Oldschool in der Alten Försterei

Ein torloses Remis, das wie eine weitere Annäherung zwischen Team und Trainer wirkt. Union verteidigt leidenschaftlich gegen den BVB, wie zu alten Zeiten. Von den Defensivproblemen zum Saisonstart keine Spur.

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Oldschool in der Alten Försterei

Union Berlin holt Punkt gegen BVB

Oldschool in der Alten Försterei

Unions Tom Rothe (r.) im Zweikampf mit BVB-Spieler Julian Ryerson. (IMAGO/Eibner-Pressefoto/Scott Co)
Unions Tom Rothe (r.) im Zweikampf mit BVB-Spieler Julian Ryerson. (IMAGO/Eibner-Pressefoto/Scott Co)

Icon Kommentar

  • Union hält zum zweiten Mal in Folge die Null
  • Das gab es zuletzt 2025
  • Haberer überzeugt erneut in ungewohnter Defensivrolle

Kurz nach der Pause, im Niemandsland irgendwo nahe der Seitenlinie, Ballbesitz Dortmund. Maximilian Beier will die Kugel loswerden. Ryserson startet durch, bietet sich an, Beier spielt den Pass. Doch mal wieder ist Unions Janik Haberer zur Stelle, Beiers Schatten, er bekommt noch den Fuß dazwischen. Der Ball prallt zu Rani Kherdira – der prompt einen saftigen Schubser vom Dortmunder Offensivspieler kassiert.

Es war ein Foul, dass in der Phase des Spiels wie ein Katzenjammer des BVB wirken konnte: An diesem vernieselten Samstagnachmittag war gegen die Verteidigung des 1. FC Union Berlin kein Durchkommen.

Union bleibt cool trotz Einschüchterungsversuchen

Die Null bei Union steht also schon zum zweiten Mal nacheinander. Das gab es zuletzt vor anderthalb Jahren. "Es war ein schönes Nullzunull", fand Trainer Mauro Lustrinelli. "Es war offen bis zum Schluss. Beide Mannschaften haben um den Sieg gespielt."

Dabei waren es vor brodelnder Kulisse an der Alten Försterei zu Beginn die Dortmunder Feinfüße, die durch ruppige Zweikampfführung die Grenzen austesteten. Nach einer Viertelstunde hatten bereits drei Union-Spieler die Unterseite eines Dortmunder Stollenschuhs kennenlernen müssen. Ethan Nwaneri, Waldemar Anton und auch Stürmer Serhou Guirassy bekamen von Schiedsrichter Daniel Schlager die gelbe Karte gezeigt, allesamt völlig zurecht.

Mit Blick auf diese schwarzgelben Einschüchterungsversuche war es bemerkenswert, wie cool die Gastgeber im weiteren Spielverlauf auftraten. Zwar wurde die Spielgestaltung dem Gegner überlassen (39 Prozent Ballbesitz), die Riesenchance gab es auf Unioner Seite auch nicht. Doch der BVB wurde durch den Unioner Abwehrfleiß seiner Mittel beraubt.

Nicht mal mehr Spurenelemente vom Saisonstart

Im dicht verzahnten Abwehrverbund ragte Tom Rothe heraus. Der mittlerweile raspelkurz geschorene Verteidiger räumte, irgendwie passend zur Frisur, kompromisslos die meisten Dortmunder Dribbel-, Pass- und Schussversuche in der Nähe seiner linken Abwehrseite ab.

Während der Favorit zunehmend in Hektik verfiel, strahlte das gesamte Unioner Team souveräne Geschlossenheit aus. Vom Defensivchaos zum Saisonstart (17 Gegentore in vier Spielen) schienen nicht mal mehr Spurenelemente übrig.

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"Wir haben ein klares Bewusstsein dafür entwickelt, in erster Linie zu versuchen, zu null zu spielen."

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Union-Spieler Rani Khedira

Der Schweizer Trainer Lustrinelli scheint nun endgültig seine Vierer-Abwehrformation gefunden zu haben: Der gelernte Mittelfeldspieler Haberer überzeugte erneut auf der rechten Außenseite, wie auch Zeno van den Bosch seinen Platz in der Abwehr behauptete (67 Prozent gewonnene Zweikämpfe).

Offensive Harmlosigkeit

War noch zu Saisonbeginn der Eindruck entstanden, dass der offensivfreudige Trainer und sein neues, jahrelang auf Abwehrkampf gepoltes Team nicht wirklich zueinander passen wollten, deutete das verdiente Remis an, dass beide noch näher zusammenrückt sind.

Zumindest sagte ein zufriedener Rani Khedira nach dem Spiel: "Vor vier Wochen, wahrscheinlich, habe ich gesagt, dass wir dabei sind, unsere große Stärke zu verlieren. Die haben wir uns jetzt wieder erarbeitet und haben ein klares Bewusstsein dafür entwickelt, in erster Linie zu versuchen, zu null zu spielen." Auf diesem Fundament wolle das Team vorne seine Chancen suchen, so Khedira.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich in Unions Offensive meistens dann, wenn sich Umschaltsituationen boten, eher Ideenlosigkeit breitmachte. Im ersten Durchgang gab es solche Gelegenheit mehrfach. Mehr als ein Querschläger von Tim Skarke aus zwanzig Metern resultierte im ersten Durchgang aus dem Spiel heraus nicht.

"Union heißt Zusammenhalt"

"Mit dem Ball haben wir natürlich noch Verbesserungspotenzial. Ich glaube, wenn wir unser ganzes Potenzial zu Verfügung haben – vor allem die beiden fehlenden Stürmer Ilic und Burke - werden wir flexibel und noch variabler sein", sagte Lustrinelli.

Die Köpenicker Fans feierten das torlose Remis wie einen Sieg. Ein erkämpfter Punkt, der Euphorie auslöst – es erinnert ein wenig an die Ära unter Urs Fischer, dem in Köpenick noch immer verehrten Trainer, der den Klub mit intensivem, manchmal ekligem, immer effizientem Fußball bis in die Champions League coachte. Ein Comeback von Oldschool-Union?

Lustrinelli wurde nach dem Spiel jedenfalls etymologisch: "Union heißt Zusammenhalt, das heißt Team-Dynamik, Team-Spirit, die Leidenschaft, das muss die Basis sein." Insofern wurde Union Berlin seinem Namen an diesem Samstagnachmittag gegen Borussia Dortmund gerecht.

Sendung: rbb|24, 17.10.2026, 19:50 Uhr
Audio: rbb|24, 17.10.2026, Jakob Rüger