Münchner Stadtteil stand jahrzehntelang unter US-Einfluss – die Spuren sieht man bis heute

tzMünchenStadtObergiesing-FasangartenStand: 31.07.2026, 18:42 UhrKommentareUns auf Google folgenNach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich US-Soldaten in München nieder. Vor Jahrzehnten wurden sie abgezogen. Ihre S...

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Münchner Stadtteil stand jahrzehntelang unter US-Einfluss – die Spuren sieht man bis heute

Stand: 31.07.2026, 18:42 Uhr

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Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich US-Soldaten in München nieder. Vor Jahrzehnten wurden sie abgezogen. Ihre Spuren sieht man in einem Stadtbezirk bis heute.

Obergiesing-Fasangarten – Es sind eigentlich zwei Gegensätze, die hier aufeinanderprallen: Das dicht bebaute Obergiesing bildet seit 1992 gemeinsam mit dem deutlich grüneren Fasangarten den 17. Stadtbezirk Münchens. Letztgenannter Teil wird sogar erst seit 2009 offiziell im Namen des Bezirks erwähnt. Aber auch, wenn sie zunächst sehr gegensätzlich wirken: Beide Viertel eint eine Besonderheit: Sie wurden stark amerikanisch geprägt.

Ami-Siedlung Wohnanlage am Perlacher Forst Foto: Marcus Schlaf, 25.04..2025

Historisches Areal: Die „Ami-Siedlung“ trägt ihren Namen aufgrund der US-Soldaten, die dort früher gelebt haben. © Marcus Schlaf

Frühere Heimat vieler US-Soldaten – auch heute ist Obergiesing-Fasangarten sehr amerikanisch geprägt

Diese Entwicklung hing vor allem mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Nach 1933 bezogen die Nationalsozialisten in Obergiesing Quartier: An der Tegernseer Landstraße entstand mit der Reichszeugmeisterei das größte Dienstgebäude der NSDAP. Das Gefängnis Stadelheim wurde zur zentralen Hinrichtungsstätte. Obergiesinger Betriebe beuteten Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge aus. Giesinger Bürger wurden systematisch verfolgt, entrechtet und ermordet.

Hallo, ich bin Benedikt Strobach, Online-Lokalredakteur bei tz.de.
Als gebürtiger Untergiesinger – der auch immer noch im Viertel lebt – durfte ich die Vorzüge und den Charme des Münchner Südostens jahrzehntelang aus nächster Nähe erleben und lieben lernen. Für tz.de berichte ich über die Themen, die München und Münchner bewegen. Umso mehr freue ich mich, für Sie künftig die aktuellen Entwicklungen aus Ihrem (und meinem) Teil der Stadt im Newsletter „München-Südost“ zusammenzufassen und erklären zu können, was bei Ihnen (und bei mir) vor der Haustür stattfindet.

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Benedikt Strobach

Benedikt Strobach ist Redakteur bei tz.de und merkur.de. © privat

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich dann die US-Truppen in Obergiesing nieder – und ihre Spuren sind bis heute erkennbar. Die Siedlung am Perlacher Forst – oft „Ami-Siedlung“ genannt – entstand zwischen 1954 und 1957 für US-Soldaten und deren Familien. Sie prägte das Viertel durch eine städtebauliche Struktur mit viel Grün, großzügigen Wohnblöcken und amerikanischem Lifestyle. Dieser zeigte sich in Elementen wie dem ehemaligen Baseballfeld oder dem Cincinnati Kino.

Auch der erste McDonald’s entstand in München

Im Mai 1945 bezog die US-Militärregierung für Bayern zudem die ehemalige Reichszeugmeisterei in der Tegernseer Landstraße. Dieses Gelände westlich und östlich der Tegernseer Landstraße zwischen Peter-Auzinger-, Stadelheimer- und St.-Quirin-Straße, die ehemalige McGraw-Kaserne, wurde von den US-Streitkräften für militärische Zwecke genutzt. Unter anderem entstanden dort auch der Munich Campus der University of Maryland, der Munich Community Club, ein Commissary-Einkaufszentrum, eine Wäscherei, eine Tankstelle, Bowlingbahnen und eine Zahnklinik.

Und auch die amerikanische Fast-Food-Vorliebe kam zuerst nach Obergiesing. Im Dezember 1971 eröffnete Deutschlands erster McDonald’s in der Martin-Luther-Straße 26.

„Ami-Siedlung“ und ehemalige McGraw-Kaserne in München zeigen bis heute US-amerikanische Spuren

Der Abzug der US-Truppen im Jahr 1992 sorgte für deutliche Änderungen. Die ehemalige „Ami-Siedlung“ wurde von Münchnern bezogen. Heute gibt es Pläne, die Siedlung nachzuverdichten – die für viel Diskussionsstoff sorgen. Die Siedlung zeigt sich weiter durch ihre typische amerikanische Siedlung mit großzügigen Grünflächen, breiten Straßen und einer Bebauung mit lang gezogenen, meist zwei- bis dreistöckigen Wohnblöcken, wie sie in der gesamten Bundesrepublik an nahezu allen Standorten der US-Army errichtet wurde.

Die ehemalige McGraw-Kaserne und der McGraw-Graben in München.

Die ehemalige McGraw-Kaserne thront über dem McGraw-Graben in München. (Archivfoto) © IMAGO/HRSchulz

In der ehemaligen McGraw-Kaserne mietete sich nach Abzug der US-Truppen zunächst die Münchner Polizei ein. Der Freistaat Bayern errichtet hier im östlichen Bereich ein neues Wohnquartier. Geplant sind circa 250 Mietwohnungen für Staatsbedienstete sowie 297 Wohnheimplätze mit bezahlbaren Mieten, Geschäfte, Kindertagesstätten und Grünflächen. Die Fertigstellung ist gestaffelt und von Ende 2026 bis Anfang 2028 geplant. Den US-Namen hat das Gelände aber bis heute behalten. (Quellen: KulturGeschichtsPfad für Obergiesing-Fasangarten, eigene Recherche) (bes)