Moonlighter 2: The Endless Vault im Test - Mondschein-Mathematik - Gaming Magazin | News, Testberichte & Videospiele – Games-Mag.de
Nach nur acht Monaten im Early Access auf Steam, läutet Moonlighter 2: The Endless Vault mit seinem 1.0 Release zeitgleich die Veröffentlichung auf Konsolen ein. Ob die bislang beliebte Mischung aus Dungeon Cra...
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Nach nur acht Monaten im Early Access auf Steam, läutet Moonlighter 2: The Endless Vault mit seinem 1.0 Release zeitgleich die Veröffentlichung auf Konsolen ein. Ob die bislang beliebte Mischung aus Dungeon Crawler und Shopkeeper-Simulation auch im zweiten Anlauf noch überzeugt, oder ob der Mond nicht vielleicht auch eine dunkle Seite hat, lest ihr in unserem Test zu Moonlighter 2 auf der Nintendo Switch 2.

Hachja, Moonlighter. Als wäre es erst gestern gewesen, erinnere ich mich noch ganz genau, wie ich im November 2018 ziemlich broke, aber mindestens genauso neugierig auf dem Sofa meiner Ferienwohnung saß und fast schon hypnotisiert auf den Bildschirm der Nintendo Switch blickte. Ein Dungeon Crawler mit Roguelike-Elementen, der mich zum Besitzer eines beschaulichen Ladens macht und die zuvor erbeuteten Artefakte dort gewinnbringend verkaufen lässt, während ich nebenbei ein ganzes Dorf aufbaue und mir Monster Hunter-Style neue Ausrüstung zusammenbastele, was diesen unwiderstehlichen Gameplay-Loop nur noch mehr befeuert und das Gehirn eines jeden Loot-Lüstlings unweigerlich zum Schmelzen bringt? Oh, Junge!
Und ja, da ihr eigentlich für den Nachfolger hier seid und Brot genauso gut schmeckt wie ein Restaurantbesuch, ist der Titel selbstverständlich noch am selben Abend in meine digitale Bibliothek gewandert – und es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick. Das Erstlingswerk des Entwicklerstudios Digital Sun hat mich seinerzeit derart begeistert, dass ich mit Moonlighter meine ersten zaghaften Speedrun-Versuche gestartet und den Titel ohnehin unzählige Male durchgespielt habe.
Kein Wunder also, dass ich auf die Veröffentlichung von Moonlighter 2 regelrecht hingefiebert habe, wie wahrscheinlich so einige von euch. Nach rund zehn Tagen mit dem erneut grundsätzlich gelungenen Genre-Mix, macht sich allerdings auch ein ganz anderes Gefühl in mir breit: Enttäuschung. Was eine, zumindest in Teilen misslungene Testphase und der nicht enden wollende Fluch des Graf Zahl damit zu tun haben, lest ihr in den nun folgenden Zeilen.

Dimensions-Dilemma
Ganz klar, auch Moonlighter 2 spielt seine Stärken im Gameplay aus. Die Story – mehr schmückendes Beiwerk, als ernstzunehmendes Narrativ – lässt euch einmal mehr in die gut besohlten Schuhe des Händlers Will schlüpfen und erzählt von seiner interdimensionalen Flucht vor Bösewicht Moloch. Der wirft dem fleißigen Helden nämlich Steuerhinterziehung und andere Hintergehen vor, weshalb er Will mitsamt Sack, Pack und ausnahmslos allen Bewohnern des Örtchens Rynoka in eine völlig fremde Dimension verfrachtet.
Immerhin landet die gesamte Truppe in einem verlassenen Dorf mit dem hübschen Namen Tresna, das sich lediglich rein optisch vom ursprünglichen Wohnort des Vorgängers unterscheidet und ansonsten mit allem aufwartet, was das Händlerherz begehrt. Einen eigenen Laden, die Schmiede, eine Brauerei für Tränke sowie zahlreiche skurrile Charaktere dürft ihr allerdings erst kurze Zeit später genießen, schließlich sitzt euch gleich zu Spielbeginn das aufdringliche Fräulein Scratch im Nacken, der ihr ja noch einen gewissen Restbetrag für den Aufbau des sonderbaren Shops schuldig seid.
