei Hitze nicht der, pardon, Fall sei. Ob Nortmann über dem Meer oder den skandinavischen Wäldern mal Angst hatte, dass es abwärts geht? Nein. „Man muss aber genau den Energiezustand überwachen. Unter 20 Prozent sollte die Batterie nicht fallen.“ Klappt aber nicht immer.
Der Vater des Projekts: Robotik-Legende Gerd Hirzinger
Als „Vater des Projekts“ bezeichnet Pilot Nortmann Prof. Gerd Hirzinger (Foto). Die Münchner Robotik-Legende treibt im Ruhestand u. a. mit seiner Firma ElektroSolar in Landsberg das elektrische Fliegen voran. Aus China ist nun eine neue Batterie gekommen, die statt eines Zwei- einen Viersitzer bewegen kann. Nortmann: „Verdoppelte Kapazität bei gleichem Gewicht.“ Ab November soll getestet werden. Und in fünf Jahren, glaubt der Pilot, könnte es E-Flieger für bis zu 15 Personen geben. Und, ebenfalls ein großes Plus für Strom statt Stinkern: Man fliegt fast lautlos. Kein Geknatter, nur der Wind. Prof. Hirzinger: „Wir gelten als technologische Nummer eins des Elektroflugs in Europa.“ Seit Kurzem gibt es die erste deutsche E-Flugschule – in Memmingen.

Mit dem Aufladen gab es keine Probleme auf den 28 Stationen. Man hatte vorgesorgt, sodass die teils lückenhafte Infrastruktur fürs Strom-Futter an den Airports überbrückt wurde. Eine ganz normale mobile Wallbox war im Flieger. „Die hat jedes Elektroauto“, dazu die nötigen Steckeradapter.
Selbst emotionale Momente – die langen Strecken über die Ostsee, die hohen Wellen unter ihm bei ordentlich Wind – beschreibt Uwe Nortmann nüchtern und klar. Er wirkt sehr cool. Ein Pilot eben. 70 Knoten ist die Reisegeschwindigkeit, rund 120 km/h, je nach Wind etc. muss er etwa alle zwei Stunden runter zum Laden. Den Ostsee-Trip unternahm er auf Einladung einer Hochschule in Finnland, die ein Elektra-Modell gekauft hatte. „Das kostet 250.000 Euro, ist also preiswerter als vergleichbare Ultraleichtflugzeuge. Unschlagbar günstig macht die Elektra Trainer der Stromantrieb und dass keinerlei Wartung anfällt. Der Motor lebt länger als das Flugzeug“, grinst er.
Bei 60 Dezibel in der Kabine kannst du dich locker unterhalten
Freilich hat die Idee „Elektrisch durch die Lüfte“ ihre Grenzen. „Für große Flugzeuge geht die Schere zwischen Gewicht der Batterie und Transportmöglichkeiten zu weit auseinander“, weiß der Pionier. „Die Batterie ist furchtbar schwer, meine wog 160 Kilo mit allem Drum und Dran.“ Zugelassenes Gesamtgewicht: 600 kg. Inklusive Pilot.