Möbelhersteller schließt Endfertigung – bis zu 240 Mitarbeiter vor Kündigung

Der Polstermöbelhersteller Himolla stellt seinen Standort in Taufkirchen um. Voraussichtlich würden im September die Kündigungen zum Dezember erfolgen, vermutet Betriebsratsvorsitzende Claudia Klobensteiner.

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Möbelhersteller schließt Endfertigung – bis zu 240 Mitarbeiter vor Kündigung

Stand: 03.09.2026, 08:00 Uhr

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Wie geht‘s weiter mit Himolla? Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf sprach mit Geschäftsführer Manfred Ziegler.

Wie geht‘s weiter mit Himolla? Arbeitsministerin Ulrike Scharf sprach mit Geschäftsführer Manfred Ziegler. © StMAS Schäffler

Der Polstermöbelhersteller Himolla stellt seinen Standort in Taufkirchen um. Voraussichtlich würden im September die Kündigungen zum Dezember erfolgen, vermutet Betriebsratsvorsitzende Claudia Klobensteiner.

Taufkirchen – Nicht nur die Mitarbeiter und der gesamte Ort machen sich Sorgen um den Fortbestand von Himolla. Auch Bayerns Arbeitsministerin Ulrike Scharf stattete am Mittwoch dem Polstermöbelhersteller in Taufkirchen einen Besuch ab, um Geschäftsführer Manfred Ziegler Hilfe anzubieten.

Kündigungen in der Führungsebene

Es gab schon einige personelle Änderungen in der oberen Führungsetage. Tamara Härty (48) kam am 1. Januar 2018 als Chefdesignerin, stieg zum Head of Product, Design and Marketing auf und verlässt Himolla ebenso wie Christian Westebbe, Geschäftsführer und Chief Financial Officer. Das Fachmagazin „Der Hartmann-Möbel-Report“ schreibt, dass nur ein gutes Jahr nach der Übernahme der Mehrheitsanteile durch „den Sanierungs-Profi Manfred Ziegler“ der langjährige Boss Ralph Bestgen „mit lobenden Worten verabschiedet“ und dann „die Polstermöbel-Tochter K+W Polstermöbel GmbH + Co. KG in Mitwitz in aller Stille beerdigt“ worden sei. Mit René Nieuwendijk, sei im November 2025 ein neuer Gesamtvertriebsleiter engagiert worden, der nur fünf Monate später wieder weg war.

Am Vormittag fand eine Versammlung in der Schreinerei statt, bei der rund 400 Anwesenden der insgesamt 739 Mitarbeiter die nächsten Schritte mitgeteilt wurden. Ein Anwesender meinte danach: „Ab 1. September wird das Insolvenzverfahren eröffnet und der Standort Taufkirchen neu aufgestellt.“ Er befürchtet ein Ende der Produktion in Taufkirchen und einen Stellenabbau in den restlichen Bereichen. Es könne bis zu 240 Leute treffen.

Ziegler machte im Gespräch mit der Heimatzeitung deutlich: „Es wird zu Reduzierungen kommen.“ Zahlen wolle und könne er nicht nennen. Er bestätigte den Termin des Insolvenzverfahrens, „das heißt aber nicht, dass wir in die Insolvenz gehen“. Vielmehr sei dies der übliche Weg im Rahmen des sogenannten Schutzschirmverfahrens. „Drei Monate hat die Agentur für Arbeit die Löhne übernommen, jetzt müssen wir dies wieder selbst leisten wie jedes normale Unternehmen.“

Die Stimmung während der Versammlung sei angespannt gewesen, berichtete Betriebsratsvorsitzende Claudia Klobensteiner: „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Klar kann es weitergehen, aber nicht so, wie es ist.“ Fest stehe, dass die Endfertigung geschlossen werde. Teile der Produktion sollen auf alle Fälle erhalten bleiben, etwa die Stoffcutter- und die Formschaumabteilung, die es nur in Taufkirchen gebe. „Die kann man nicht so schnell verlagern.“ Ob sie in drei oder fünf Jahren noch vor Ort sei, wisse sie nicht.

Auch die schon etwas ältere Kunststoffverformung bleibe in Taufkirchen, so lange sie noch laufe. Nächste Woche werde man vom Schutzschirmverfahren in die Insolvenz in Eigenverwaltung gehen, sagte Klobensteiner. Bis dato konnte den Mitarbeitern Insolvenzgeld – bezahlt vom Arbeitsamt – für drei Monate gegeben werden, also 100 Prozent vom Nettogehalt sowie anteilig Weihnachts- und Urlaubsgeld, soweit fällig.

„Es werde zu Entlassungen kommen“, bestätigte Klobensteiner. Genaue Zahlen könne sie nicht nennen, man sei noch in Verhandlungen. Um Härtefälle zu vermeiden, werde ein Sozialplan aufgestellt. Für die Sozialauswahl und den Interessensausgleich mussten die Mitarbeiter noch vor dem Betriebsurlaub in einem Fragebogen Auskunft zum Familienstand und zur Wohnsituation geben.

Ministerin Scharf zu Besuch

Voraussichtlich würden im September die Kündigungen zum Dezember erfolgen, vermutete Klobensteiner. „Beim Insolvenzverfahren ist das Arbeitsrecht leider brutal. Die Mitarbeiter haben nur maximal drei Monate Kündigungsfrist, und sie können nur maximal das 2,5-Fache des Brutto-Monatsgehalts als Abfindung erhalten.“ Dies werde aber nur zur Auszahlung kommen, wenn nach Beendigung des Insolvenzverfahrens noch Geld da sei. Mit dem Sozialplan wolle man Maßnahmen und Abfindungen, soweit möglich, vereinbaren, um für den betroffenen Mitarbeiter die Kündigung zu erleichtern.

Für Bayerns Arbeitsministerin Scharf „hat die Zukunft der Mitarbeitenden oberste Priorität“. Das betonte sie bei ihrem Treffen mit Ziegler, Klobensteiner und Teilen der Belegschaft. Um Arbeitsplätze vor Ort zu erhalten, müsse es das Ziel der Sanierung sein, die Produktion in Taufkirchen zu erhalten. Seit Beginn des Schutzschirmverfahrens tausche sie sich mit den Beteiligten aus. Die deutsche Möbelindustrie befinde sich in einer schwierigen Situation. „Das spüren auch bayerische Betriebe, wie hier in Taufkirchen.“

Ziegler lobte die Ministerin: „Sie kennt die Details, ist kompetent und bemüht sich sehr um uns, und ich habe auch umgehend zwei Anrufe aus dem Ministerium bekommen, in welcher Form man helfen könnte.“ Allerdings sei dies nicht mehr so einfach wie vor 15 Jahren, als noch Landesbürgschaften möglich gewesen seien. Ziegler erhofft sich Hilfe über die Bundesagentur für Arbeit für gekündigte Mitarbeiter. Es sei aber auch Hilfe möglich für neue Himolla-Produkte. Da könne es Zuschüsse für Forschung und Entwicklung geben.

Ab 2027 soll das Unternehmen neu aufgestellt werden. „Es werden keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagert“, betonte die Betriebsratsvorsitzende. Je nach Auftragslage könne sich das Niveau aber ändern. In der Modellpolitik sei ebenfalls Neues geplant, sagte Klobensteiner. Geschäftsführer Ziegler möchte künftig das Einstiegspreisniveau senken, allerdings seien diese Modelle ohne Funktionen ausgestattet: „Billig werden wir nie. Wir sind eine Premiummarke.“