Gut so, denn anstatt auf große Worte zu setzen, kommt Moonlighter 2 ziemlich schnell zum Punkt. Zwar bieten das mysteriöse Auftauchen eines sprechenden Würfels mitten im Ort und die generelle Fragestellung nach dem Begriff Heimat einen gewissen erzählerischen Mehrwert, im Prinzip könnt ihr die ohnehin nicht vertonten Dialoge aber auch jederzeit überspringen und verpasst dabei rein gar nichts. Wer dagegen so richtig in den interdimensionalen Konflikt einsteigen, die Hintergründe diverser NPCs verstehen und somit vollends in diese reichhaltig ausgestaltete Spielwelt abtauchen möchte, findet überall verstreute Lore-Fetzen sowie optionale Unterhaltungen.

Dimensions-Sprung
Reden wir endlich über ihn. Den großen Elefanten im Raum, den neuen Look von Moonlighter 2. Die Tage charmant-gemütlicher Pixel-Optik scheinen längst gezählt, denn die zweidimensionale Ästhetik des Vorgängers weicht nun einem modernen 3D-Design aus der Iso-Perspektive. Generell wirkt der Sprung in die dritte Dimension geglückt und ein Stück weit immersiver, als die noch leicht grobe und dadurch oft detailärmere Präsentation des Erstlings. Auch die Animationen der Charaktere, allen voran natürlich Will, scheinen wie aus einem Guss und fügen sich perfekt in das größtenteils verspielte Art-Design aus tragödienhaft untergegangenen Zivilisationen, futuristisch anmutender Technik und magischen Märchenbuch-Anleihen ein. Zusammen mit dem entspannten Soundtrack des Spiels, entsteht so ein ansehnlich-stimmungsvolles Gesamtbild, das nur noch manchmal den Retro-Charm des Vorgängers vermissen lässt und aufgrund seiner farbenfrohen Inszenierung optisch stets interessant bleibt.
Doch genug damit, jetzt geht es endlich in die Dungeons, denn abseits des frisch lackierten Stil-Gerüsts, hat sich dort auch inhaltlich eine ganze Menge getan. Zum einen stolpert ihr nun nicht länger von Raum zu Raum, sondern plant eure Route anhand einer Spielbrett-ähnlichen Karte, könnt also vorab sehen, was euch auf der nächsten Ebene erwartet. Titel wie Inscryption lassen hier herzlich grüßen und sorgen so für eine gehörige Portion Taktik und Strategie zwischen den sonst so schnellen Schnetzeleien. Vielfalt schreibt der Titel sowieso extrem groß, weshalb euch in den Arealen gleich eine ganze Wagenladung verschiedener Räume erwartet.
Da Moonlighter 2 überwiegend auf permanente Charakter-Upgrades und ein klassisches RPG-Wertesystem verzichtet, müsst ihr nun direkt in den Dungeons nach temporären Buffs Ausschau halten. Neben prozentualen Steigerungen auf Angriffskraft, Spezialattacken mit mehr Reichweite und Co., erhaltet ihr in den extra dafür markierten Räumen auch hilfreiche Perks, die eure Gegner mit allerlei Statuseffekten belegen und sich clever stapeln lassen. Brennende Feinde, die Summe x pro Sekunde Extraschaden erleiden sind ja schon eine feine Sache, doch kombiniert mit einem buchstäblichen Effektgewitter aus Blitzen, umherfliegenden Speerspitzen und Explosionen, wird daraus ein Fest der Rachegefühle, denn Roguelike-typisch gibt es hier erstmal ordentlich auf die Nase, bis gewisse Parameter aufgestuft und die eigenen Chancen deutlich besser stehen. Immerhin dürfen Dungeons jederzeit verlassen werden und selbst beim Ableben behaltet ihr euren gesamten Loot, der im Gegenzug lediglich ein bisschen von seinem Wert verliert – dazu später mehr. In anderen Räumen hingegen warten nützliche Blaupausen zum Erwerb diverser Dekorationsgegenstände, Waffen oder Rüstungen, die euch ebenfalls mit Buffs belohnen, oder aber auch eine Auswahl an Herausforderungen, welche euch mitunter erst einen dicken Malus verpassen, diesen nach einer gewissen Zeit aber durch kraftvolle Boni auf Statuswerte ersetzen.

