Hugo Boss: Übernahme durch Frasers in Deutschland

Es war von Anfang alles andere als eine gute Beziehung: Der Chef des Aufsichtsrats der schwäbischen Modefirma Hugo Boss, Stephan Sturm, sah den britischen Einzelhändler Frasers und dessen Vorgehen immer kritisc...

  • 3 min read
Hugo Boss: Übernahme durch Frasers in Deutschland

Es war von Anfang alles andere als eine gute Beziehung: Der Chef des Aufsichtsrats der schwäbischen Modefirma Hugo Boss, Stephan Sturm, sah den britischen Einzelhändler Frasers und dessen Vorgehen immer kritisch. Die geplante Übernahme des Modeunternehmens aus Metzingen durch die Engländer unterstützte er nicht, im Gegenteil, er wollte sie verhindern. Kein Wunder, dass der britische Milliardär Mike Ashley, der hinter Frasers steht, Sturm öffentlich immer wieder kritisierte.

Nun sind die Fronten klar: Sturm beugt sich dem Druck und gibt sein Amt bei Hugo Boss auf, spätestens zum 15. Oktober, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Damit macht er den Weg für die Engländer endgültig frei. „Vor dem Hintergrund der jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur des Unternehmens bin ich überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen geordneten Übergang im Aufsichtsratsvorsitz ist“, teilte Sturm mit, der seit gut einem Jahr bei Hugo Boss war, zuvor führte er sechs Jahre lang den Gesundheitskonzern Fresenius.

Stephan Sturm führte einige Jahre lang den Gesundheitskonzern Fresenius.

Stephan Sturm führte einige Jahre lang den Gesundheitskonzern Fresenius.

Sepp Spiegl/Imago

Frasers hatte im Juni überraschend ein Übernahmeangebot für Hugo Boss abgegeben, der Schritt war damals mit den Deutschen nicht abgesprochen. Inzwischen halten die Briten etwa 48 Prozent der Aktien und haben angekündigt, weitere Anteile zu kaufen, um über 50 Prozent zu kommen.  In einer Hauptversammlung hätten sie aber bereits jetzt eine Mehrheit, weil nie alle Aktionäre anwesend sind. Frasers-Vorstandschef Michael Murray sitzt bereits im Aufsichtsrat von Hugo Boss und könnte den Vorsitz übernehmen, als Nachfolger von Sturm. Der Großaktionär könnte dann weitgehend durchregieren, ohne weitere Störungen. Den frei werdenden Platz als Aufsichtsrat soll der Jurist Robert Palmer einnehmen, teilten die Briten mit. Er wäre dann der zweite Frasers-Vertreter im Aufsichtsgremium. Er muss dann zunächst vom Amtsgericht bestellt werden.

„Be your own Boss“  heißt der Werbeslogan

Hugo Boss feierte zuletzt sein 100-jähriges Bestehen und ist die einzige große Modefirma aus Deutschland von Weltrang. Boss (Slogan: „Be your own Boss“) mit zuletzt 4,3 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 17 500 Mitarbeitenden ist weltweit eine bekannte Marke. Die Anfänge gehen auf das Jahr 1924 zurück, damals stellte die Familie Boss im schwäbischen Metzingen zuerst Berufsbekleidung her. Während der Nazi-Zeit produzierte Boss auch Uniformen und beschäftigte Zwangsarbeiter. Heute lebt das Unternehmen von hochpreisiger Mode für Herren, aber auch für Frauen, die weltweit erhältlich ist. Groß geworden ist die Firma vor allem mit Herrenanzügen.

Nun ist die Unabhängigkeit endgültig in Gefahr. Bislang war es durchaus das Ziel des Boss-Chefs Daniel Grieder, 65 Boss als unabhängiges börsennotiertes Unternehmen zu erhalten. Der Schweizer kam 2021 von Tommy Hilfiger zu Hugo Boss, damals war Boss in der Krise. Grieder wolle den „Staub auf der Marke wegblasen“. Zu seinem Start sagte er im SZ-Interview: „Es ist nicht meine Aufgabe, die Marke für einen Verkauf hübsch zu machen. Wir wollen nicht verkaufen, wir wollen kaufen.“

Nun kommt es wohl anders. Die Frasers-Gruppe mit Hauptsitz im mittelenglischen Shirebrook ist vor allem ein Textilien-, Schuh- und Sporthändler, unter anderem gehört Sports Direct dazu, aber auch der Londoner Herrenausstatter Gieves & Hawkes oder Sportmarken wie Slazenger. Firmeneigentümer Ashley ist dafür bekannt, Beteiligungen und Einfluss an Unternehmen aufzubauen und dann mitzuregieren.

Wie geht es jetzt weiter? Die Londoner Times hatte noch Ende Juli berichtet, dass Frasers-Chef Murray künftiger Vorstandschef von Boss werden könnte. So soll die Kontrolle auf das deutsche Unternehmen erhöht werden. Nun könnte er die Spitze des Aufsichtsrats übernehmen und von dort aus mitregieren. Der Vertrag von Grieder läuft noch bis Ende 2028. Er hatte gerade eine neue Strategie eingeleitet, unter dem Slogan  „Claim 5 Touchdown“. Damit soll Effizienz und Profitabilität erhöht werden, die Umsetzung läuft.