Morgens Büro, abends Studio: Kasselerin gibt Pole-Dance-Kurse

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Morgens Büro, abends Studio: Kasselerin gibt Pole-Dance-Kurse

Stand: 19.08.2026, 13:54 Uhr

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Lesley GötzfriedFoto: Silvana Casselmann

Während des Trainings: Lesley Götzfried sagt, dass Poledance ihr Selbstbewusstsein gestärkt habe. © Silvana Casselmann

Lesley Götzfried arbeitet tagsüber im Büro und unterrichtet abends an der Stange. Die 30-Jährige spendet einen Teil ihrer Einnahmen an Tierschutzvereine.

Kassel – Tagsüber arbeitet Lesley Götzfried als Nachhaltigkeitsmanagerin in einer Fuldaer Firma, abends steht sie im Tanzstudio oder auf der Bühne. Dann gibt die Tänzerin Poledance- und Chair-Dance-Kurse, entwickelt Choreografien oder bereitet sich auf den nächsten Auftritt vor. Was für viele wie zwei völlig unterschiedliche Welten klingt, gehört für sie ganz selbstverständlich zusammen. „Ich bin eigentlich eine Büromaus“, sagt sie und lacht.

Poledance ist akrobatisch, ästhetisch und sexy zugleich.

Die gebürtige Kasselerin entdeckte ihre Leidenschaft während ihrer Ausbildungszeit in Bremen. Poledance habe sie schon lange fasziniert, erzählt sie. Über eine Bekannte kam sie schließlich zum ersten Training. Eine eigene Stange zum Geburtstag und viele Übungsstunden später stand ihr Ziel fest: „Für mich war eigentlich von Anfang an klar, dass ich irgendwann selbst Trainerin sein möchte“, erzählt Götzfried

Nur zwei Jahre später übernahm sie erste Anfängerkurse als Vertretung. Während der Corona-Pandemie entwickelte sie zusätzlich ein Online-Angebot für ihre Schüler. Nach ihrem Umzug setzte sie ihre Trainertätigkeit in anderen Studios fort. Heute unterrichtet sie regelmäßig, gibt Shows und tritt bei Veranstaltungen auf. Zuletzt war sie Teil der „Abendrot-Show“ von Romana Reiff in der Bar Seibert – ein Auftritt, der für sie ein lang gehegter Traum war. „Ich habe dort so viel gelernt und bin einfach sehr dankbar für die Zeit“, sagt sie rückblickend.

Trotzdem soll Poledance für die 30-Jährige, die Ergotherapeutin ist und Ökotrophologie studiert hat, ein Nebenberuf bleiben. Ihr Alltag ist dennoch gut gefüllt. Nach dem Vollzeitjob geht es häufig direkt ins Studio, an den Wochenenden stehen Workshops, Fotoshootings oder Auftritte an. „Es gibt natürlich Tage, die sehr anstrengend und energiezehrend sind“, räumt sie ein. Dann helfen ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und vor allem ein starkes Team. „Ich habe tolle Menschen um mich herum, die mich auffangen und auch mal einen Kurs übernehmen können“, betont Lesly Götzfried.

Was sie an Poledance besonders begeistert, ist die Vielfalt. „Mein Sport kann alles sein, was man daraus machen möchte“, erklärt die Trainerin. Mal stehen Akrobatik und Tanz im Mittelpunkt, mal Eleganz oder eine besonders ausdrucksstarke Choreografie. Für Götzfried gibt es dabei kein Richtig oder Falsch. Viel wichtiger sei, dass jeder seinen eigenen Stil finden könne. „Man darf hier einfach so sein, wie man ist.“ Das Studio sei für viele ein Safe Space – ein Ort, an dem sich Menschen ausprobieren und Selbstvertrauen entwickeln könnten.

Der Sport habe auch sie verändert. „Poledance hat mir ein ganz neues Selbstbewusstsein verschafft.“ Das gelte nicht nur für sie. Immer wieder erlebe sie, wie Schüler über sich hinauswachsen und mit jedem Training mehr Vertrauen in den eigenen Körper gewinnen.

Dabei kämpft Poledance bis heute gegen alte Klischees. Lange sei der Sport fast ausschließlich mit dem Rotlichtmilieu verbunden worden. Dieses Bild habe sich inzwischen verändert. Lesley Götzfried sagt: „Die Leute haben mittlerweile immer mehr begriffen, wie viele Facetten dieser Sport zu bieten hat.“ Dass Poledance auch sexy sein könne, gehöre für sie dazu. „Er ist akrobatisch, ästhetisch und sexy zugleich“, stellt sie klar. Als Trainerin sehe sie deshalb auch eine Verantwortung darin, den Sport in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen und Vorurteile abzubauen.

Neben ihrer Arbeit engagiert sich Lesley Götzfried außerdem im Tierschutz. Einen Teil ihrer Einnahmen aus Kursen und Shows spendet sie an kleinere Tierschutzvereine. Für Menschen, die Poledance ausprobieren möchten, hat sie vorrangig eine Botschaft: sich einfach trauen. Fitness oder Vorkenntnisse seien keine Voraussetzung. „Der Fortschritt kommt mit dem regelmäßigen Training ganz von allein.“