Selbstredend wirft euch Moonlighter 2 all das nicht einfach vor die Füße. Im Gegenteil, schließlich wartet in jedem Bereich eine Horde äußerst aggressiver Feinde, die dem abenteuerlustigen Will unbedingt ans Leder wollen. Grundlegend hat sich hier im Vergleich zum Vorgänger nur wenig verändert. Euer Protagonist steuert sich immer noch genauso agil, während sogar die praktische Ausweichrolle ein Comeback feiert. Ohne Cooldown oder sonstige Begrenzungen, kullert ihr unter Schwerthieben, Kugelhagel oder explodierenden Bomben und Feuerwalzen einfach hindurch und warten so auf einen günstigen Moment zum Gegenschlag. Zwar mag das Geschehen teils ziemlich hektisch, auf den ersten Blick sogar überfordernd wirken, doch dank des dynamisch gestalteten Gameplays und der wirklich guten Steuerbarkeit des kleinen Recken, behaltet ihr in den Gefechten stets die Oberhand.
Als spielerisches Highlight entpuppen sich, na klar, die Boss-Begegnungen am Ende eines jeden Dungeons. Die treten ganz besonders mächtig in Erscheinung und beanspruchen durch kreative Angriffsmuster, verschiedene Phasen und eine individuelle, oft interaktiv und klug integrierte Levelarchitektur mitunter sogar eure grauen Zellen. Außerdem hat Protagonist Will nun die Wahl, ob er einen Dungeon am helllichten Tag oder im Mondschein bereisen möchte. Dabei steht es natürlich außer Frage, dass die nächtlichen Ausflüge zwar deutlich gefährlicher ausfallen, sogar mit einem zweiten, besonders starken Boss aufwarten, dafür allerdings mit äußerst seltenem Loot locken.
Übrigens, neben normalen Standardangriffen, verfügt Will inzwischen auch über einen mächtigen Todesstoß am Ende einer Kombo, Spezialangriffe und eine sekundäre Schusswaffe. Die entpuppt sich besonders dann als praktisch, wenn ihr Monstern aus der Distanz Schaden zufügen oder fliegende Gegner vom Himmel holen wollt. Neben einem Standardmodell, das am ehesten einer Pistole gleicht, lassen sich im späteren Spielverlauf noch weitere Varianten freischalten, die dann beispielsweise als Laser fungieren. Als Primärwaffen hingegen, stehen euch weiterhin Schwerter, Langschwerter, Speere oder die beliebten Handschuhe zur Verfügung, die nun ebenfalls traditionelle Werte vermissen lassen und stattdessen mit eher komplexen Wenn/Dann-Bedingungen daherkommen.
Zudem wagt sich Moonlighter 2 für seine Heilmechaniken noch ein ganzes Stück tiefer in den Roguelike-Sumpf. Das lästige Kaufen von heilender Arznei entfällt diesmal komplett, dafür gibt euch der Titel nun eine vorerst festgelegte Anzahl des aufputschenden Gesöffs an die Hand. Menge und Wirkung lassen sich ebenfalls aufwerten, zu Beginn seid ihr allerdings mit lediglich zwei Heiltränken am Start, was den ohnehin schwierigen Einstieg nur noch weiter verschlimmbessert und bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad für eine gewisse Eingewöhnungszeit sorgt, bis ihr tatsächliche Fortschritte erzielt. Falls euch das hingegen immer noch nicht genügt, wählt ihr einfach den schweren Schwierigkeitsgrad oder wartet, bis der Hardcore-Modus Einzug in den Titel hält und euch beim digitalen Bildschirmtod sofort an den Anfang des Spiels versetzt. Doch keine Panik, ein einfacher Modus hat es ebenfalls in den Titel geschafft und der spielt sich wirklich angenehm.

Inventar-Tetris
Auch beim heiß begehrten Thema Loot hat sich Moonlighter 2 auf so manche Änderung eingelassen. Die wertvollen Schätze findet ihr inzwischen nur noch in dafür vorgesehenen Truhen, besiegte Gegner lassen sie nicht länger fallen. Außerdem können Artefakte der selben Art nun nicht mehr gestapelt werden, was den wertvollen Platz im Inventar zusätzlich einschränkt, aber auch einen triftigen Grund hat: Artefakte verfügen jetzt über unterschiedliche Seltenheitsstufen und Qualitäten. Während euch die Videospielindustrie innerhalb der letzten Jahre vermutlich fleißig eingetrichtert hat, dass Items in den Farben Lila und Orange besonders begehrenswert sind und zumindest dieser Faktor selbsterklärend sein dürfte, wird es bei der angesprochenen Qualität schon deutlich kniffliger. Die gibt nämlich den jeweiligen Bonus auf den Verkaufswert eines Artefakts an und kann mit ein wenig Taktik maßgeblich dazu beitragen, ein Objekt für das Vielfache seines eigentlichen Grundpreises zu verkaufen.
Moment mal! Taktik? Ich will doch bloß den leckeren Loot in meinem Rucksack verstauen und später verkaufen. Naja, ganz so funktioniert das leider nicht mehr, mein kritischer Freund, denn Moonlighter 2 lässt euch mit jeder entdeckten Schatztruhe auch immer eine ausgiebige Runde Inventar-Tetris spielen. Neben den bereits angesprochenen Werten besitzen Artefakte diverse Effekte oder Flüche, die außerdem von Biom zu Biom unterschiedlich ausfallen. In der staubigen Sandwüste von Kalina beispielsweise, können gewisse Objekte anderes Inventar-Gut einfach verbrennen. Was erstmal ziemlich blöd und nach einem saftigen Nachteil klingt, wird dann zur ausgeklügelten Strategie, wenn sich weitere Artefakte in eurem Besitz befinden, die genau von diesem vermeintlichen Mangel profitieren und ihre Qualität so deutlich steigern. Unter Berücksichtigung der Position im Inventar und weiteren Auswirkungen, entstehen auf diese Weise irrwitzige Kombinationen, die den schlussendlichen Verkaufspreis eurer Ware signifikant erhöhen.
Apropos, denn beim allgemeinen Spielgerüst beweist Moonlighter 2 erneut Rückgrat und verlässt sich auf die Stärken des Vorgängers, vermischt das dynamische Action-RPG also auch im zweiten Anlauf mit motivierendem Ladenmanagement. Kehrt ihr mit Will nach Tresna zurück, dürft ihre eure gesammelten Schätze sofort im eigenen Shop zum Verkauf anbieten und entspannt dabei zusehen, wie der Rubel langsam ins Rollen gerät.

Rabatt-Schlacht
Wobei, so entspannt ist das alles gar nicht. Im Endeffekt geht es einmal mehr darum, den tatsächlichen Preis eines Artikels anhand unterschiedlicher Kundenreaktionen erst einmal selbstständig zu ermitteln – so ein Monsterhorn hat schließlich noch nie jemand zuvor verkauft. Seid ihr bei der Preisgestaltung zu gierig, rümpft die verärgerte Kundschaft bloß mit der Nase und verwandelt den angedachten Superschatz in einen müffelnden Ladenhüter. Besser also, ihr setzt den Wunschbetrag nun etwas nach unten und beobachtet einfach mal, wie die KonsumentInnen auf den Rabatt reagieren. Mit niedrigeren Preisen schmälert ihr zwar euren Profit, steigert gleichzeitig aber auch die Zufriedenheit der Kundschaft. Neben der Chance auf ein saftiges Trinkgeld, entscheidet dieser Faktor außerdem über diverse Extras, die euer Geschäft noch lukrativer machen. Sind die Bedingungen dafür erfüllt, erhaltet ihr nämlich Zugriff auf eine Reihe besonderer Effekte, aus denen ihr einen wählen dürft. Zum Beispiel wandern Artefakte mit jeweiligem Seltenheitswert auf diese Weise um ganze 30% teurer über die Ladentheke oder ihr steigert schlicht das erhaltene Trinkgeld auf 750 Goldstücke pro verkauftem Artikel, das sich allerdings mit jedem weiteren Verkauf drastisch reduziert.
Als wäre der Kapitalismus nicht länger der Teufel, sondern ein junger Mann mit überdimensionalem Rucksack und Besen im Anschlag, wartet euer Supermarkt für zauberhafte Sonderposten mit schier unendlich wirkenden Möglichkeiten der Verbesserungen auf. Neben dem obligatorischen Upgrade, die Bude allgemein in mehreren Stufen zu vergrößern, verfügen Vitrinen nun ebenfalls über diverse Effekte und zusätzliche Dreingaben, während Dekorationsgegenstände in eine ähnliche Kerbe schlagen und einen bedeutenden Einfluss auf finale Verkaufspreise nehmen.
Schluss ist damit noch lange nicht, schließlich lässt sich Robo-Assistent H3LF3R gleichermaßen diversen Upgrades unterziehen, wodurch ihr zusätzliche Truhenkapazität, Boni für glückliche Kundschaft deutlich früher und weitere dienliche Effekte auf das Trinkgeld und Co. freischalten dürft. Mit dem letzten größeren Update, und damit natürlich auch in den 1.0 Release von Moonlighter 2, haben es dann noch die überaus niedlichen Glibbys ins Spiel geschafft. Die Schweinsartigen Wesen mit Knuddelfaktor hoch Zehn hoffen überall in den Dungeons auf ihre Rettung und belohnen euch bei Erfolg mit tatkräftiger Unterstützung im Shop. Weitere 30% auf den Verkauf der ersten drei Artefakte mit Seltenheit Legendär? Danke, du coole Sau!
Da sämtliche Aufwertungen natürlich Ingame-Währung und teilweise seltenes Monstermaterial kosten, wird ein regelmäßiger Besuch der Dungeons ganz klar zur Pflicht. Und weil Moonlighter 2 es einmal mehr versteht, seine einzelnen Mechaniken und Elemente derart gelungen miteinander zu verzahnen, entsteht aus dieser Endlosschleife schnell ein süchtig machender, extrem spaßig-motivierender Sog, der oft genug dafür sorgend wird, dass ihr nur noch eben diesen einen Dungeon durchlaufen, dieses eine Upgrade freischalten wollt, ehe ihr die Zeit völlig aus den Augen verliert. Logischerweise spielt hier auch der Roguelike-Aspekt eine tragende Rolle. Welches Artefakt rechtfertigt einen wertvollen Platz im begrenzten Inventar? Übersehe ich vielleicht einen Effekt und vernichte somit kostbare Fracht? Gehe ich volles Risiko und stelle mich mit gefülltem Rucksack dem Boss? Ganz klar, trotz unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und der Möglichkeit, jederzeit sicher und ohne Verluste nach Tresna zurückkehren zu dürfen, bleibt Moonlighter 2 auch immer ein Tanz mit dem Feuer, der Gier nur in den seltensten Fällen belohnt, sich dann aber besonders stark anfühlt.

Ein Spiel wie eine Steuererklärung
Moonlighter 2 ist eine äußerst konsequente Fortsetzung. Anstatt die gelungene Formel durcheinander zu bringen, verbessert Entwickler Digital Sun stilsicher an bereits funktionierenden Mechaniken, lässt das Spielgefühl noch einen Kniff flotter wirken und setzt mit viel Inhalt und etlichen Upgrade-Gelegenheiten auf eine nicht zu unterschätzende Langzeitmotivation.
Die Krux an der Sache ist leider nur, dass sich Moonlighter 2 als genau dieser Zahlen-Jongleur völlig übernimmt. Ein derart kleinteiliges Werte-Wirrwarr mit undurchsichtigen Prozentsätzen habe ich zuletzt auf meiner Steuererklärung gesehen. No pun intended. Wenn ich für eine nicht gerade unerhebliche Summe die Wahrscheinlichkeit seltener Truhen von 5% auf 7,5% erhöhen soll, bin ich einfach raus und sehe absolut keinen Sinn darin, in diesen Parameter zu investieren – auch wenn mir das langfristig vermutlich schaden wird. Aufwertungen fühlen sich schlicht nicht mehr wuchtig, kurzfristig nicht wirkungsvoll genug an. Für einen einzelnen Zusatz-Slot im Inventar muss ich bereits tief in meine Abenteurertasche greifen, empfinde dabei aber nie das Gefühl wirklichen Fortschritts.
Ähnlich verhält es sich mit der maximalen Gesundheit, der Wirkung von Heiltränken und vielen anderen Parametern, die bei ihrer Verbesserung immer nur eine mikroskopisch kleine Progression erlauben. So richtig motivieren konnte mich das in meinen fünfzehn Stunden mit dem Titel leider nur selten, zumal sich in Moonlighter 2 ernsthaft alles upgraden lässt, was nicht eh schon hinter dem Mond lebt – ob nun permanent oder temporär. Schmerzlich vermisse ich die übersichtlichen Wertesysteme des Erstlings, in dem Waffen noch ganz klassische Zahlen für ihre Angriffsstärke aufgewiesen und mir völlig transparent ihren Schaden mitgeteilt haben. Heute, in Wills zweitem Abenteuer, starre ich wieder hypnotisiert auf den Bildschirm meiner Nintendo Switch 2. Weil ich mich hilflos darin verliere, ob sich ein Upgrade für den Protokollvernichter beim Schmied wohl lohnen mag. Auf der nächsten Stufe reduziert der nämlich meine Angriffskombo um 1, während Schärfe den Schaden nicht länger erhöht, dafür aber die Wirkung des Todesstoßes um 10% verbessert…

So richtig absurd wird es dann bei den Artefakten. Mit denen verbringe ich ja bereits in den Dungeons ziemlich viel Zeit, indem ich ihre Effekte studiere, die Anordnung im Inventar plane und natürlich auch ein kleines bisschen auf mein aktuelles Glück angewiesen bin, während ich das begehrte Gut eifrig verbrenne, unter Strom setze oder aus Versehen auch einfach mal unwiederbringlich zerstöre. Beim tatsächlichen Verkauf der Ware zählen dann noch Kriterien wie der zurzeit ausgerüstete Glibby, sein jeweiliger Effekt inklusive Stufe, Dekorationsgegenstände…und ihre aktuelle Aufwertungsstufe, die ebenfalls Einfluss auf Verkaufspreise oder die Zufriedenheit der (Stamm-)Kundschaft nehmen und so viele andere Faktoren, sodass alles in einem prozentualen Chaos versinkt, in dem ich den Überblick völlig verliere.
Ok, in den meisten Fällen profitiere ich schlicht davon, denn ein Großteil der Effekte verschafft mir positive Boni. Trotzdem hätte ich mir gerne ein Fünkchen Nachvollziehbarkeit gewünscht, etwas mehr Klarheit und vermutlich auch einfach weniger von dem, mit dem Moonlighter 2 hier so präsent auftrumpfen möchte. Im Endeffekt habe ich immer den Eindruck, dass all das noch nicht genügt. Meine hart erarbeiteten 20% auf Relikte der Seltenheit Ungewöhnlich klingen erstmal ganz nett. Aber wäre es nicht schön, diesen oder einen noch höheren Bonus auf legendäre Artefakte zu erhalten? Würde ich dann nicht schneller vorankommen, mehr Geld für meine Verkäufe erhalten und die nächsten, zugegeben meist motivierenden und spannenden Inhalte freischalten? Selbstredend, und für manche SpielerInnen dort draußen mag gerade das verlockend klingen, ich hingegen habe einmal zu oft das Gefühl, etwas Unerledigtes liegen zu lassen, optimieren zu müssen und bei Missachtung etwas Essentielles zu verpassen.

Schwierige Testphase
Gerne hätte ich euch an dieser Stelle eine Gesamtspieldauer verraten und darüber berichtet, wie sich Moonlighter 2 nach seinen ersten drei Dungeons so entwickelt. Bleibe ich wirklich am Ball oder verliert mich der Titel mittendrin? Was für Inhalte erwarten euch im Endgame? Tja, leider gibt es auf all diese Fragen noch keine Antworten. Zumindest in der aktuellen Version 1.0.35 für die Nintendo Switch 2. Die hängt sich beim nächtlichen Boss der dritten Welt nämlich unweigerlich auf und verhindert so jeglichen Fortschritt. Besonders blöd ist das, weil ich euch bis hierhin quasi nur wenig über die tatsächliche Vollversion des Titels verraten konnte, denn dieser Content war und ist bereits in der finalen Early Acccess-Phase erlebbar. Gegebenenfalls, etwa bei deutlichen Änderungen in der Spielerfahrung, aktualisieren wir diesen Artikel aber nachträglich für euch.
Trotzdem darf ich euch mit einer Entwarnung entlassen. Dieser Bug ist bereits bekannt und soll mit dem nächsten Patch zuverlässig ausradiert werden. Zwar lässt das digitale Pflaster am Tag der Veröffentlichung des Testartikels noch auf sich warten, spätestens zum Release des Spiels am 02. September 2026 soll es aber so weit sein, sodass ihr erst gar nicht über größere Probleme stolpern solltet. Denn, und das muss an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden, Moonlighter 2 läuft auf der Nintendo Switch 2 schon jetzt hervorragend. Zwar fehlen uns spezifische Technik-Daten, ein jederzeit klares Bild bei einer Auflösung von 1080p, sowohl im TV-, als auch Handheldmodus, können wir euch allerdings versichern. Die angestrebten 60 Bilder pro Sekunde werden meist erreicht und lediglich durch kleine Mikro-Ruckler getrübt, was die visuelle Gesamterfahrung aber zu keiner Zeit beeinträchtigt. Englisch-Muffel freuen sich ebenfalls, denn der Titel wurde komplett lokalisiert und verfügt auf Wunsch über deutsche Bildschirmtexte.
Moonlighter 2: The Endless Vault erscheint am 02. September 2026 auf PC via Steam, Playstation 5, Xbox Series X/S sowie im Gamepass und der Nintendo Switch 2.
Für diesen Test von Moonlighter 2 auf der Nintendo Switch 2 wurde uns freundlicherweise ein Reviewcode vom Publisher 11 bit studios, bzw. deren zuständigen PR-Kontakten zur Verfügung gestellt. Screenshots und weiteres Bildmaterial stammen aus dem offiziellen Pressekit.
Fazit/Score: 7.5
Im Kern bleibt Moonlighter 2 ein erhabenes Action-RPG mit Einflüssen aus dem Roguelike-Genre und einer clever wie motivierend integrierten Shopkeeper-Simulation sowie massig Inhalt, das sich nur leider etwas zu sehr im eigenen Werte-Wirrwarr verliert und somit die Leichtigkeit und Übersicht des Vorgängers schmerzlich vermissen lässt. Außerhalb der mathematischen Manie weiß das dynamisch-flotte Gameplay nämlich weiterhin zu überzeugen und wer wirklich Freude daran hat, an jeder noch so mikroskopisch kleinen Stellschraube zu drehen, um die eigene Spielerfahrung einen My zu verbessern, findet hier den nächsten großen Hit.